Weltpremiere: Renault Twingo E-Tech Electric (2026)

10.11.2025 von Robin Engelhardt

Der 20.000-Euro-Stromer im ersten Check

Mensch, ist der niedlich: In Paris hat Renault ein 20.000-Euro-Elektroauto präsentiert, das das Erfolgsrezept seiner Retro-Serie auf die Spitze treibt. Wir waren bei der Weltpremiere dabei und konnten schon einmal in der Knutschkugel Platz nehmen.

Nach der Neuauflage des Renault 4 und 5 gönnen die Franzosen einem weiteren Klassiker eine elektrische Wiedergeburt. Im Gegensatz zu den Modellen R4 und R5 war die Produktion des Twingo jedoch nie länger unterbrochen; im Originaldesign wurde er aber nur bis 2007 gebaut. Die beiden Nachfolgegenerationen haben sich dann optisch deutlich vom Ur-Twingo entfernt. Jetzt geht Renault wieder zurück zu den Wurzeln: Der neue Twingo sieht wirklich aus, als hätte man die 93er-Version etwas schärfer gezeichnet und mit LEDs ausgestattet.

Absolut liebenswert

Dem leasinggrauen Einheitsbrei auf unseren Straßen hat Renault den Kampf angesagt, denn den Twingo gibt es in drei knalligen und nur einer gedeckten Farbe („Absolut-Grün“, „Absolut-Rot“, „Mango-Gelb“ und „Pearl-Black“). Wie schon der Ur-Twingo macht auch der neue Twingo E-Tech mit seinen Froschaugen sofort gute Laune. Er lächelt anderen Verkehrsteilnehmern freundlich entgegen und zeigt schon von Weitem: Er ist zwar nicht schnell, aber dafür sympathisch.

Auch das sehr steile Heck, die knuffige Front und sogar die angedeuteten Lüftungsöffnungen auf der Fronthaube sind dem Ur-Twingo zum Verwechseln ähnlich. Wirklich große Änderungen an der Karosserie gab es daher nur zwei: War der Twingo doch dafür bekannt, ein Dreitürer zu sein, gibt es nun fünf. Und die Motorhaube heißt jetzt „Serviceklappe“ und lässt sich vom Kunden nicht mehr öffnen. Das Wischwasser füllt man über die Fake-Lüftungsöffnungen ein – dafür gibt es ein Spezialwerkzeug. Das ist eine der Schrulligkeiten, die sich der Twingo leistet.

Verspieltes, kleines Raumwunder

Im Innenraum ist das wichtigste Twingo-Feature wieder dabei: Alle vier Sitze sind verschiebbar, auch die hinteren beiden – und das jeweils einzeln. So hat man die Wahl, ob im Kofferraum oder auf der Rückbank mehr Platz sein soll. Je nachdem sind bis zu 305 Liter Kofferraum oder 16 Zentimeter Kniefreiheit möglich. Umgeklappt sind bis zu 1.000 Liter Ladevolumen drin, und in der höherwertigen Techno-Version mit umklappbarem Beifahrersitz beträgt die Durchladelänge satte zwei Meter.

Durch die luftige Mittelkonsole ist das Raumangebot auf den Vordersitzen mehr als in Ordnung. Hier würde man es auch deutlich länger aushalten als die 263 Kilometer, die der Wagen nach WLTP mit einer Ladung zurücklegen kann.

Bei zurückgestellten Sitzen lässt es sich auch hinten ganz gut aushalten. Hier ist man wegen der eingeschränkten Kopffreiheit aber dann wahrscheinlich doch froh über die übersichtliche Reichweite. Selbst weniger groß gewachsene Menschen haben leicht Kontakt zum Dachhimmel, was bei 1,49 Meter Außenhöhe aber auch keine Überraschung ist. Während es vorne nicht nur elektrische, sondern sogar automatische Fensterheber gibt, erfolgt die Frischluftzufuhr hinten nur über Ausstellfenster.

Für die Gangwahl dient der aus dem Renault 4 und 5 bekannte Lenkstockhebel. Die Geschwindigkeit verrät ein serienmäßiges 7-Zoll-Tachodisplay.

Im 10-Zoll-Mitteldisplay werkelt serienmäßig ein reiner Android-Auto-/Apple-CarPlay-„Spiegel“. Nur in der höheren „Techno“-Ausstattung gibt es ein integriertes Navi mit „Google built-in“, das dann auch ohne das eigene Smartphone läuft.

Technisches Leichtgewicht

Wer noch Zweifel hatte, ob der Renault Twingo wirklich nur ein Stadtauto ist oder nicht auch langstreckentauglich sein könnte, bekommt beim Blick aufs Datenblatt Gewissheit. Mit 60 kW und 175 Newtonmetern reißt der Fronttriebler sicher keine Bäume aus, für die Stadt dürfte der Vortrieb aber genügen.

Daher verweist Renault auch lieber auf die Beschleunigung bis 50 km/h, die mit unter vier Sekunden noch recht quirlig ausfällt. Bis 100 km/h vergehen ab Stillstand jedoch mehr als zwölf Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h.

Auch beim Gleichstromladen lässt man es mit maximal 50 kW eher gemütlich angehen. Von 10 auf 80 Prozent soll die Ladung dennoch nur klassenübliche 30 Minuten dauern. Erfreulich ist gerade für die städtische Kundschaft, dass die 27,5 kWh (netto) kleine LFP-Batterie dank 11-kW-Bordladegerät auch an der AC-Säule am Straßenrand in weniger als drei Stunden voll ist.

Vergleich: Einstiegsversionen Elektro-Kleinwagen
BYD Dolphin Surf Citroën ë-C3 Hyundai Inster Renault Twingo
Version: Active Urban Range 71 kW
Sitze: 4 5 4–5 4
Batterie: 30 kWh 30 kWh 42 kWh 27,5 kWh
Reichweite: 220 km 212 km 327 km 263 km
Leistung: 65 kW 83 kW 71 kW 60 kW
0–100 km/h: 11,1 s 12 s 11,7 s 12,1 s
Höchstgeschw.: 150 km/h 125 km/h 140 km/h 130 km/h
AC-Laden: 11 kW 7,4 kW/11 kW* 11 kW 11 kW
DC-Laden: 65 kW 30 kW* 73 kW 50 kW
Kofferraum: 308–1.037 l 310–1.188 l 280–1.059 l 305–1.000 l
Preis DE: 22.990 € 19.990 € 23.900 € ca. 20.000 €
Preis AT: 22.390 € 22.890 € 27.390 € ca. 20.000 €

Die spartanische Technik ermöglicht allerdings auch ein niedriges Leergewicht von 1.200 Kilogramm – in den Kurven wird er also wohl trotz schwacher Motorisierung Spaß machen. Ebenfalls lobenswert finden wir das One-Pedal-Drive „bis zum Stillstand“, wie Renault bei der Premiere betont. Außerdem sollen 24 Assistenzsysteme an Bord sein, unter anderem ein automatisches Einparken.

Kann Renault die 20.000-Euro-Marke in Deutschland und Österreich halten?

Doch auch wenn der Einstiegspreis von 20.000 Euro in Frankreich unbestritten niedrig ist, sitzen die Wettbewerber dem neuen Twingo trotzdem dicht im Nacken. Citroën hat gerade die 20.000-Euro-Version des ë-C3 auf den Markt gebracht. Auch VW arbeitet an einem Kleinstwagen mit diesem Preisschild, der allerdings erst 2027 auf den Markt kommen wird. Von diesem vermittelt die Studie ID. Every1 einen ersten Eindruck.

Und dann wäre da noch der Hyundai Inster, der für 4.000 Euro mehr immerhin einen 42-kWh-Akku bietet (in Österreich liegt die Differenz voraussichtlich bei über 7.000 Euro). Dieser Preisunterschied dürfte noch einmal kleiner werden, wenn man das in Deutschland und Österreich serienmäßig inkludierte „Advanced Charge-Paket“ einpreisen muss. Damit könnte der Twingo auch die 20.000-Euro-Marke reißen. Die Preise für die auf der Premiere gezeigte, höherwertige Ausstattungsvariante „Techno“ wollte Renault allerdings noch nicht verraten.

Fazit: Schön günstig – doch reicht das aus?

Wie schon vor 32 Jahren als Verbrenner ist auch der Elektro-Twingo technisch in keiner Disziplin herausragend, überzeugt aber durch den clever nutzbaren Innenraum und ist optisch einfach liebenswert. Gespart wurde klar an der Technik, dafür können sich der Innenraum und die Verarbeitungsqualität sehen lassen. Hier hatten wir in dem Preissegment deutlich mehr Discounter-Feeling erwartet und wurden positiv überrascht.

Exklusiv bleibt dem in China entwickelten und in Slowenien produzierten Franzosen deshalb vor allem sein charismatisches Design, das innen wie außen lebhafter und sympathischer wirkt als bei sämtlichen Konkurrenten. Ob das bei den anvisierten jüngeren Kunden als Kaufkriterium ausreicht, bleibt abzuwarten. Aber unter jenen, die sich mit Freude an den Ur-Twingo zurückerinnern, wird die verspielte Knutschkugel wohl weggehen wie warme Semmeln.

Fotos: Renault

Pro & Contra: Renault Twingo E-Tech Electric

Pro:

  • variabler Innenraum
  • gelungenes Retro-Design
  • niedriger Basispreis

Contra:

  • mäßige Reichweite
  • eingeschränkte Kopffreiheit im Fond
  • voraussichtlich einfache Basisausstattung

Drei Alternativen zum Renault Twingo E-Tech Electric

BYD Dolphin Surf Active

Der kleinste BYD ist mit knapp vier Metern Länge eine halbe Klasse größer als der Twingo. Die Preise beginnen bei rund 23.000 Euro in Deutschland und 22.400 Euro in Österreich. Dafür erhält man einen Akku mit 30 kWh für 220 Normkilometer. Ein 11-kW-Bordlader und CCS-Ladung mit 65 kW sind Serie.

Citroën ë-C3 Urban Range

Der über vier Meter lange Kleinwagen punktet mit seinem guten Raumangebot und ist in der günstigsten Ausführung für unter 20.000 Euro (in AT: 22.890 Euro) zu haben. Die Reichweite des 30-kWh-Speichers ist mit 212 Kilometern allerdings überschaubar. Serienmäßig kann nur einphasig mit 7,4 kW geladen werden. Ein 11-kW-Lader oder alternativ CCS mit 30 kW kosten extra.

Hyundai Inster 71 kW

Der Inster ist fast genauso lang wie der Twingo, aber elf Zentimeter schmaler, was sich im Innenraum bemerkbar macht. Ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe ist er jedoch ähnlich variabel wie der Twingo. Sein 42-kWh-Akku ermöglicht 327 Kilometer Reichweite – ein Bestwert in diesem Segment. Dafür liegt er preislich mit 23.900 Euro (in AT sogar 27.390 Euro) im Vergleich am höchsten.

Bildergalerie Renault Twingo E-Tech Electric

Technische Daten Renault Twingo E-Tech Electric
Fahrzeugklasse: Kleinstwagen
Karosserie: Steilheck
Sitze/Türen: 4/5
ANTRIEB
Antriebsart: Vorderradantrieb
Leistung: 60 kW
Drehmoment: 175 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Spannungsklasse: 400 V
Zellchemie: LFP
Energieinhalt (brutto/netto): —/27,5 kWh
bidirektionales Laden: ja (V2L mit 3,7 kW)
Ladezeit AC (10–100 %): 2 h 35 min
Ladezeit DC (10–80 %): 30 min
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschw.: 130 km/h
0–50 km/h: 3,9 s
0–100 km/h: 12,1 s
REICHWEITE & VERBRAUCH
Reichweite (WLTP): max. 263 km
Verbrauch (WLTP): N/A
ABMESSUNGEN & GEWICHT
L x B (exkl. Spiegel) x H: 3,789 m x 1,720 m x 1,491 m
Breite (inkl. Spiegel): N/A
Radstand: 2,493 m
Gepäckraum: 305–1.000 l
Frunk:
Leergewicht: 1.200 kg
Zuladung: N/A
Anhängelast (g/u):
cW-Wert: N/A
PREIS & VERFÜGBARKEIT
Verfügbarkeit: Bestellstart: Q1/2026, Auslieferungen ab Q2/2026
Preis DE: ab ca. 20.000 €
Preis AT: ab ca. 20.000 €
  1. Frederik sagt:

    Ich habe mich für den Renault E-Twingo in Mango-Gelb entschieden. Er wird ab März 2026 neben meinem Skoda Citigo (Kiwigrün, Benziner) stehen.
    Die Sitzheizung, das automatische Parken, die verstellbaren Rücksitze und natürlich das Design, haben mich neben den farbigen Teilen im Innenraum überzeugt.

  2. Mark sagt:

    Der Wagen wäre sensationell, wenn er den 90PS Benziner mit der Automatik aus dem Vorgänger hätte und dazu noch das Faltdach der ersten Generation.
    Die Reichweite ist im Winter nur etwas für Stadtfahrten.
    Bei mehr als 65km Pendler-Weg (einfach) schon nicht mehr praktikabel.

  3. Gunter sagt:

    Tolles, schickes Auto. Twingo ohne Schiebedach, geht das überhaupt?

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