Vorstellung: Honda Sustaina-C Concept

13.05.2024 von Vanessa Lisa Oelmann

Alte Rückleuchten statt Lackierung

Konzeptfahrzeuge gelten unter Autofans nicht als sonderlich beliebt. Nicht selten erschaffen die Hersteller durch massiv überspitzte Designmerkmale riesige Lust auf das Serienmodell, das dann im direkten Vergleich deutlich unspektakulärer ausfällt. Honda hingegen hat mit dem Sustaina-C ein Konzeptfahrzeug auf die Beine gestellt, welches niemals in Serie gehen wird. Stattdessen soll anhand des kleinen Flitzers gezeigt werden, wie nachhaltige Fahrzeugproduktion in Zukunft aussehen könnte.

Hondas Ansatz klingt schon irgendwie verrückt: Wir nehmen alte Rückleuchten und machen daraus ein cooles Exterieur, das keine Lackierung benötigt. Der Prozess ist aber weniger kompliziert, als man zunächst annehmen mag: In Zusammenarbeit mit Mitsubishi Chemical werden Rückleuchten aus Altfahrzeugen zerkleinert, behandelt und zu Acrylharz umgewandelt, bevor sie zu Fahrzeugbeplankungen geformt werden.

Darin sieht Honda eine Möglichkeit, den Produktionsprozess energieeffizienter und kohlenstoffärmer zu gestalten sowie die Schaffung einer zirkulären Wertschöpfungskette von Fahrzeug zu Fahrzeug voranzutreiben. Die Verwendung von Exterieurteilen aus Acrylharz senkt die Emissionen während der Produktion um bis zu 45 Prozent – zum Teil durch die recycelten Materialien, die eingesetzt werden, aber auch dadurch, dass die Platten gänzlich unlackiert bleiben, was laut Honda bis zu 80 Prozent aller CO2-Emissionen einer Automobilfabrik ausmachen könnte.

Jedes Fahrzeug ein Unikat

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Durch den oben erläuterten Prozess wird ein unlackiertes Finish erzielt, das unmittelbar alle Blicke auf sich zieht. Das gezielte Mischen von Farben mit unterschiedlichen Schmelzpunkten resultiert in einer einzigartigen Marmorierung jedes einzelnen Fahrzeugs. Neben ihrem auffälligen Aussehen sind die Acrylharz-Beplankungen rissbeständig und können nach leichten Kollisionen wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht werden. Zudem bieten sie ein hohes Maß an Witterungsbeständigkeit und werden durch Sonnenlicht nur geringfügig beeinträchtigt, wodurch die Marmorierung im Gegensatz zu herkömmlichen Lackierungen selbst in besonders heißen Ländern viele Jahre lang ihre hübsche Optik behalten soll.

Das Sustaina-C Concept kommt übrigens nicht alleine daher, sondern teilt sich die Bühne mit dem Pocket Concept. Dabei handelt es sich um einen Mini-Roller, der sich im Kofferraum verstauen lässt und Individualmobilität auf der letzten Meile bieten soll.

Nachhaltiger Fertigungsprozess oder nur medienwirksames Greenwashing?

Das ist die Frage, die sich einem Automobiltester häufig in Anbetracht solcher Konzeptfahrzeuge stellt. In der Tat liege diese Art der Serienfertigung derzeit noch in weiter Ferne, muss Kento Ishii, Designchef der Sustaina-C-Studie, selbst zugeben. Die nötige Technologie fürs Fertigen nachhaltigerer Fahrzeuge sei aber bereits vorhanden, nun gehe es in den kommenden Jahren um die Frage, wie sich die entwickelten Prozesse in die Massenproduktion integrieren lassen. Um zu zeigen, dass sie es schon heute ernst mit der Fertigung nachhaltiger Fahrzeugbeplankung meinen, hat Honda den Verbrenner-Roller SH125i „Vetro“ mitgebracht. Dabei handelt es sich um ein Sondermodell, das mit halbtransparenten dunkelgrünen Verkleidungsteilen anstelle klassischer lackierter Beplankung ausgestattet wurde und dadurch ein bisschen aussieht wie das Alltagsgefährt eines Marvel-Bösewichts.

Die Herstellung jener grünen Teile verursacht im Vergleich zur Produktion der Standardlackierungen 9,5 % weniger CO2-Emissionen, das ist definitiv ein Anfang. Bis 2050 strebt Honda übrigens CO2-Neutralität für sämtliche Produkte und Unternehmensaktivitäten an – wir bleiben gespannt.

Fotos: Honda, Manuel Portugal

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