Vorstellung: Dacia Spring Electric

Stromern für Einsteiger

Dacia spielt innerhalb der Renault Gruppe jeher die Rolle als Einstiegsmarke. Diese soll sie nun auch in der Welt der Elektromobilität ausfüllen. Als Protagonisten schickt Dacia einen Mini-SUV mit chinesischen Wurzeln ins Rennen: den Dacia Spring Electric.

Dieser markiert nicht nur den Einstieg in die Welt der Elektromobilität innerhalb der Renault Gruppe, sondern hat auch gute Chancen, das günstigste E-Auto oberhalb der Klasse der Leichtfahrzeuge zu werden. Der Kleinstwagen ist mit einer Länge von 3,73 Metern absolut City-tauglich und mit einer Höhe von rund 1,50 Metern flacher als eine Renault Zoe (1,56 m) oder der Twingo Electric (1,54 m). Vier Türen, vier Plätze und 300 Liter Kofferraum bei diesen Außenmaßen sind ein Wort.

Der Dacia Spring basiert auf dem Renault City K-ZE, der zunächst für den chinesischen Markt entwickelt worden ist (ein Fahrbericht zum Renault City K-ZE erschien in Ausgabe 03/2019 der Elektroautomobil). Für die deutlich höheren Anforderungen europäischer Kunden hat Renault den City K-ZE daher umfassend optimiert und vermarktet ihn nun unter der besonders bei preissensiblen Kunden äußerst erfolgreichen Marke Dacia. Dass Renault in diesem Zuge den Namen auf „Spring“ geändert hat, war sicherlich auch kein Fehler.

Renault City K-ZE

Das Spring-Trio

Dacia wird den Spring in drei Versionen, jeweils optimiert für unterschiedliche Einsatzgebiete, anbieten. Neben der „klassischen“ Version für Privatkunden gibt es je eine Variante für Car-Sharing- und für Lieferdienste. Renault ist über seine Tochterfirma „Zity“ bereits im Car-Sharing-Geschäft tätig und weiß daher, worauf es bei Sharing-Fahrzeugen ankommt. Und gerade für Lieferdienste, von denen nicht wenige in den Städten Europas unterwegs sind, dürfte ein günstiges und praktisches E-Auto – angesichts drohender Fahrverbote – genau zur richtigen Zeit kommen. Die Cargo-Version bietet bis zu 800 Liter Kofferraum und 325 Kilogramm Zuladung, was nicht nur Pizzalieferdienste und Paketzusteller freuen wird. Auch für Pflegedienste könnte der Spring eine interessante Option sein. Gut möglich also, dass Renault mit dem Dacia Spring genau die Klientel erreicht, die e.Go Mobile mit dem Life ansprechen wollte.

Dacia Spring Electric Cargo

Um die Komplexität gering zu halten, wird es die für die private Nutzung angebotene Standardversion nur in zwei Ausstattungslinien geben. Ein Blick auf die Cockpitbilder verrät bereits, dass die hier verwendeten Kunststoffe eher zur Kategorie „abwischbar“ gehören, doch zumindest in der höheren Ausstattungsvariante versuchen einige Zierteile etwas Ambiente in die Plastiklandschaft zu zaubern. Trotz des Spaßzwangs blickt der Fahrer dennoch auf ein 3,5-Zoll-Display, ein optionales Multimedia-System und hält serienmäßig ein Multifunktionslenkrad in den Händen. Die Cargo-Variante ist naturgemäß besonders schlicht – oder positiv formuliert – robust ausstaffiert.

Klar, dass bei dem avisierten, niedrigen Einstiegspreis einige Annehmlichkeiten Extra kosten: Klimaanlage, das erwähnte Multimedia-System oder Parkpiepser mit Rückfahrkamera stehen beispielsweise in der Aufpreisliste, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber gehören aber zum Standard. Gegenüber dem Renault K-ZE wurde natürlich auch die Sicherheitsausstattung dem europäischen Niveau angepasst. ESP und ABS sind selbstverständlich ebenso an Bord, wie sechs Airbags, eine automatische, radargestützte Notbremsfunktion, oder ein Lichtsensor. Auch an eine App wurde gedacht, die das Abrufen von Ladezustand, der Reichweite oder der Fahrzeugposition genauso ermöglichen soll, wie die Aktivierung der Vorklimatisierung.

Let’s call it „Rightsizing“

Der von Mazda für ihren Pendler-SUV MX-30 entwickelte Begriff zur Begründung einer vergleichsweise geringen Batteriegröße und Motorleistung hätte auch von Dacia stammen können – zum Spring passt er nämlich perfekt.

So speichert die – in jedem Fall serienmäßige und nicht im Mietmodell erhältliche – Batterie zwar nur 26,8 kWh, doch sind das immerhin fünf beziehungsweise neun Kilowattstunden mehr, als Renault Twingo oder Smart EQ bunkern können. Das soll für 225 Kilometer Reichweite nach WLTP reichen. Kein schlechter Wert. Im Stadtverkehr, wo der Spring wohl überwiegend bewegt werden wird, schafft das Mini-SUV nach Norm sogar 295 Kilometer.

Mit 33 Kilowatt Leistung und 125 Newtonmetern Drehmoment ist der Dacia sicherlich nicht übermotorisiert. Doch für Beschleunigungsorgien und Vollstromfahrten auf der Autobahn ist das Bonsai-SUV auch nicht gedacht. Nichtdestotrotz dürfte die gebotene Leistung zum Mitschwimmen im Stadtverkehr ausreichen und auch vor einer Überlandfahrt wird sich niemand fürchten müssen. Immerhin darf der Dacia bis zu 125 km/h schnell fahren.

Im Eco-Modus wird die maximale Leistung auf noch bescheidenere 23 kW begrenzt und die Höchstgeschwindigkeit bei 100 km/h limitiert. Im Gegenzug wird der Fahrer mit 10 Prozent mehr Reichweite belohnt.

Mit Gleichstrom voraus

Im Gegensatz zu den beiden City Cars von Renault und Smart lässt sich der Spring nicht einmal optional mit einem dreiphasigen Bordladegerät ausstatten. Serienmäßig ist ein 6,6 kW leistender Einphasenlader verbaut, mit dem sich die Batterie bestenfalls in unter fünf Stunden wieder komplett füllen lässt. Wem das zu lange dauert, kann eine DC-Lademöglichkeit hinzubestellen, mit der der Ladevorgang auf 80 Prozent auf unter eine Stunde verkürzt werden kann. Mit bis zu 30 kW soll dann der Akku per CCS-Stecker geladen werden. Das ist in dieser Klasse noch lange keine Selbstverständlichkeit. Der Ladeanschluss befindet sich übrigens hinter dem Dacia-Logo in der Fahrzeugfront, der Spring ist also ein sogenannter Nasenlader.

Fazit

Einfache Technik, aber gelungenes Design: Dacia bleibt seinem Markenkern treu und bietet elektrische Hausmannskost und ausreichend Platz auf kleinstem Raum zu einem – voraussichtlich – äußerst attraktiven Preis. Denn diese wichtige Kennzahl hat Dacia noch nicht verraten. Die 9.570 Euro Umweltprämie (mit 19 % MwSt.) können jedoch sicher noch von dem voraussichtlich niedrigen Einstiegspreis abgezogen werden, was in dieser Fahrzeugkategorie schnell an die 50 Prozent des Listenpreises ausmachen kann. Spätestens im zweiten Halbjahr nächsten Jahres, wenn Dacia passenderweise die Bestellbücher für den Spring öffnet, wissen wir mehr.

Alternativen im Vergleich:

Fahrzeug Leistung Reichweite Preis (DE, inkl. 16 % MwSt.)
Dacia Spring Electric 33 kW 225 km N/A
e.Go Life 40+ 41 kW 122 km ab 22.702 Euro
Renault Twingo Electric 60 kW 190 km ab 24.165 Euro
Smart EQ forfour 60 kW 130 km ab 22.030 Euro
VW e-up! 61 kW 260 km ab 21.421 Euro
Technische Daten
Fahrzeugbezeichnung: Dacia Spring Electric
Fahrzeugbeschreibung: fünftüriges, viersitziges Mini-SUV, Frontantrieb
ANTRIEB
Bauart: 1x fremderregte Synchronmaschine
Leistung: 33 kW
max. Drehmoment: 125 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 26,8 kWh/-
Wärmemanagement: N/A
Batteriegarantie: 8 Jahre oder 120.000 km
Ladestandard AC: Typ 2 6,6 kW 1p
Ladestandard DC: CCS 30 kW optional
Ladezeit AC 2,3-kW-Ladestation (230 V, 10 A, 1p) 0-100 %: max. 14 h
Ladezeit AC 3,7-kW-Ladestation (230 V, 16 A, 1p) 0-100 %: max. 8 h 30 min
Ladezeit AC 11-kW-Ladestation (400 V, 16 A, 3p) 0-100 %: max. 8 h 30 min
Ladezeit AC 22-kW-Ladestation (400 V, 32 A, 3p) 0-100 %: max. 5 h
Ladezeit DC 50-kW-Ladestation 0-80 %: max. 1 h
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): N/A
REICHWEITE & VERBRAUCH
NEFZ: N/A
EPA: N/A
WLTP: 225 km
Verbrauch (WLTP): N/A
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge: 3,734 m
Breite (ohne/mit Spiegel): 1,622m/1,770 m
Höhe (ohne/mit Dachreling): 1,490 m/1,516 m
Luftwiderstandsfläche (cW x A): N/A
Luftwiderstandsbeiwert (cW): N/A
Gepäckraum: 300-600 l
Leergewicht: N/A
Anhängelast (gebremst/ungebremst): -
PREIS
Deutschland: N/A
Österreich: N/A

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