Pikes Peak 2016 – Race to the Clouds

Nein – dieses Mal hat’s beim „Pikes Peak International Hill Climb“ (PPIHC) nicht ganz geklappt. Zwar konnte Vorjahressieger Rhys Millen seine 2015 aufgestellte Bestzeit noch einmal um elf Sekunden toppen, im Finish landete das elektrische „e-Zero PP100“-Car dann doch ein paar Längen hinter dem Alt-Konkurrenten Romain Dumas auf Platz zwei. Kleiner Trost für die Akku-Rennfahrer: Ein Tesla schaffte in Colorado den Sieg bei den Serienfahrzeugen.

Die Rede ist von Bergrennen – einer Disziplin im Automobilsport, die manche seit den seligen Zeiten von Hans Stuck und „Bergfex“ Felix Pailer für ausgestorben halten. Mitnichten, denn in gut 20 europäischen Ländern werden sie immer noch regelmäßig oder gelegentlich ausgetragen. Mit Karacho und in Einzelfahrt geht’s die Serpentinenpiste hinauf – nur die Uhr zählt.

Freilich gelten beim „Race to the Clouds“ am Pikes Peak, begünstigt durch die außergewöhnliche Topografie der Rocky Mountains, ganz andere Höhendimensionen. Otto Normalfahrer mag sich königlich vorkommen, hat er das Stilfser Joch mit 2758 Metern Passhöhe erklommen. Hundert Meter oberhalb wird am Pikes Peak aber gerade erst gestartet. Über fast genau 20 Kilometer und mehr als 150 leichte bis haarsträubende Kurven geht der wilde Ritt hinauf zum „Summit“, 4301 Meter über dem Meeresspiegel. Auf die heimischen Alpen übertragen bedeutet dies: Man startet knapp unterhalb des Zugspitzgipfels … und auf dem Gran Paradiso ist noch immer nicht Schluss. Das alles mit einem Durchschnittstempo von bis zu 145 km/h, erzielt beim vor drei Jahren herausgefahrenen Allzeitrekord.

Seit einigen Jahren zeichnet sich in Colorado allerdings ein Paradigmenwechsel an. Mehr und mehr Teams mit Elektrosportlern sitzen den klassischen Benzin-Racern im Nacken. Mit überragendem Drehmoment ausgestattet, kommen sie vor allem im Kurvenausgang fix auf Touren und können dort ihre Beschleunigungswerte ausspielen, wo in der dünnen Höhenluft den „Verbrennern“ allmählich die Puste ausgeht. 2014 sorgten zwei Mitsubishi-MiEV-Renner für Aufsehen, die über alle Klassen auf Platz zwei und drei landeten und den Gesamtsieg lediglich um wenige Sekunden verfehlten. Ein Jahr später gelang dem Neuseeländer Rhys Millen der historische Sieg: Mit dem ersten „Ein-Megawatt“-Sportwagen (1020 kW/1387 PS), konstruiert und gebaut von „Drive e-Zero“ in Riga (!), ließ er das komplette Feld hinter sich. Dabei hatte sich Millen am Gipfel sogar noch geärgert: „Nach der Hälfte der Strecke hatte ich Probleme mit einem Teil des Batterieblocks. Sonst wäre mehr drin gewesen.“

Könnte also Millen 2016 seinen Erfolg wiederholen? Womöglich sogar den Streckenrekord unterbieten? Das würde wohl endgültig die Zeitenwende bedeuten. Im Duell mit dem Franzosen Dumas auf einem Allrad-Norma M20 RD startete Millen wie die Feuerwehr, verlor aber im Mittelpart rund 15 Sekunden auf den schwächer motorisierten, doch deutlich leichteren Gegner. Bis zum Ziel kämpfte er sich – mit Reifenproblemen und trotz eines „Verbremsers“ – in Abschnittsbestzeit wieder auf sechseinhalb Sekunden heran. „Dieses Auto ist unglaublich schnell“, war Millen im Ziel zufrieden, „wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Immerhin: Mit einem erstmals teilnehmenden Tesla Model S schaffte Blake Fuller den Gesamtsieg bei den Serienmodellen und verbesserte den Klassenrekord um eine Minute. Die Limousine des US-Tech-Unternehmers wurde allerdings zur Gewichtsoptimierung um rund 400 Kilo erleichtert. Und die Eiswürfelkühlung des Akkus vor dem Start gehört sicherlich auch eher in die Abteilung „Kuriosa“ als in die Serienausstattung … (Von Tom Jost | Fotos: RandelsMediaGroup.com)

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