Vorstellung: Mercedes eSprinter

09.02.2023 von Reinhold Hennig

Der Reichweitenkönig unter den E-Transportern

Mercedes-Benz hat den eSprinter umfassend überarbeitet und stellt damit den neuen Reichweiten-Spitzenreiter unter den Elektro-Vans. Eingeführt wird er zunächst in den USA und Kanada, bevor er Ende diesen Jahres nach Europa kommt.

Im Dezember letzten Jahres berichteten wir von der Langstrecken-Versuchsfahrt des neuen Mercedes eSprinters (zum Bericht). Die Schwaben haben ihren damals genannten Zeitplan eingehalten und die Serienversion des Elektro-Transporters vorgestellt. In zwei Aufbauformen und -längen wird es den neuen Mercedes eSprinter geben, die jeweils mit drei Batteriegrößen kombinierbar sein werden.

Drei Module für den Synergieeffekt

Um möglichst flexibel zu sein, haben die Schwaben ein neues Konzept, bestehend aus drei Modulen, entwickelt. Das Frontmodul, ein mit allen Fahrzeugvarianten kombinierbarer Vorbau, umfasst dabei sämtliche Hochvolt-Komponenten. Im Unterboden, zwischen den Achsen, wird das Modul für die Hochvoltbatterie platziert. Daraus ergibt sich ein niedriger Schwerpunkt des Transporters, was auf eine gute Straßenlage und sicheres Fahrverhalten schließen lässt.

Das Heckmodul mit der elektrisch angetriebenen Hinterachse soll nach dem Prinzip der Gleichteilestrategie in allen Varianten des neuen eSprinters identisch zum Einsatz kommen. Der Vorgänger verfügt noch ausschließlich über Vorderradantrieb. Auf den vom Hersteller gezeigten Bildern ist auch eine Anhängerkupplung zu sehen, die jedoch nicht weiter spezifiziert ist. Ob der neue eSprinter auch die maximal zwei Tonnen, wie beim Verbrennermodell, ziehen darf?

Ein effizienter Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM) soll nur 130 Kilogramm auf die Waage bringen und den Transporter mit 100 oder wahlweise 150 Kilowatt Spitzenleistung und einem Drehmoment von bis zu 400 Newtonmetern antreiben. Das kompakte, flache Heckmodul macht neben dem klassischen Kastenwagen auch einen Rahmenversion für kundenspezifische Aufbauten möglich.

Zwischen den Achsen können Batterien mit einer nutzbaren Kapazität von 56, 81 oder 113 Kilowattstunden eingebaut werden. Damit haben die Stuttgarter unsere Schätzung von 108 Kilowattstunden (nach der Versuchsfahrt) sogar noch leicht übertroffen. Zum Vergleich: Die Vorgänger-Generation war wahlweise mit nur 35 oder 47 nutzbarer Batteriekapazität bestückt, jetzt hat also selbst die kleinste Batterie mehr Energieinhalt.

Die Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie (LFP) ermöglicht es, die Batterievarianten frei von Kobalt und Nickel zu halten. Ein aktives Thermomanagement sorgt dafür, dass die Akkus sich stets im Wohlfühlbereich befinden.

Aufgeladen wird die Batterie entweder mit dem elf Kilowatt starken On-Board-Lader, oder an der Schnellladestation mit bis zu 115 Kilowatt. Die Ladezeiten von 10 auf 80 Prozent Ladestand (SoC) liegen dann, je nach Batteriegröße, zwischen 28 und 42 Minuten. Die Ladebuchse haben die Entwickler vorne mittig unter dem Stern versteckt.

Top-Reichweite

Die elektrische Reichweite, basierend auf einer dem WLTP-Zyklus zu Grunde liegenden Simulation, wird bei bis zu 400 Kilometern liegen, womit auch hier der neue eSprinter das alte Modell deutlich übertrifft. Dieses kam bestenfalls auf rund 160 Kilometer im WLTP. Bei Fahrten im urbanen Raum soll, gemäß Simulationen in Anlehnung an den WLTP-Stadt-Zyklus, eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern möglich sein. Mit diesen Reichweiten ist der Schwaben-Sprinter momentan der Spitzenreiter bei den elektrischen Vans.

In Sachen Digitalisierung und Infotainment setzt Mercedes auf die bekannte Technik aus der Pkw-Sparte. Alle eSprinter bekommen die Mercedes-Benz User Experience (MBUX) mit der neuesten Softwaregeneration. Wie z. B. beim EQS zeigt die Navigation abhängig von der Verkehrslage die aktuelle Reichweite an und schlägt geeignete Ladestellen vor.

Start in den USA

Die sprichwörtlich sparsamen Schwaben haben sich die Entwicklung ihres neuen Elektro-Transporters – nach eigenen Angaben – stolze 350 Millionen Euro kosten lassen. Das modulare Konzept soll dabei maximale Synergien in der Produktion und entsprechende Skaleneffekte ermöglichen. Drei Mercedes-Werke wurden für die Produktion des eSprinters vorgesehen und entsprechend umgebaut: Charleston (South Carolina/USA), Düsseldorf und Ludwigsfelde. Die Kastenwagen-Variante mit der höchsten Reichweite startet ab dem zweiten Halbjahr 2023 in den USA und Kanada, bestückt mit der größten Batterie, mit einer nutzbaren Kapazität von 113 Kilowattstunden.

Das Ladevolumen liegt bei 14 Kubikmetern, das zulässige Gesamtgewicht beträgt bis zu 4,25 Tonnen. In Europa erfolgt die Einführung dieser ersten Variante des Kastenwagens Ende 2023, das offene Baumuster sowie weitere Batterievarianten folgen sukzessive. Nach den Mercedes-Plänen werden ab 2025 alle neuen Vans nur noch vollelektrisch sein.

Fazit: eSprinter wieder ganz vorn

Der erste Mercedes eSprinter kam zwar früh auf den Markt, war aber genauso schnell technisch überholt. Weder die maximal mögliche Reichweite, noch die langsamen Ladeleistungen konnten so recht überzeugen. Außerdem war nur eine Aufbauvariante verfügbar (Kastenwagen mit Vorderradantrieb).

Doch obwohl der neue eSprinter auf der gleichen Plattform aufbaut, hat Mercedes dieses Mal aus dem Vollen geschöpft und bietet neben einer konkurrenzlos hohen Reichweite endlich auch ein umfangreiches Portfolio möglicher Aufbauten an – so, wie man es vom konventionellen Sprinter gewohnt ist. Interessenten müssen sich noch etwas bis zum Marktstart gedulden und dann werden wir auch erst den Preis wissen. Der derzeit noch bestellbare Vorgänger steht mit rund 64.000 bis 74.000 Euro in der Preisliste. Ob die neue Generation diesen wird unterbieten können, bleibt abzuwarten.

Fotos: Mercedes-Benz Vans
Quelle(n): Pressemitteilung von Mercedes-Benz Vans vom 07.02.2023

Technische Daten Mercedes-Benz eSprinter
Fahrzeugbeschreibung: E-Transporter als Kastenwagen oder Fahrgestell
ANTRIEB
Bauart: permanenterregte Synchronmaschine (PSM) an HA
Leistung: 100 kW | 150 kW
Drehmoment: 400 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (netto): 56 kWh | 81 kWh | 113 kWh
Wärmemanagement: Flüssig-Thermalmanagement
Ladestandard AC: Typ 2 11 kW 3p
Ladestandard DC: CCS 115 kW
Ladezeit DC 350-kW-Ladestation 10-80 %: 28 min (56-kWh-Akku) | 42 min (113-kWh-Akku)
REICHWEITE
WLTP: ca. 400 km
WLTP City-Zyklus: ca. 500 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Ladevolumen: bis zu 14 m³
zulässiges Gesamtgewicht: bis zu 4,25 t
Anhängelast: N/A
PREIS
Verfügbarkeit: ab dem zweiten Halbjahr 2023 in den USA und Kanada, ab Ende 2023 in Europa
Deutschland: N/A
Österreich: N/A

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