Fahrbericht: KGM Torres EVX

03.05.2024 von Vanessa Lisa Oelmann

Alter Bekannter im neuen Gewand

Ist es ein Amerikaner? Oder doch ein Chinese? Beim ersten Anblick des KGM Torres EVX weiß man das nicht so recht. Auch der Markenname ist völlig unbekannt – doch tatsächlich steckt dahinter ein alter Bekannter.

Bei dem Hersteller mit dem kryptischen Namen handelt es sich nämlich um die Marke SsangYong, die vergangenes Jahr vom südkoreanischen Stahl- und Chemiekonzern KG Group übernommen wurde. Im Zuge der Neuerfindung hatte man sich für den neuen Namen KG Mobility, kurz KGM, entschieden. In Deutschland wird die Marke zunächst noch unter ihrer alten Bezeichnung auftreten, sukzessive sollen die Modelle dann zu KGM umgelabelt werden.

Außen robust, innen minimalistisch

Was ist noch neu? Tatsächlich so ziemlich alles. Bereits die angesprochene Optik hat nicht mehr viel mit bisherigen SsangYong-Modellen zu tun. Markenlogos gibt es nur noch auf den Nabendeckeln der Räder, denn der Geländewagen mit seinem sportlich-robusten Design will sich bewusst von Korando, Rexton & Co. abheben. Stattdessen erinnert die Formgebung und insbesondere die markante C-Säule des Torres EVX eher an den Ford Explorer, die Front an einen Jeep. Mit seinen 4,72 Metern Länge ist der koreanische Newcomer allerdings um einiges länger als der aktuelle Explorer und spielt etwa in derselben Liga wie der Škoda Enyaq.

Auch im Innenraum hat sich einiges verändert: Während die älteren Modelle noch über eine Armada an haptischen Tasten verfügen, werden im Torres EVX sämtliche Funktionen über den 12,3 Zoll großen Touchscreen gesteuert. Dadurch wirkt das Interieur clean und deutlich hochwertiger, aber die Touch-Only-Strategie wird ganz sicher nicht allen Fans der Marke zusagen. Ein paar traditionelle Knöpfe hier und da hätten dem Fahrzeug nicht geschadet.

Verwundert sind wir auch, weil der Verbrenner-Torres ein drittes Display zur Einstellung der Klimafunktionen besitzt – dieses wurde im Torres EVX aber einfach weggelassen, was die Bedienung spürbar erschwert. Das Infotainmentsystem selbst irritiert anfangs mit seiner verschachtelten Menüführung, reagiert aber schnell auf unsere Befehle und funktioniert auch ansonsten ganz gut. Apple CarPlay und Android Auto werden angeboten, sind allerdings nur über Kabel verfügbar.

Die Beinfreiheit im Fond ist beeindruckend und dank seiner kastigen Form bietet der Torres EVX zudem ein hohes Maß an Kopffreiheit. Kombiniert mit den bequemen Sitzen, die optional nicht nur über eine Sitzheizung, sondern auch -kühlung verfügen, lässt es sich auf der Rückbank gut reisen. Der Kofferraum fasst 703 Liter, bei umgeklappter Lehne steht ein Fassungsvermögen von 1.662 Litern parat.

Geländetauglichkeit nur vorgespielt?

Die größte Enttäuschung zuerst: Das SUV mit Offroad-Charakter verfügt lediglich über einen Frontantrieb. Allrad gibt es weder für Geld noch gute Worte, wodurch die Geländetauglichkeit des ansonsten so abenteuerlustig wirkenden Fahrzeugs stark beschränkt wird. Der Elektromotor leistet immerhin solide 152 kW und 339 Newtonmeter Drehmoment und soll den Torres EVX in 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Bei 175 km/h ist das Modell abgeriegelt.

Generell fährt sich der Koreaner tatsächlich eher komfortabel und deutlich handlicher, als es die robuste Optik vermuten lässt. Dazu trägt wohl auch das vergleichsweise geringe Gewicht von knapp über 1,9 Tonnen bei. In seinem Segment kann der Torres EVX damit geradezu als Leichtgewicht bezeichnet werden. Zudem erlaubt der überraschend geringe Wendekreis von 10,8 Metern innerstädtisch mehr Flexibilität, als man es von einem so großen Auto erwarten würde.

Verhaltene Ladeleistung

Wenig überzeugen kann der Torres EVX mit seinen 145 kW maximaler DC-Ladeleistung. Insbesondere, da sich die koreanische Konkurrenz im selben Segment mit einem 800-Volt-System einen Namen gemacht hat, wirkt die Ladetechnik leider schon zum Marktstart veraltet. Der 73,4 kWh fassende, von BYD bezogene LFP-Akku soll am Schnelllader in 37 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt sein, ein VW ID.4 mit 77-kWh-Akku schafft das in nur 28 Minuten.

Pluspunkt: KGM bietet eine Garantie von zehn Jahren bzw. einer Million Kilometer auf die Batterie sowie sieben Jahre bzw. 150.000 km Garantie aufs Fahrzeug. So soll Vertrauen in die lange Haltbarkeit des neuen Elektromodells geschaffen werden. Der Hersteller kommuniziert eine WLTP-Reichweite von 462 Kilometern sowie einen Verbrauch von 18,7 kWh/100 km. Nach unserer knapp 250 Kilometer langen Testfahrt durch die türkische Prärie zeigt der Bordcomputer 22,5 kWh/100 km an, wodurch die reale Reichweite wohl eher knapp über 300 Kilometer betragen dürfte. Reisen ist mit dem Torres EVX zwar definitiv möglich, man sollte sich aber auf längere Wartezeiten am Lader einstellen.

Preise ab 43.990 Euro

Für den Torres EVX in der Bronze-Variante ruft KGM in Deutschland 43.990 Euro auf, die Serienausstattung ist hier aber überschaubar. Die mittlere Ausstattung trägt den Namen Platinum und ist ab 47.990 Euro zu haben. Hier gibt es unter anderem Einparkhilfe vorne und hinten, einen Totwinkelassistenten und Querverkehrswarner sowie eine Sitzbelüftung. Für das Topmodell Titanium werden 51.990 Euro fällig – wer auf eine 360-Grad-Kamera oder eine Wärmepumpe besteht, muss sich für diese Variante entscheiden.

In Österreich wird lediglich in zwei Ausstattungslinien unterschieden: Style ab 39.890 Euro (34.490 Euro inklusive Förderung) und Premium ab 43.190 Euro (37.790 Euro inklusive Förderung).

Ob SsangYong bzw. KGM mit dem Torres EVX in Europa einen Treffer landen kann? Zumindest die südkoreanische Führungsetage scheint fest davon überzeugt. Ein Prozent Marktanteil will die Marke hierzulande erreichen, so heißt es bei der Pressekonferenz. Ansprechend sieht der Wannabe-Offroader außen und innen definitiv aus – nur schade, dass Ladeleistung und Antrieb nicht mit der coolen Optik mithalten können.

Fotos: KGM, V. Oelmann

Technische Daten KGM Torres EVX
Fahrzeugklasse Mittelklasse-SUV
Sitze/Türen: 5/5
ANTRIEB
Antriebsart: Vorderradantrieb
Bauart: N/A
Leistung: 152 kW
Drehmoment: 339 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 73,4 kWh/ —
Spannungsklasse: 400 V
Wärmemanagement: Flüssigkeitskühlung
Ladestandard AC: Typ 2 11 kW 3p
Ladestandard DC: CCS 145 kW
Ladezeit AC 11-kW-Ladestation: ca. 11 h (0–100 %)
Ladezeit DC 150-kW-Ladestation: 37 min (10–80 %)
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,1 s
REICHWEITE & VERBRAUCH
Verbrauch (WLTP): 18,7 kWh/100 km
Reichweite (WLTP): 398–410 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (exkl. Spiegel) x Höhe: 4,715 m x 1,890 m x 1,715 m
Breite (inkl. Spiegel): 1,981 m
Radstand: 2,680 m
Wendekreis: 10,84 m
Gepäckraum: 703–1.662 l
Frunk:
Leergewicht: 1.915 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst): 1.500 kg/500 kg
cW-Wert: N/A
Luftwiderstandsfläche (cW x A): N/A
PREIS
Verfügbarkeit: bestellbar in DE und AT
Deutschland: ab 43.990 €
Österreich: ab 39.890 €

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