Facelift für den Dacia Spring Electric

21.02.2024 von Marcus Zacher

Äußerlich aufgemöbelt

Seit gut zweieinhalb Jahren läuft der Dacia Spring vom Band und ist seitdem eines der günstigsten Elektroautos auf dem europäischen Markt. Daran wird sich auch künftig nichts ändern, allerdings wurde der Kleinstwagen optisch noch einmal generalüberholt – die Technik wiederum blieb nahezu unangetastet.

Immerhin 140.000 Exemplare des Kleinstwagens im SUV-Look konnte die rumänische Automarke seit dem Produktionsstart 2021 absetzen. Dabei war das schwerwiegendste Argument für den Spring stets der niedrige Preis. Die Reichweite mit 220 bis 230 Kilometern ist nur Mittelmaß, der schwächliche E-Motor mit zunächst 33, später dann auf Wunsch auch 48 kW reicht zum Mitschwimmen gerade so aus, gewinnt allerdings weder an der Ampel noch auf der Autobahn einen Blumentopf.

Die Technik bleibt beim Alten

Doch letzter Punkt ist sowieso nur zweitrangig, denn mit maximal 30 kW Gleichstrom-Ladeleistung und dem Einphasen-Ladegerät mit 6,6 kW für das Laden an der Wallbox ist der Spring sowieso nicht für lange Strecken gedacht, sondern für den Einsatz als Zweitwagen. Und dafür reicht das Gebotene offenbar aus, weshalb sich an der Elektrotechnik im Facelift-Spring rein gar nichts ändert.

Dass das nicht nur Dacia so sieht, sondern auch die Kundschaft, will die Marktforschung des Herstellers herausgefunden haben: So legen die Käuferinnen und Käufer mit dem Spring im Schnitt 37, selten mehr als 70 Kilometer am Tag zurück, aufgeteilt auf vier Fahrten. Geladen wird der Kleinstwagen überwiegend an der Schukosteckdose, das Gleichstromladen wird nur in Ausnahmefällen praktiziert.

Unter diesen Gesichtspunkten erscheint selbst der weiterhin nur 26,8 kWh große Akku fast schon überdimensioniert. Ein ranghoher Dacia-Manager soll sich ob dieser Ergebnisse sogar dahingehend geäußert haben, dass er den Akku am liebsten halbiert hätte, um den Einstiegspreis noch weiter zu drücken.

Außen und innen spürbar aufgefrischt

Aus diesem Grund hat man sich beim Facelift vor allem auf die Karosserie, das Interieur und Detailverbesserungen konzentriert. Deutlich selbstbewusster stemmt sich nun die Front in den Wind, auf der klar erkennbar das neue Markengesicht und einprägsame Tagfahrleuchten prangen. Auf der C-Säule findet man jetzt den Spring-Schriftzug, die Heckansicht wiederum wurde mit neuen Rückleuchten und einem durchgängigen Zierband aktualisiert. Das unruhige Muster auf der Front- und Heckstoßstange soll übrigens eine Stadt von oben darstellen. Das Dekor ist Teil der „Extreme“-Topausstattung, bei „Essential“ (Basisausstattung) und „Expression“ (mittlere Ausstattung) entfällt das verwirrende Designdetail.

Enorm gewonnen hat das Interieur: Ein neues Lenkrad, ein hochgesetzter, besser aufgelöster und größerer Touchscreen sowie das überarbeitete Armaturenbrett vermitteln endlich einen zeitgemäßen Eindruck und versprühen nicht mehr den Charme der 90er. Natürlich muss man bei den verwendeten Materialien weiterhin Abstriche hinnehmen, die meisten Kunststoffe bestehen aus Hartplastik, doch das ist immerhin geschmackvoll arrangiert worden. Unverändert bleiben die Platzverhältnisse: Vorne geht es auf den kleinen Sitzen noch relativ kommod zu, auf der Rückbank wird es jedoch eng für Kopf und Beine. Für kleinere Personen dürfte das Platzangebot jedoch ausreichen.

Der Kofferraum bietet mit 308 Litern für einen 3,70 Meter langen Kleinwagen ordentlich Stauvolumen, lässt sich jedoch weiterhin nur durch komplettes Umlegen der Rückbank auf bis zu 1.000 Liter erweitern.

Mit einer neuen Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk soll außerdem dem bislang extrem schwammigen und schaukeligen Fahrverhalten Einhalt geboten werden, was jedoch bei einer ersten Testfahrt noch zu belegen wäre. Einige neue Fahrassistenten wurden im Zuge des Facelifts ebenfalls ins Fahrzeug integriert.

Neue Features: Frunk und V2L

Auch wenn sich an der Ladeleistung nichts ändert, so kann die Steckdose im Bug nun durch einen Vehicle-to-Load-Adapter (V2L) zur mobilen Powerbank umfunktioniert werden, um beispielsweise eine Soundanlage oder eine Kaffeemaschine zu betreiben oder einen E-Bike-Akku zu laden.

Im Zubehör gibt es künftig eine Wanne, die unter der Fronthaube installiert werden kann. So erhält der Spring erstmals in dieser Fahrzeugklasse einen Frunk. Da die Fronthaube allerdings nicht über Gasdruckdämpfer verfügt, sondern über eine Stange fixiert werden muss, gehört etwas Fummelei beim Be- und Entladen des kleinen Front-Kofferraums dazu. Doch immerhin ist das Ladekabel so griffbereit in der Nähe der Ladedose untergebracht.

Marktstart im Sommer, Preis noch ungewiss

Produziert wird der Dacia Spring weiterhin bei Dongfeng im chinesischen Wuhan. Die Auslieferungen sollen vorrausichtlich ab August 2024 starten, über den neuen Basispreis schweigt sich der Hersteller allerdings noch aus.

Klar ist, dass der noch bis Ende März in Deutschland gewährte Sonderrabatt in Höhe von 10.000 Euro mit der Einführung des Facelifts Geschichte sein wird. Derzeit ist das Modell schon für unter 13.000 Euro erhältlich. Doch auf der anderen Seite wird der aktuelle Listenpreis von fast 23.000 Euro gerade im Hinblick auf den moderneren und technisch überlegenen Citroën ë-C3 ebenfalls kaum gehalten werden können, denn die französische Alternative ist bereits ab 23.300 Euro bestellbar.

Folglich muss der Spring spürbar unterhalb des Citroëns positioniert werden, um künftig noch eine Chance zu haben. Wir rechnen daher mit einem Basispreis von rund 18.000 Euro und erwarten gespannt den offiziellen Bestellstart, der im Frühjahr erfolgen wird.

Fazit: Optisch auf der Höhe der Zeit, doch reicht das aus?

Ob der Spring seinen Erfolg wird fortsetzen können, steht und fällt mit dem Preis. Dacia möchte weiterhin den günstigsten Einstieg in die Elektrowelt bieten, dafür müssen die Kostenplaner allerdings mit dem ganz spitzen Bleistift rechnen. Äußerlich ist der kleine Stromer jedenfalls deutlich gereift, bei Motor- und Ladeleistung jedoch abgeschlagen von der Konkurrenz.

Für neue Kundengruppen ohne heimische Lademöglichkeit und Personen, die den Spring vielleicht auch als etwas mehr als nur einen reinen Zweitwagen verstehen, bleibt der kleine Dacia allerdings weiterhin nur die zweite oder dritte Wahl – günstige Preise und frische Optik hin oder her.

Fotos: Dacia, M. Zacher
Quellen: Pressemitteilung von Dacia vom 20.02.2024

Update – Preis für Deutschland (09.04.2024)

Der Basispreis für den Dacia Spring in Deutschland steht fest. Der Kleinstwagen wird ab 16.900 Euro zu haben sein. Die Version mit 48 kW starkem E-Motor ist mindestens 2.000 Euro teurer, aber auch besser ausgestattet.

Technische Daten Dacia Spring Electric 45 Dacia Spring Electric 65
Fahrzeugklasse: Kleinstwagen Kleinstwagen
Sitze/Türen: 4/5 4/5
Plattform: CMF-A CMF-A
ANTRIEB
Antriebsart: Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bauart: eine PSM an VA eine PSM an VA
Leistung: 33 kW 48 kW
Drehmoment: 125 Nm 113 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 28,4 kWh/26,8 kWh 28,4 kWh/26,8 kWh
Wärmemanagement:
Ladestandard AC: Typ 2 6,6 kW 1p Typ 2 6,6 kW 1p
Ladestandard DC: CCS 30 kW optional
Ladezeit AC 11-kW-Ladestation: 8 h 28 min (0–100 %) 8 h 28 min (0–100 %)
Ladezeit DC 50-kW-Ladestation: 45 min (20–80 %)
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h 125 km/h
Beschleunigung (0–100 km/h): ca. 19 s ca. 14 s
REICHWEITE & VERBRAUCH
Verbrauch (WLTP): ca. 14 kWh/100 km 14,6 kWh/100 km
Reichweite (WLTP): 225 km 220 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (exkl. Spiegel) x Höhe: 3,701 m x 1,583 m x 1,519 m 3,701 m x 1,583 m x 1,519 m
Breite (inkl. Spiegel): 1,767 m 1,767 m
Radstand: 2,423 m 2,423 m
Wendekreis: N/A N/A
Gepäckraum: 308–1.004 l 308–1.004 l
Frunk: optional optional
Leergewicht: ca. 1.100 kg ca. 1.100 kg
Zuladung: N/A N/A
Anhängelast (gebremst/ungebremst):
Stützlast:
cW-Wert: N/A N/A
Luftwiderstandsfläche (cW x A): N/A N/A
PREIS
Verfügbarkeit: bestellbar ab Q2/24, Auslieferungen ab Q3/24 bestellbar ab Q2/24, Auslieferungen ab Q3/24
Deutschland: ab 16.900 € ab 18.900 €
Österreich: N/A N/A

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