So will VW die Kritik am ID.3 ausräumen

01.03.2023 von Thomas Geiger

Update für den VW ID.3

VW spendiert dem ID.3 ein vorgezogenes Update, glättet das Design und veredelt den Innenraum. Gespart wird dafür künftig an der Modellvarianz. Wir haben die Details und die Infos zur Reichweite und den Preisen.

Der ID. Buzz ist gerade auf dem Weg in den Handel, der ID.7 (Vorstellung) noch nicht fertig und mit dem ID.2 (Ausblick) als kommendem Volksstromer hat Volkswagen das womöglich wichtigste Modell noch vor der Brust: Über einen Mangel an Beschäftigung können sich die MEB-Entwickler in Wolfsburg derzeit sicher nicht beklagen.

Frühes Facelift

Trotzdem mussten sie jetzt noch ein paar zusätzliche Überstunden am Modularen Elektro-Baukasten (MEB) machen und sich dabei den elektrischen Erstling, den ID.3, noch einmal vornehmen. Denn nicht erst wie geplant nach drei Jahren, sondern schon nach rund 30 Monaten zaubert VW jetzt einen „neuen“, nun ja, zumindest gründlich überarbeiteten ID.3 aus dem Hut.

Zu laut war die Kritik am „Golf für die Generation E“ und zu mäßig sein Erfolg, als dass die Niedersachsen noch länger mit einem Update hätten warten wollen. Und dass sowohl im Konzern als auch bei der Marke jetzt jemand neues auf dem Chefsessel sitzt, hat das Tempo sicher auch noch einmal beschleunigt. Deshalb ziehen sie schon jetzt das Tuch vom ersten Facelift, sammeln neue Orders ein und versprechen die Auslieferung ab dem letzten Quartal dieses Jahres.

Erfolgreiche ID.-Modellreihe

Sieht man von den leidigen Software-Bugs einmal ab, gibt es an der Technik dabei nicht einmal viel zu mäkeln. Immerhin konnte Volkswagen bereits über 600.000 Elektroautos seit dem Start der ID.-Offensive weltweit absetzen. Doch vor allem beim Design und mehr noch beim Innenraum haben sie offenbar gehudelt oder sich von den Controllern das Heft aus der Hand nehmen lassen – oder beides. Denn für die selbsternannten Erfinder der Nullfuge, des silikongedämpften Haltegriffes und des weich unterschäumten Lacks auf dem Armaturenbrett war insbesondere der Innenraum des kompakten ID.3 eine vom Rotstift der Kostenkiller zur Karikatur alter Werte zusammengestrichene Vorstellung.

Wir haben verstanden“, lautet deshalb die Botschaft des neuen Markenchefs Thomas Schäfer, der wieder mehr auf Kunden als auf Buchhalter hören will und damit jetzt beim ID.3 anfängt. Deshalb geht es beim Facelift weniger um technische Updates als um optische und haptische Werte. So zeigt das Facelift-Modell eine komplett erneuerte Front ohne die schwarze Kunststoffblende vor der Windschutzscheibe, eine stärker konturierte Fronthaube und vor allem einen weniger beliebigen, rundgelutschten Ausdruck gepflegter Langeweile. Ein weiterer Vorteil des überarbeiteten Designs: Der cW-Wert reduziert sich leicht von 0,27 auf jetzt 0,263.

Weniger Vielfalt – vorerst

Kunden werden sich dafür auch weiterhin mit einer zusammengestrichenen Modellvarianz begnügen müssen. Zunächst einmal bleibt es beim VW ID.3 Pro mit 58-kWh-Akku und bis zu 426 Kilometer Normreichweite. Das „Performance-Upgrade“ verbaut VW jetzt ab Werk, weshalb der Heckmotor im ID.3 Pro nun immer 150 kW leisten wird. Nach einigen Preiserhöhungen soll diese Version nun wieder für weniger als 40.000 Euro zu haben sein. Konkret startet diese Modellvariante bei 39.995 Euro.

VW ID.3 Pro VW ID.3 Pro S
Batterie (brutto/netto): 62 kWh/58 kWh 82 kWh/77 kW
Leistung: 150 kW 150 kW
0–100 km/h: 7,3 s 7,9 s
Höchstgeschw.: 160 km/h 160 km/h
Reichweite (WLTP): 426 km 546 km
Verbrauch (WLTP): 16,0–15,3 kWh/100 km 15,7 kWh/100 km
Ladeleistung DC: 120 kW 170 kW
Ladezeit DC (5–80 %): 35 min 30 min
Preis DE: ab 39.995 € N/A
Preis AT: N/A N/A

Darüber rangiert noch der ID.3 Pro S, der mit dem großen 77-kWh-Akku auf fast 550 Kilometer im WLTP-Zyklus kommt und für den VW derzeit happige 56.500 Euro aufruft. Ob VW den Preis zum Bestellstart des Facelift-Modells Ende März 2023 noch reduzieren wird, bleibt abzuwarten. Ein Lichtblick bildet das günstigere Basismodell „Pure“ mit kleinerer Batterie, das später nachgeschoben werden soll. Und für die Fans von mehr Leistung wird in ein paar Monaten der GTX mit Allradantrieb und über 220 kW Leistung präsentiert.

Edleres Cockpit, jetzt vegan

Natürlich wurde auch das Cockpit aktualisiert, das jetzt endlich keine ganz so billige Plastikwüste mehr sein mag und sich deshalb unterschäumte Kunststoffe und schmucke Ziernähte leistet. Wobei es noch durchaus fraglich ist, ob es den Werten dient und der Wertigkeit schadet, wenn ein Kunststoff den Lederbezug am Lenkrad ersetzt, weil VW jetzt auf einen tierfreien Innenraum setzt.

Parallel zu den edleren Materialien, die zum Teil aus recycelten Werkstoffen bestehen, hat VW auch die Ausstattung aufgewertet, den großen Bildschirm (12 Zoll) jetzt in den Serienstand erhoben, zwei Cupholder zwischen die Sitze geschraubt und allen Kunden den herausnehmbaren Ladeboden im Kofferraum spendiert.

Ach ja, und einen neuen Softwarestand gibt es auch: Der ermöglicht Plug & Charge ohne lästiges Gefriemel mit Karten oder RFID-Tags und vor allem Updates over the Air, so dass künftige Kunden auch ohne Boxenstopp in der Werkstatt auf dem neuesten Stand bleiben. Außerdem ist der ID.3 damit gerüstet fürs bidirektionale Laden im eigenen Haushalt.

Kürzere Lieferzeiten durch Produktion in Wolfsburg

Und noch ein Problem adressiert VW bei der Modellpflege: die langen Lieferzeiten. Um endlich der Nachfrage Herr zu werden, bauen die Niedersachsen den ID.3 künftig nicht nur in Zwickau und Dresden, sondern holen ihn zudem ins Stammwerk nach Wolfsburg. Eine kurzfristige Entspannung ist davon aber nicht zu erwarten, müssen die Wolfsburger einräumen: Wer jetzt bestellt, kann frühestens im vierten Quartal 2023 mit seinem neuen Auto rechnen.

Und ja, sie wollen das Ohr jetzt zwar wieder ganz nah an der Stimme des Volkes haben bei VW und wiederholen mantragleich, dass sie verstanden haben. Doch so ganz ausräumen können sie die Kritik noch nicht. Denn bis es den lautstark geforderten XL-Bildschirm und mit ihm endlich auch eine Beleuchtung für die gewöhnungsbedürftige Slider-Leiste zur Bedienung von Lautstärke und Klimaanlage gibt, dauert es noch einmal ein Jahr – vor Sommer 2024 ist damit nicht zu rechnen, müssen die Verantwortlichen einräumen.

Fotos: Volkswagen

Quelle(n): Pressemitteilung von Volkswagen vom 01.03.2023 und vom 06.03.2023 (Preisupdate), VW-Konfigurator (DE), VW-Konfigurator (AT)

Update 06.03.2023: neuer Basispreis für den ID.3

Volkswagen hat inzwischen den neuen Basispreis für die Variante VW ID.3 Pro bekanntgegeben. Dieser liegt bei 39.995 Euro. Der Bestellstart soll Ende März erfolgen. Die Preise für Österreich und für weitere Varianten stehen noch nicht fest. Der Artikel wurde entsprechend überarbeitet und aktualisiert.

  1. Horst sagt:

    Der GTX wird kein Allradantrieb haben, sonder „nur“ Heckantrieb

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