Welcher Stecker passt?

Diejenigen, die noch mit Videorecordern aufgewachsen sind, erinnern sich vielleicht daran, wie mühsam es war, Filme auszutauschen, die dann erst recht nicht anzusehen waren, da man keinen VHS-, sondern einen Video-2000-Recorder hatte. Irgendwann setzte sich schließlich ein System durch und das Problem mit der Kompatibilität war vergessen. Ähnlich verhält es sich zurzeit in der Elektromobilität. Will man sein Auto laden und der Stecker passt nicht, ist das nicht nur ärgerlich, es kostet vor allem Zeit.
Ein erster Schritt zu einer harmonisierten Lösung ist mit der Einführung des Typ-2-Steckers in Europa geschehen. Dennoch gibt es immer noch Unterschiede zwischen asiatischen, amerikanischen und europäischen E-Fahrzeugen.

Wechselstromsysteme

Typ 1 – Laden in Nordamerika und Japan
Der Stecker mit der futuristisch klingenden Bezeichnung „SAE J1772“ kommt vorwiegend in Nordamerika und Japan zum Einsatz. Dieser Typ ist für das einphasige Laden mit einer Spannung von 110 oder 230 Volt geeignet. Der Stecker besteht aus fünf Kontakten und kommuniziert mit dem Fahrzeug über zwei Stromleiter. Mit einer mechanischen Verriegelung bei zwölf Uhr wird sichergestellt, dass der Stecker mit dem Elektroauto eine solide Verbindung eingeht. Drückt man die Entriegelung, stoppt die Ladung sofort und man kann den Stecker sicher abziehen. Leider ist dieser Stecker bei den meisten Fahrzeugen nicht diebstahlsicher zu verriegeln. Kommt man zum Fahrzeug zurück, kann es schon mal passieren, dass sich jemand einen Spaß erlaubt hat und der Stecker abgezogen wurde. Die Ladekabel haben im Normalfall an jener Seite, die man in die Ladestation steckt, einen gängigen Typ-2-Stecker und nur auf der Fahrzeugseite den Typ-1-Stecker.

Typ 2 – Laden in Europa
Um ein Elektroauto schneller laden zu können, muss man auf das Drehstromnetz zurückgreifen. Die roten CCE-Stecker, die in Garagen und auf Campingplätzen oft zu finden sind, würden sich grundsätzlich eignen, weisen aber einige Nachteile auf, weswegen der Stecker Typ 2 entwickelt wurde. Dieser verfügt über sieben Kontakte und stellt ähnlich wie der Typ-1-Stecker eine Kommunikation zwischen Ladestation und Fahrzeug her. Zusätzlich wurde dieser für Tausende leichtgängige Steckvorgänge ausgelegt. Wer schon einmal unsachgemäß den Stecker einer Kreissäge gezogen und dabei beinahe die Steckdose aus der Wand gerissen hat, weiß, warum das Ein- und Ausstecken gerade bei täglichem Aufladen leicht gehen muss. Die Stecker sind so robust ausgeführt, dass man sie sogar Überfahren kann, ohne dass sie Schaden nehmen. Zusätzlich kann der Typ-2-Stecker gegen ein Ziehen während des Ladevorgangs gesichert werden. Dies funktioniert auch stationsseitig. Somit kann der Ladevorgang weder von unbefugten Personen abgebrochen noch –schlimmstenfalls – das Ladekabel gestohlen werden. Mit dem Typ-2-Stecker kann man zudem über Adaptierung am einphasigen Netz anschließen. Diese Funktion ist meist im mitgelieferten Ladekabel integriert.

Typ 3A/C – Laden in Italien & Frankreich
Dieser Steckertyp entstand praktisch parallel zum Typ 2. Da der Typ-2-Stecker anfänglich keine Schutzklappe hatte, entschieden sich hauptsächlich Länder wie Italien und Frankreich für den Typ 3A/C. Grundsätzlich sind die Kontakte ohnehin spannungsfrei, wenn keine Verbindung zum Fahrzeug hergestellt wird. Dazu gibt es eben die schon angesprochenen Kommunikationskontakte. Somit ist die Schutzklappe, auch Shutter-Stecker genannt, eher ein Back-up-Schutz falls die elektronische Verriegelung einmal versagen sollte. Insofern hat dieser Shutter oder „Kindersicherung“ sicherlich seine Berechtigung. Nachdem man den Typ-2-Stecker mit einem Sicherheitsshutter modifizierte, wurde dieser schließlich als europäischer Standard für E-Fahrzeuge ausgewählt.

GB/T – Laden in China
Mit dem genormten AC-Ladestecksystem nach chinesischem GB/T-Standard ist sowohl das ein- als auch das dreiphasige Laden möglich. Ein spezielles Hebelsystem am Fahrzeugladestecker sowie Infrastrukturladestecker sorgt für sicheres Laden.
Eine Ladekommunikation wird wie bei den anderen Systemen per Steuerkontakten durchgeführt.

Gleichstromsysteme

Egal, ob man ein Elektroauto mit Wechselspannung, also der Art von Spannung, die man von der Steckdose zu Hause kennt, oder mit dem kräftigen Drehstrom, auch Kraftstrom genannt, auflädt, die Art der Spannung ist nicht geeignet, um Akkus zu laden. Sie muss gleichgerichtet werden. Jedes Elektroauto hat also einen Gleichrichter im Fahrzeug, der dies unbemerkt erledigt. Will man nun ein Fahrzeug noch schneller als mit Kraftstrom laden, muss die Gleichrichtung der Spannung extern erfolgen, da solche Geräte groß, schwer und viel zu teuer wären, um sie in jedem Fahrzeug einzeln zu verbauen.
Auch wenn es bei dieser Form nur mehr zwei unterschiedliche Stecker gibt, wäre eine Vereinheitlichung wünschenswert, zumal die Adapter ziemlich klobig ausfallen.

Combined Charging System (CCS)
Das kombinierte Ladesystem, auch Combo 2 genannt, ist im Prinzip eine Erweiterung des Typ-2-Steckers um zwei Kontakte für die Gleichstromladung. Erstmals haben sich diesbezüglich Amerikaner und Europäer auf einen gemeinsamen Steckerstandard geeinigt. Ident ist er allerdings nicht, da die Amerikaner den Typ-1-Stecker mit zwei Gleichstromkontakten kombinieren und die Europäer eben den Typ 2 verwenden, der auch Kraftstrom unterstützt. Der obere Teil des Steckers wird nur für die Kommunikation genützt. Der Vorteil dieses Steckers besteht in der einzelnen Buchse am Fahrzeug. Man kann also in den oberen Teil des CCS-Steckers je nach Ausführung, also bei der amerikanischen einen Typ-1- und bei der europäischen einen Typ-2-Stecker, zum Wechselstromladen verwenden. Aktuelle Ladestationen mit CCS-Stecker können Elektroautos mit bis zu 50 kWh laden. Ab 2017/2018 sollen Ladeleistungen von 150 kW möglich sein. Der Tesla Supercharger realisiert bereits ein Gleichstromladen mit über 120 kW, und das ohne Combo-2-Anschluss. Bei der sogenannten DC-Mild-Ladung werden Stromleiter paarweise zusammengeschaltet, um auf einen größeren Leiterquerschnitt zu kommen. Somit kann man mit dem sehr handlichen Typ-2-Stecker jetzt schon mehr als doppelt so schnell laden als mit dem CCS-System. Obendrein lässt er sich an Kraftstromdosen anstecken.

CHAdeMO
Der japanische Gleichstrom-Schnellladestandard – CHAdeMO ist ein Akronym für „CHArge de Move“ – wird hauptsächlich in E-Fahrzeugen der asiatischen Marken Nissan, Mitsubishi und KIA eingesetzt. Da der iOn von Peugeot als auch der C-Zero von Citröen baugleich zum Japaner sind, ist auch die CHAdeMo-Technik optional bei diesen Modellen erhältlich. Die typische Ladeleistung beträgt 50 kW. Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Standards ist die Möglichkeit, sein Elektroauto quasi als Notstrombatterie für sein Zuhause zu verwenden. Allerdings ist dazu ein zusätzliches Gerät, genannt Wechselrichter, notwendig.

GB/T-Fahrzeug-Ladestecker – DC-Laden in China
Der GB/T-Standard ist der chinesische Beitrag zum schnellen Gleichstromladen an chinesischen Schnellladestationen.

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