Die Zeitenwende - Tesla Model 3

Kaliforniens elektrische Kampfansage beschleunigt mit einem leisen Siiiiaum. Selbst die Basisversion des Tesla Model 3 erledigt den Standardsprint in weniger als sechs Sekunden. Stärkere Antriebe folgen. Aber die pure Kraftdemonstration des E-Motors ist nicht das Ziel von Firmengründer Elon Musk. Sie ist das Mittel, um die Menschen von Strom als der besten Energie fürs Auto zu überzeugen. Denn die kompakte Sportlimousine Model 3 soll Käufer gewinnen. In Europa, in den USA und in Asien. Das Model 3 wird den deutschen Premiumherstellern einen bitteren Schmerz zufügen: Genau in der Klasse, in der Autos wie der 3er BMW international hohe Gewinne erwirtschaften, gibt es ab sofort einen ernsthaften Wettbewerber. Einen Rivalen.

In Kurzform:
Die Auslieferung des batterieelektrischen Tesla Model 3 beginnt Ende 2017.
Die Reichweite beträgt 345 Kilometer.
Die Preisliste startet bei 35.000 US-Dollar. Drei Zahlen, die erklärt werden müssen.

So entfuhr selbst Elon Musk ein ironisches „ziemlich zuversichtlich“ („fairly confident“), als er bei der Vorstellung des Model 3 über die exakte Einhaltung des Produktionsstarts redete. Denn in der Vergangenheit hatte es mehrfach Verzögerungen im Terminkalender gegeben. Die Gemeinschaft der Tesla-Anhänger lacht darüber nur. Stehen die ersten Model 3 im Februar 2018 oder erst Weihnachten in der Garage? Egal. Denn sicher ist: Das Auto kommt. Damit unterscheidet es sich fundamental von den vielen Ankündigungen, die andere Hersteller in Form von Studien auf den Messen präsentieren.

Punkt 2, die Reichweite.
Der Wert von 345 Kilometern bezieht sich auf den strengen US-amerikanischen EPA-Messzyklus. Zum Vergleich: Ein Chevrolet Bolt kommt dort mit 60 Kilowattstunden Batteriekapazität auf 320 Kilometer. In dieser Größenordnung dürfte auch der Speicher des Model 3 liegen – in der günstigsten Variante, auf die analog zum Model S sowohl Ausführungen mit mehr Batteriekapazität als auch welche mit dem Dual Drive genannten Allrad- statt nur mit Heckantrieb folgen werden.

Der Preis von 35.000 Dollar lässt sich leider nicht einfach in rund 31.000 Euro umrechnen. Die US-Amerikaner lassen die Mehrwertsteuer weg. Inklusive aller Exportkosten ist für Europa eher ein Einstiegskurs von knapp unter 40.000 Euro zu erwarten.

Dafür gibt es, und das betont Elon Musk, keine rollende Verzichtserklärung, sondern ein vollständiges Auto. Eins mit vielen Alleinstellungsmerkmalen.

Das beginnt beim Design. Franz von Holzhausen, der bereits für das Model S verantwortlich war, hat nun das Model 3 gezeichnet. Mit vielen vertrauten Elementen, aber auch mit etlichen Neuerungen. So ist die Front optisch komplett geschlossen; die flach abfallende Haube mit den markant ausgeformten Kotflügeln wirkt wie eine Reminiszenz an Porsche oder Ferrari. Die Windschutzscheibe ist weit nach vorne gezogen, und die Abrisskante am Heck ist scharf und hoch. Die gesamte Form des Model 3 ist dynamisch gespannt.

Unter der vorderen Haube gibt es einen zweiten Kofferraum (Tesla-Jargon „Frunk“ für front trunk), dessen Volumen in Addition zum hinteren nach Aussage von Tesla größer ist als bei allen Konkurrenten mit Verbrennungsmotor. Eine Schrägheckklappe hat das Model 3 nicht. Stattdessen öffnet sich – wie in dieser Klasse üblich – ein Deckel über dem Gepäckfach, und von der B-Säule an ermöglicht ein unterbrechungsfreies Panoramadach den Blick auf den Himmel. Mit starkem UV-Schutz, versteht sich.

Ohne Aufpreis ist die Hardware fürs automatisierte Fahren in jedem Model 3 eingebaut. Tesla nennt das Autopilot. Und wenn die Hardware vorhanden ist, bedeutet das, dass die Software entweder als Upgrade aufgewertet oder als Update aktualisiert werden kann. Die Nähe zur digitalen Welt ist auch im Innenraum sichtbar, wo ein zentraler und waagerecht eingebauter 15-Zoll-Monitor alles ersetzt, was bei konventionellen Autos eine Flut an Rundinstrumenten und Schaltern erledigt. Das erhöht den Komfort im Alltag genauso wie die elektronischen Assistenzsysteme, die darüber hinaus für mehr Sicherheit sorgen. Apropos: Das Model 3 erhält in allen Kategorien des Crashtests die höchstmögliche Wertung von fünf Sternen.

Ein wesentliches Element fürs entspannte Fahren mit dem Tesla Model 3 ist außerdem die Fähigkeit zum Schnellladen an den Superchargern. Die Leistung von 120 Kilowatt, die hier abgegeben wird, sorgt in der Realität dafür, dass der Akku des Model 3 in einer Viertelstunde wieder zur Hälfte gefüllt ist. Es ist die große Stärke des Tesla-Systems, dass sich die Besitzer nicht mit einer App, einer RFID-Karte oder einem Dongle an den Ladesäulen identifizieren müssen. Die Konkurrenz versinkt hier im Chaos. Bei Tesla funktioniert alles automatisch und von selbst. Stecker in die Buchse, fertig. Den Rest macht die Software.

Dem Vernehmen nach werden die Käufer des Model 3 den Strom allerdings nicht wie beim teuren Model S scheinbar kostenfrei bekommen. In der Diskussion ist eine Pauschalzahlung im Sinn einer Flatrate.

Mit der Vorstellung des Model 3 hat Tesla eine Zeitenwende eingeleitet. Es ist der Beginn einer Ära, in der ein batterieelektrisches Fahrzeug eine echte Konkurrenz um Marktanteile ist. Nicht, weil ein Staat das finanziell begünstigt. Sondern wie im Fall des Model 3, weil es das geilere Auto ist. Dass es noch zwei Jahre dauert, bis die Stückzahlen wirklich ansteigen, ist dabei letztlich bedeutungslos. Entscheidend ist, dass es passiert.

Das Vertrauen darin lässt sich an den 115.000 Kunden ablesen, die blind, also ohne das Model 3 überhaupt gesehen zu haben, 1.000 Euro oder andere Währungen angezahlt haben, um eine frühe Reservierungsnummer zu erhalten. Nach der offiziellen Präsentation sind über 200.000 weitere Interessenten hinzugekommen. Es gibt hier kein technisches Wunder zu kaufen. Aber niemand kocht so gut mit Wasser wie Elon Musk. (Von Christoph M. Schwarzer |  Fotos: Tesla)

  1. Gerhard sagt:

    Wir freuen uns auf das Modell 3 wie kleine Kinder. Er gefällt uns nach wie vor sehr gut. Das lange Warten auf unseren Tesla haben wir mit einem Nissan Leaf überbrückt. Damit wird uns an das luxuriöse E- Autofahren gewöhnen können. Es wird mit voller Ausstattung werden, weil er unser erste Zeit in der Pension sein wird und wir mit ihm viel verreisen werden.

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