Weltpremiere Elektro-SUV Mercedes EQC

Noch nie war ein Mercedes so spektakulär unspektakulär. Anstatt den neuen EQC mit einer eher futuristischen Karosse auf die Reise zu schicken, wählten die Stuttgarter bei ihrem ersten ernstzunehmenden Elektroauto den konservativen Weg. Die Außenhaut verzichtet fast völlig auf die üblichen Falze und Sicken, gleitet aalglatt durch den Fahrtwind. „Mit seinem nahtlosen, klaren Design ist der EQC ein Vorreiter einer avantgardistischen Elektro-Ästhetik“, sagt Design-Chef Gorden Wagener. Pfiffige Akzente an Bug und Heck nennt er „wegweisende Designdetails“. Letztere sorgen dafür, dass der Betrachter zwar merkt, dass da etwas anders am neuen SUV ist, das Ungewöhnliche aber erst auf den zweiten Blick benennen kann.

Ein sicher kluger Schachzug der 130 Jahre alten Traditionsfirma, die jetzt die Zukunft zur Gegenwart macht. Der Stromer mit Stern wird nämlich nicht unter 70.000 Euro zu haben sein. Und in dieser Preisklasse sind nun mal betuchte Zeitgenossen unterwegs, deren Auto eher lautlos gediegen anstatt im marktschreierischem Öko-Look durch den Verkehr rollen soll. Für ein Auto der C-Klasse-Familie fast schon den Preis einer S-Klasse ins Schwabenland zu überweisen, diese Bereitschaft muss da sein.

Technisch basiert der EQC auf dem GLC, dem erfolgreichsten Mercedes-SUV, er läuft in Bremen sogar die meiste Zeit auf dem gleichen Band.Der Rundgang um den 4,76 Meter langen Neuling (10 Zentimeter weniger als der GLC) wäre recht flott absolviert, wenn da nicht die Hoppla-Stopps wäre. Zur Beispiel die Frontpartie mit ihrer pechschwarzen Fläche, die sich rund um Scheinwerfer und Kühlergrill zieht. Ihren oberen Anschluss bildet ein Leuchtenband, das die beiden Tagfahrlichter miteinander verbindet. Es darf jedoch tagsüber in Deutschland ebenso wenig verwendet werden wie die Beleuchtung des Marken-Sterns. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer stecken in schwarzen Gehäusen, durch die sich blaue Streifen ziehen, die an Adern erinnern. Blau ist die Symbolfarbe der neuen Elektromarke EQ von Mercedes, deren Erstgeborener eben der EQC ist.

In der recht schmucklosen Seitenansicht fällt die nach hinten abfallende Dachpartie auf, die für optische Dynamik und die Unterscheidung zum vertrauten Bild eines GLC sorgen soll. Das Heck glänzt wie sein Pendant am vorderen Ende mit LED-Spielen. Die beiden schmalen Rückleuchten sind durch eine filigrane rote Lichtleiste miteinander verbunden, was als EQC-Erkennungszeichen bei Nacht dienen soll. Allerdings hat sich Mercedes dabei ein wenig am Stuttgarter Nachbarn Porsche und dessen Macan orientiert.

Ein Blick nach innen macht letztlich aber doch klar, dass es sich um ein besonderes Auto handelt. Obwohl der Breitwand-Monitor in ähnlicher Art schon in der A-Klasse Dienst tut, zeigt er im EQC in besonderer Form die gewünschte Wirkung des Neuartigen. Alles digital, mit wechselnden Farben zum Beispiel beim Beschleunigen, mit gestochen scharfem Bild und allerlei Touchscreen-Funktionen. Darunter dann die analoge Welt mit neu gestalteten, schmalen Luftauslässen und einer zweireihigen, klassischen Sammlung von Tasten (zum Beispiel für Heizung und Klima) und Knöpfen zum Schnellaufruf von Telefon, Radio oder Warnblinker. In Summe sieht Letzteres nicht nur fein und teuer aus, sondern liefert künftigen Kunden auch jahrelang Vertrautes.

Die Batterie: 80 kWh müssen genügen

Die Batterie mit ihren 364 Zellen ist im Souterrain der Karosserie zu Hause, crashsicher umrahmt von einem stählernen Kragen. Die beiden Motoren sind jeweils über den Achsen montiert, die sie auch exklusiv versorgen. So geht Allradantrieb heute. Zum komplizierten Ganzen gehören Steuerelektronik, Kühlung und Heizung für die Akkus und diverse Sicherheitssysteme wie eine Sofortabschaltung der Hochspannung im Falle eines Unfalls. 80 Kilowattstunden stecken im Stromspeicher. Sie ermöglichen den Motoren eine Gesamtleistung von 300 kW/408 PS und entsprechende Fahrleistungen. Allerdings ist mit Rücksicht auf die Reichweite bei 180 km/h Schluss.

Bei aller Euphorie im Hause Mercedes: Der EQC, immerhin 2,4 Tonnen schwer, bleibt ein Kompromiss, da er sich die Basis schließlich mit einem konventionellen Brüderchen, dem GLC, teilt. So zum Beispiel braucht er eigentlich keinen Mitteltunnel, hat ihn aber trotzdem, was unnötig Platz kostet. Auch der klassische Motorraum vorne könnte in einem als reines E-Auto konzipierten Modell deutlich kleiner ausfallen. Der erste EQ ist aber ein Anfang. Eine ganze Modellfamilie in allen Segmenten, von Anfang an nur auf Elektroantrieb ausgelegt, wird folgen. Zetsche bei der Stockholmer Premiere: „Wir investieren zehn Milliarden Euro in den nächsten Jahren“. (SP-X)

  1. Roger Zamofing sagt:

    Der sieht aber neben JAGUAR iPace und TESLA sowieso genau wie der AUDI alt und langweilig aus. Was da ein Gordon Wagener von sich gegeben hat, zeigt erneut den Unwillen auf die fiesen Geschäfte mit teuren Ersatzteilen und viel zu komplexer Technik zu verzichten. Bei JAGUAR hingegen hatte Ian Callum – vermutlich ein Altersgenosse von Wagener – dank TATA freie Bahn für ein wirklich neues Konzept von Auto und vor allem ganz OHNE Mitteltunnel und unnötigen Motorraum vorne.

    Dabei ist aber überall nicht zu vergessen, dass man natürlich auch bei den EV’s immer noch etwas mehr und STÖRANFÄLLIGES einbauen will, was eigentlich niemand (ausser natürlich die Marketingleute der Hersteller und die NSA) für den Weg von A nach B und eine sinnvolle Mobilität brauchen wollen würde. Leider werden auch all diese Denkkatastrophen das Problem mit den Staus auf allen Autobahnen und Nebenstrassen nicht lösen und dann noch in einem traurig langweiligen 5-Meter-Sarg herumhocken zu müssen, das ist schon krass. Übrigens gehört auch das „autonome Fahren“ in diese Kategorie von Denkirrtümern, denn a) erhöht es nur den Stress normaler Menschen im Verkehr und b) ist eine vernünftige Ethik in Bezug auf AI ohne GRUNDLAGEN und echter WISSENSCHAFTLICHKEIT gar nicht möglich, wie wir 2’500 Jahre nach Plato eigentlich längst wissen sollten und mit dem Diesel-Skandal hat die Industrie ja längst auch noch bewiesen, dass es wohl auch mit EQ-Mobilen keine Wende im Denken der Verantwortlichen geben wird. Genau dies drückt sich in der Langeweile dieses Autos aus.

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