Mercedes Concept EQT Marco Polo und EQT als Camper

02.12.2022 von Marcus Zacher

Zwei Mercedes für das Vanlife

Frischluft-Freunde aufgepasst: Mercedes hat mit dem Konzeptfahrzeug EQT Marco Polo einen Microcamper vorgestellt, der im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Wir haben uns den Camper-Van und dazu den neuen Serien-EQT mit Camping-Modul bereits anschauen dürfen.

Das sogenannte „Vanlife“ boomt. Unter diesem Begriff verstehen Outdoor-Fans die Urlaubs- und Freizeittrips mit einem auf den Campingbetrieb ausgelegten Van, der neuerdings auch gerne elektrisch betrieben sein darf. Erste Elektro-Camper haben wir in unserem Magazin bereits vorgestellt.

Bei diesem schnell wachsenden Markt möchte nun auch Mercedes mitmischen und bringt daher nächstes Jahr eine Marco-Polo-Version des neuen Vans EQT auf den Markt. Einen ersten Vorgeschmack auf den Van für Abenteuerlustige gibt die seriennahe Studie, das Concept EQT Marco Polo.

Mercedes-Benz Concept EQT Marco Polo

Der Campervan basiert auf der nicht ganz fünf Meter langen Langversion des kommenden Mercedes EQT. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist das Aufstelldach, das aus einem „normalen“ EQT den „Marco Polo“ macht. In diesem ist ein Solarpanel integriert, das die Zusatzbatterie für den Campingausbau mit Strom versorgt. Die Batterie kann außerdem entnommen und an einer normalen Steckdose geladen werden. Dass der Hochvolt-Speicher über einen DC/DC-Wandler die Zusatzbatterie mit Strom versorgt, ist leider nicht möglich.

Das Aufstelldach lässt sich ganz einfach ausklappen und schafft so ausreichend Innenraumhöhe im Heck des Kastenwagens. Während man tagsüber im Fahrzeug menschenwürdig sitzen und stehen kann, bietet das Dachbett nachts einen Schlafplatz für ein bis zwei Personen. Die Liegefläche misst rund zwei mal einen Meter.

Bis zu vier Schlafplätze

Zwei weitere Schlafplätze befinden sich im Innenraum, der sich mit einigen Handgriffen zu einer weiteren Liegefläche umwandeln lässt und mit etwa zwei Metern mal 1,15 Meter größer ausfällt. Wenn das Bett nicht benötigt wird, findet man im Heckausbau einen ausklappbaren und elektrisch höhenverstellbaren Tisch mit integrierten Staufächern, zwei Sitzbänke, ein Schubladensystem für weitere Campingausstattung und eine kleine Küche. Diese ist mit einer Kühlbox (16 Liter), einem Induktionskochfeld, einem Gaskartuschenkocher, sowie einer Spüle mit Abwassertank ausgerüstet.

Da sich die Küche am besten von außen bei geöffneter Schiebetür bedienen lässt, kann am Dach für etwas Wetterschutz ein Sonnensegel angebracht werden. Eine praktische Funktion sind die per Knopfdruck abdunkelbaren Fondscheiben, die durch einen elektrischen Effekt auf „undurchsichtig“ geschaltet werden können, wodurch sich das umständliche Abdunkeln durch Rollos und Jalousien umgehen lässt. Ob man diese Funktion in der Serie erhalten wird, ist noch offen.

Der Marco-Polo-Innenausbau lässt sich laut Mercedes innerhalb von fünf Minuten durch zwei Personen ausbauen und entnehmen, sodass außerhalb der Campingzeit alle fünf Sitzplätze und der Kofferraum vollständig nutzbar sind. Ist die Camping-Einheit eingebaut, stehen vier Sitzplätze zur Verfügung.

Camper Mode? Fehlanzeige!

Ein wichtiges Feature hat Mercedes aber offenbar vergessen: Zwar verfügt der EQT über die Möglichkeit, den Innenraum vorzuklimatisieren, doch einen richtigen „Camper Mode“, wie ihn etwa Tesla für seine Modelle anbietet und der kontinuierlich den Innenraum auf Temperatur hält, gibt es nicht. Vielleicht ändert sich daran bis zum Marktstart des Marco Polo noch etwas. Die Serienversion soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte vorgestellt werden.

Mercedes-Benz EQT mit Marco-Polo-Modul

Zusätzlich hat Mercedes einen ersten Blick auf die Serienversion des neuen EQT gewährt, der zunächst in der Kurzversion erhältlich sein wird. Für diesen wird Mercedes ein „Marco Polo Modul“ anbieten, dass sich im Kofferraum installieren lässt, um den Van fit für das Camping-Wochenende zu machen.

Zu diesem Paket gehören ein Bett und eine optionale Kücheneinheit. Das Bett misst zwei Meter in der Länge und 1,15 Meter in der Breite. Zum Schlafen wir das Bettgestell nach vorne über die vorgeklappten Rücksitze gezogen und die Matratze aufgeklappt. Für die Fahrt lässt sich das ganze wieder im Heck verstauen, sodass alle fünf Sitze zur Verfügung stehen.

Die Kücheneinheit besteht aus ein einem Schubladensystem, einem Gaskartuschenkocher, einer 15 Liter fassenden Kühlbox und einem Spülbecken mit einem zwölf Liter großen Frischwassertank. Einen Abwasserbehälter gibt es bei dieser Variante nicht.

Prak-Tisch: Neuartiger Campingtisch für innen und außen

Durchdacht ist der zum Paket gehörende Tisch, der entweder vor den Fondsitzen auf der Mittelkonsole befestigt oder mittels eines zusätzlichen Ständerfußes auch außen eingesetzt werden kann. Zwei Camping-Stühle gehören beim Paket ebenfalls dazu. Zur Innenraumverdunklung gibt es manuell anzubringende Verdunklungselemente mit Belüftungsgitter, die in die Seitenscheiben eingebracht werden können. Das Marco-Polo-Modul kann mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden. Die Elemente nutzen zur Befestigung die Verzurrösen im Kofferraum.

Mercedes EQT kommt Anfang nächsten Jahres

Die Technik teilt sich der Mercedes EQT mit dem Renault Kangoo E-Tech und dem Nissan Townstar EV, daher kommt auch hier eine Batterie mit 45 kWh nutzbarem Energieinhalt zum Einsatz. Die Reichweite soll bis zu 282 Kilometer betragen. Das reicht vielleicht noch nicht für die ganz große Tour, aber für den Wochenendtrip allemal.

Die Aufladung erfolgt serienmäßig mit bis zu 22 kW an einer AC-Ladestation und bis zu 80 kW an einer DC-Ladestation. Dann soll sich die Batterie in 38 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen lassen. Der 90 kW starke Elektromotor macht den EQT bis zu 134 km/h schnell.

Hohe Anhängelast und hoher Preis

Großzügig wurde die Anhängelast bemessen: Diese beträgt bis zu 1.500 Kilogramm. Der Kofferraum ist bei vollständig nach hinten geschobenen Rücksitzen über 550 Liter groß und lässt sich durch Umklappen auf fast 2.000 Liter erweitern.

Das Interieur hat Mercedes etwas aufgehübscht und verbaut auf Wunsch Sitze mit hochwertigem Bezug, doch viele Kunststoffteile bestehen dennoch aus Hartplastik. Dafür gibt es ein echtes Mercedes-Lenkrad und das MBUX-Infotainment mit Spracherkennung und Routenplaner für die automatische Ladestationssuche. Das Fahrwerk und die Dämmung will Mercedes gegenüber den Modellen von Nissan und Renault ebenfalls überarbeitet haben, doch das ließ sich bei der ersten Besichtigung nicht überprüfen.

Das Serienmodell des EQT mit kurzem Radstand soll „zeitnah“ bestellbar sein. Wir rechnen mit dem ersten Quartal 2023. Die Langversion folgt später, auf dieser basiert dann auch die Marco-Polo-Version.

Sportlich ist der Preis: Mit einem Basispreis von 49.000 Euro (in Deutschland) ist der EQT zwar der günstigste Elektro-Mercedes, der derzeit zu haben ist, doch dürfte das auch das Budget vieler Familien übersteigen. Etwaige Extras geschweige denn die Marco-Polo-Optionen sind hier noch gar nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Ein Opel Combo-e kostet bei vergleichbarer Batteriegröße und Reichweite rund 6.000 Euro weniger. Der Kostenpunkt könnte dann auch der größte Hinderungsgrund für ein echtes Vanlife im Mercedes EQT sein.

Technische Daten Mercedes-Benz EQT 200
Fahrzeugbeschreibung: fünftüriger, fünfsitziger Van, Vorderradantrieb
ANTRIEB
Bauart: fremderregte Synchronmaschine
Leistung: 90 kW
Drehmoment: 245 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 46 kWh/45 kWh
Wärmemanagement: Flüssigkeitskühlung
Ladestandard AC: Typ 2 22 kW 3p
Ladestandard DC: CCS 80 kW
Ladezeit AC 22-kW-Ladestation: ca. 2 h 30 min h (0–100 %)
Ladezeit DC 150-kW-Ladestation: 38 min (10–80 %)
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 134 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): N/A
REICHWEITE & VERBRAUCH
Verbrauch (WLTP): 18,99 kWh/100 km
Reichweite (WLTP): 282 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (exkl. Spiegel) x Höhe: 4,498 m x 1,859 m x 1,819 m
Radstand: 2,716 m
Wendekreis: 11,2 m
Gepäckraum: 551–1.979 l
Frunk:
Leergewicht: 1.874–2.015 kg
Zuladung: 450–591 kg (inkl. Fahrer)
Anhängelast (gebremst/ungebremst): 1.500 kg/750 kg
cW-Wert: N/A
Luftwiderstandsfläche (cW x A): N/A
PREIS
Verfügbarkeit: voraussichtlich bestellbar ab Q1/2023
Deutschland: ab 49.000 €
Österreich: ca. 50.000 € (geschätzt)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Podcast

Der 1.000-kWh-Truck

Automobil / Podcast

Zum Abo

Die aktuelle Ausgabe!

Die aktuelle Ausgabe!

EAM 06/2022 - Dezember/Januar

EAM-Newsfeed

Follow @elektroautomobil
Social Media Inhalte laden
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird eine Verbindung zu den Social Media Plattformen Twitter, Facebook und Instagram hergestellt und Inhalte in die Website geladen. Beim Laden der Inhalte werden Informationen, wie Ihre IP-Adresse, von Ihrem Browser direkt an einen Server von Facebook/Twitter/Instagram in die USA übermittelt und dort gespeichert.
Weitere Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung Social Media Inhalte laden

Das könnte Sie auch interessieren

Die THG-Quote

Automobil / Podcast