Vorstellung: Tyn-e

15.05.2024 von Vanessa Lisa Oelmann

Ein neuer Automobilhersteller im Schwabenländle

Man sieht den Mitarbeitern bei der Pressekonferenz im baden-württembergischen Waiblingen an, dass sie mächtig stolz auf ihr Projekt sind. Vier Jahre lang haben sie laut eigenen Angaben im Verborgenen sämtliche Entwicklungsarbeit geleistet und Verkaufsvorbereitungen getätigt, bevor Tyn-e Anfang April im Rahmen eines dreitätigen Events erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

„Jetzt gibt es neben der Marke mit dem Stern und der Marke mit dem Rössle einen dritten Automobilhersteller in der Region Stuttgart“ – Pressesprecher Andreas Denner strahlt regelrecht mit der freundlich dreinschauenden Front der Tyn-e-Fahrzeuge um die Wette.

Drei Modelle zum Marktstart

Während sich die meisten Automobilhersteller auf klassische Pkw-Modelle konzentrieren, nimmt Tyn-e ein Fahrzeugsegment ins Visier, das in Europa noch kaum erschlossen wurde: Kompakte vollelektrische Nutzfahrzeuge zu einem günstigen Einstiegspreis. Zum Marktstart präsentiert Tyn-e drei Modelle der Fahrzeugklasse N1: Der 3,49 Meter kurze Van TX1-e sowie der technisch identische TX2-e mit Pritschen- oder Boxaufbau verfügen über einen 17-kWh-Akku und bieten rund 100 Kilometer Reichweite laut WLTP-Zyklus. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h. Wer mehr Platz und Reichweite benötigt, kann sich für den deutlich größeren TX7-e mit 28,8-kWh-Akku entscheiden.

Tyn-e TX1-e, TX2-e und TX7-e

Die technischen Daten zeigen, dass das Fahrzeugportfolio keineswegs für lange Transportwege konzipiert wurde. Vielmehr charakterisiert Tyn-e die TX-Modelle als urbane Begleiter für die letzte Meile und verspricht vielfältige Einsatzmöglichkeiten auf der Kurz- und Mittelstrecke. Zur Zielgruppe gehören vorrangig Handwerker, Betriebe im Garten- und Landschaftsbau sowie andere Dienstleister mit einem durchschnittlichen Fahrprofil von 50 bis 80 Kilometern am Tag. Auch die BW-Post im Rems-Murr-Kreis testet bereits zwei TX1-e als Auslieferungsfahrzeuge und zeigt sich laut Tyn-e sehr zufrieden mit der Alltagsperformance der Modelle.

Zur großen Überraschung der jungen Firma, welche 90 Prozent des Umsatzes im B2B-Geschäft antizipiert hatte, gingen in den vergangenen Monaten diverse Anfragen von Privatpersonen ein, die sich Hals über Kopf in den niedlichen Look der Fahrzeuge verliebt hatten und jetzt einen Tyn-e zum Mini-Wohnmobil umrüsten wollen. „Damit haben wir nicht gerechnet“, lacht Geschäftsführer Markus Graf, „aber wenn die Leute das unbedingt wollen, dann finden wir bestimmt einen Partner, mit dem wir die Fahrzeuge umbauen können.“

Made in China, developed in Germany

Bei Tyn-e handelt es sich um ein Gemeinschaftsprodukt der Weber Mobility GmbH und der ShareX Mobility AG. Hauptaktionär des Projekts ist Ullrich Villinger, Zeitungsverleger aus Waiblingen, in dessen Räumlichkeiten Tyn-e seinen Unternehmenssitz fand. Als Produktionspartner agiert der chinesische Hersteller Shandong Horche, der drittgrößte Produzent kleiner Transporter in China. Lediglich die äußere Hülle der Fahrzeuge wurde vom Chengshi 01 übernommen, der Rest stellt eine auf europäische Bedürfnisse ausgerichtete Eigenentwicklung „made in Germany“ dar. So wurde beispielsweise die 70-Volt-Akkutechnik durch ein 300-Volt-System ersetzt und das Platzangebot für den Fahrer massiv verbessert.

Der TX1-e wird bereits ausgeliefert, der TX2-e und TX7-e sollen im dritten Quartal 2024 folgen. Doch statt sich zunächst auf diese drei Modelle zu konzentrieren, plant die junge Marke bereits eifrig die nahe Zukunft. Neben einem Showroom in Barcelona, wo eine große potenzielle Kundengruppe identifiziert wurde, soll demnächst ein Leichtfahrzeug der Klasse L7e das Portfolio vervollständigen. Außerdem wird eine enge Zusammenarbeit mit diversen lokalen Unternehmen in Aussicht gestellt – zumindest im Landkreis Stuttgart wird Tyn-e damit bald dem alteingesessenen Platzhirsch Streetscooter ordentlich Paroli bieten.

Fotos: Tyn-e, Vanessa Oelmann
Quelle(n): Tyn-e Homepage, Tyn-e Produktbroschüre

Technische Daten Tyn-e TX1-e Tyn-e TX2-e Tyn-e TX7-e
Fahrzeugklasse: Kastenwagen, Klasse N1 Transporter mit Box (B) oder Pritsche (P), Klasse N1 Transporter mit Box (B) oder Pritsche (P), Klasse N1
ANTRIEB
Antriebsart: Hinterradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bauart: PSM PSM
Leistung: 30 kW 30 kW 60 kW
Drehmoment: 113 Nm 120 Nm 200 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto): 17,03 kWh 17,03 kWh 28,8 kWh
Ladestandard AC: Typ 2 3,7 kW Typ 2 3,7 kW Typ 2 3,7 kW
Ladestandard DC: CCS 11 kW CCS 11 kW CCS 11 kW
Ladezeit AC 11-kW-Ladestation: ca. 8 h (0–100 %) ca. 8 h (0–100 %) ca. 14 h (0–100 %)
Ladezeit DC-Ladestation: ca. 2 h (0–100 %) ca. 2 h (0–100 %) ca. 3 h (0–100 %)
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h 80 km/h 80 km/h
REICHWEITE
Reichweite (WLTP): 113 km 104 km 141 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (exkl. Spiegel) x Höhe: 3,490 m x 1,465 m x 1,685 m 4,400 m x 1,570 m x 2,060 m (B); 4,400 m x 1,570 m x 1,695 m (P) 4,400 m x 1,570 m x 2,450 m (B); 4,400 m x 1,570 m x 1,735 m (P)
Radstand: 2,350 m 2,800 m 2,800 m
Leergewicht: 930 kg 1.100 kg (B); 1.045 kg (P) 1.265 kg (B); 1.200 kg (P)
Ladevolumen: 2 m³ 4,49 m³ (B) 5,7 m³ (B)
Zuladung: 620 kg 700 kg (B); 755 kg (P) 1.135 kg (B); 1.200 kg (P)
zulässiges Gesamtgewicht: 1.550 kg 1.800 kg 2.400 kg
PREIS
Verfügbarkeit: erhältlich in DE Auslieferung ab Q3/2024 Auslieferung ab Q3/2024
Deutschland (Netto): ab 19.990 € ab 25.990 € (P); ab 27.990 € (B) ab 29.990 € (P); ab 32.990 € (B)
Österreich: N/A N/A N/A
  1. Michael Schaaf sagt:

    Guten Tag,
    Sie sollten möglichst schnell auf die 800V-Technik wechseln, um die Reichweite zu erhöhen.
    Viele Handwerker aus der Region Ingolstadt fahren täglich nach München. Das sind mindestens 2 x 70 km extra.
    Gruß
    Dr. Schaaf

    1. Vanessa Lisa Oelmann sagt:

      Guten Abend Herr Dr. Schaaf – kleine Nutzfahrzeuge mit 800V-Technologie wären sicherlich super praktisch im Alltag, aber würden 1. natürlich deutlich teurer ausfallen und 2. wäre es wohl auch weniger gut für so einen kleinen Akku, mit extrem hohen Ladeleistungen vollgeballert zu werden. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir in den kommenden Jahren auch kleine Nutzfahrzeuge mit höheren Ladegeschwindigkeiten sehen werden.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Vanessa Lisa Oelmann

  2. anony sagt:

    zitat
    „Jetzt gibt es neben der Marke mit dem Stern und der Marke mit dem Rössle einen dritten Automobilhersteller im Landkreis Stuttgart“ – Pressesprecher Andreas Denner
    zitatende
    hat er das echt so gesagt, oder hat er „region stuttgart“ gesagt
    .de.wikipedia.org/wiki/Region_Stuttgart)
    waiblingen gehoert genausowenig zum „landkreis stuutgart“ (besser „stadtkreis“) wie ludwigsburg sondern zum rems-murr-kreis autokennzeichen WN wie waiblingen

  3. Anonym sagt:

    Klasse Unterstützung um betriebliche Fuhrparks auf elektro umzustellen. Weiter so!

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