Weltpremiere: Hyundai Ioniq 5

Der koreanische Paukenschlag

Nun ist es endlich soweit: Mit dem Ioniq 5 startet Hyundai die vollelektrische Modelloffensive, für die zum ersten Mal eine eigene Plattform eingesetzt wird. Und der Ioniq 5 hat es in sich: 800-Volt-Technologie, bis zu 480 Kilometer Reichweite und ein durchdachtes Innenraumkonzept zeichnen den Koreaner aus.

Das Design

Auf der IAA 2019 präsentierte Hyundai die Studie 45, die mit ihrer kantigen Formensprache polarisierte – aber auch beeindruckte. Hyundai hat zumindest nicht der Mut verlassen und die Formensprache fast ein zu eins auf die Straße gebracht.

Der Ioniq 5, den Hyundai als „CUV“, also Crossover Utility Vehicle, bezeichnet, wirkt monolithisch, kantig und futuristisch mit einem Hauch Retro-Chic. Bemerkenswert ist die große Fronthaube, die den gesamten oberen Frontbereich als ein geschlossenes Teil abdeckt, was außerdem aerodynamische Vorteile haben soll. Von der Seite fallen sofort die scharfe Bügelfalte, die bündig integrierten Türgriffe und die schräg stehende C-Säule ins Auge.

Das Heck erinnert mit seiner durchgängigen Pixelleuchte an 80er-Jahre-Computer. Hier lassen sich auch einige Anleihen an das Hyundai-Design der damaligen Zeit wiederfinden.

Als weiteres Highlight gibt es den Ioniq 5 zum ersten Mal bei Hyundai auch mit optionalen Kameraaußenspiegeln. Wo sich die Monitore für die Kameras befinden, verrät Hyundai zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht.

Online-Weltpremiere des Ioniq 5

Der Innenraum

Der enorme Radstand von drei Metern bei einer Außenlänge von 4,64 Metern schafft fürstliche Platzverhältnisse im Inneren. Viel wert hat Hyundai auf den ebenen, durchgängigen Innenraumboden gelegt. Sämtliche Sitze lassen sich verschieben, ebenso die vordere Mittelkonsole. Fahrer- und Beifahrersitz können außerdem in eine Liegeposition gebracht werden, um die Zeit während des Ladevorgangs für einen Powernap nutzen zu können. Bei einer Ladezeit von nur 18 Minuten für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent bleibt auch nicht viel mehr Zeit als für ein kurzes Schläfchen.

Neben dem großzügigen Platzangebot schluckt der Kofferraum ordentliche 531 Liter und lässt sich auf bis zu 1.591 Liter erweitern. Im Frunk ist noch einmal Platz für 57 Liter bei den Modellen mit Hinterradantrieb bzw. 24 Liter bei den Allradvarianten. Genug für etwas Ladeequipment.

Der Antrieb

Die neue Electric Global Modular Platform (E-GMP) ermöglicht den Einsatz verschiedener Batterie- und Antriebsoptionen. Das Antriebsportfolio erinnert dabei – vielleicht nicht ganz zufällig –an die Antriebsvarianten von Volkswagens MEB. Los geht es mit einer 58-kWh-Batterie, Heckantrieb und 125 kW Leistung.

Wer mehr Leistung benötigt, kann einen zweiten Motor an der Vorderachse hinzubestellen, was in 173 kW resultiert. Das Drehmoment steigt so auch von 350 auf satte 605 Newtonmeter.

Die maximale Reichweite von bis zu 480 WLTP-Kilometern erreicht man mit der hinterradgetriebenen Variante mit der großen 72,6-kWh-Batterie. Hier gibt es 160 kW Leistung und 350 Newtonmeter Drehmoment. Das Topmodell hat zusätzlich Allradantrieb und leistet 225 kW. Für den Standardsprint vergehen dann auch nur 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

72,6 kWh AWD 72,6 kWh RWD 58 kWh AWD 58 kWh RWD
Antrieb: AWD RWD AWD RWD
Leistung: 225 kW 160 kW 173 kW 125 kW
Drehmoment: 605 Nm 350 Nm 605 Nm 350 Nm
0-100 km/h: 5,2 s 7,4 s 6,1 s 8,5 s
Höchstgeschw.: 185 km/h 185 km/h 185 km/h 185 km/h
Batterie: 72,6 kWh 72,6 kWh 58 kWh 58 kWh
Reichweite: N/A 470-480 km N/A N/A
Preis DE: 59.550 € N/A N/A 41.900 €
Preis AT: N/A N/A N/A N/A

Das Ladesystem

Der Ioniq 5 ist mit einem 800-Volt-Hochvoltbordnetz ausgerüstet. Diese Technologie ist der Schlüssel zu ultrakurzen Ladezeiten, wie wir spätestens seit dem Porsche Taycan wissen. Wie erwähnt gibt Hyundai für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent rekordverdächtige 18 Minuten an. Die ersten 100 Kilometer (nach WLTP) sollen in nur fünf Minuten nachgeladen werden können. Bezogen auf die große Batterie bedeutet dies eine durchschnittliche Ladeleistung von fast 170 Kilowatt.

Zum Vergleich: Der Porsche Taycan schaffte im Test (EAM-Ausgabe 02/2020) mit 193 kW im Mittel (10 auf 80 %) nur etwas mehr, beim Model 3 waren es im Durchschnitt 116 kW.

Zusätzlich gibt es eine „Vehicle-to-Load“-Funktion (V2L), mit der externe Geräte aus der Fahrzeugbatterie gespeist werden können. Bis zu 3,6 Kilowatt Leistung kann das bi-direktionale Ladesystem abgeben. Unter den Rücksitzen gibt es dazu eine Schuko-Steckdose. Zusätzlich kann der Typ-2-Ladestecker über einen Adapter zu einer Schuko-Steckdose umfunktioniert werden.

Die Ausstattung

Serienmäßig wird jeder Ioniq 5 mit Voll-LED-Licht vorne und hinten, Sitzheizung, einer Rückfahrkamera, zwei 12,25-Zoll-Displays und einem Abstandsregeltempomaten ausgerüstet. Einige Highlights der optionalen Ausstattung sind die erwähnten Kameraaußenspiegel, ein Augmented-Reality-Head-up-Display (VW lässt grüßen), die Vordersitze mit Relax-Funktion, ein Solardach oder auch die großen 20-Zoll-Felgen. Eine App-Anbindung per Bluelink darf natürlich auch nicht fehlen, ebenso eine umfangreiche Anzahl an Fahrassistenten, die beispielsweise auch einen automatischen Spurwechsel ermöglichen.

Ebenfalls beeindruckend: Mit einer Anhängelast von 1 .600 Kilogramm gehört der Ioniq 5 zu den Elektroautos, die mit die schwersten Anhänger ziehen dürfen.

Die Preise

Das Basismodell (58 kWh, 125 kW) startet bei 41.900 Euro – vor Förderung. Zum Start gibt es das auf 3.000 Exemplare limitierte Topmodell mit dem „Project 45“-Package, das ab sofort reserviert werden kann. Dieses Modell ist mit der großen Batterie und dem 225-kW-Allradantireb ausgerüstet und umfangreich ausgestattet. Der Preis liegt bei 59.550 Euro und soll laut Hyundai einen Preisvorteil von 5.000 Euro bieten. Die Auslieferungen beginnen im Sommer dieses Jahres.

Das Fazit

Das großzügige Raumangebot, die überragende Ladegeschwindigkeit, die hohe Reichweite und die durchdachten Funktionen, wie die Liegesitze oder die V2L-Ladefähigkeit, beweisen, dass Hyundai genau weiß, wie man ein überzeugendes und äußerst beeindruckendes Elektroauto baut. Das Hyundai als erstes die 800-Volt-Technologie demokratisiert, dürfte den Wolfsburgern überhaupt nicht schmecken. Noch weniger, dass der Ioniq 5 einige Marktanteile dem Volkswagen ID.4 oder Skoda Enyaq iV wegschnappen wird. Den Kunden kann es gefallen. Denn Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft

Text: Marcus Zacher / Fotos: Hyundai

Technische Daten
Fahrzeugbezeichnung: Hyundai Ioniq 5 76,2 kWh AWD
Fahrzeugbeschreibung: fünftüriger, fünfsitziger Mittelklasse-Crossover
ANTRIEB
Bauart: je 1 E-Maschine an VA und HA, Allradantrieb
Leistung: 225 kW
max. Drehmoment: 605 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto): 72,6 kWh
Wärmemanagement: Flüssig-Thermalmanagement
Ladestandard AC: Typ 2
Ladestandard DC: CCS >170 kW
Ladezeit DC 350-kW-Ladestation 10-80 %: 18 min
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): 5,2 s
REICHWEITE & VERBRAUCH
NEFZ: N/A
EPA: N/A
WLTP: N/A
Verbrauch (WLTP): N/A
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (ohne Spiegel) x Höhe: 4,635 m x 1,890 m x 1,605 m
Radstand: 3,000 m
Gepäckraum: 531-1.591 l
Frunk: 24 l
Leergewicht: N/A
PREIS & VERFÜGBARKEIT
Verkaufsstart: reservierbar ab sofort, Markteinführung und Auslieferungen ab Sommer 2021
Deutschland: ab 59.550 € (Sondermodell Project 45)
Österreich: N/A
  1. Ju sagt:

    Sehr gelungene Marktanalyse und begeisternde Zusatzfunktionen, die zeitgemäß sind. Somit läuft das Modell nicht dem Kundenwunsch hinterher, wie die anderen E-Fahrzeugen, wie Reichweite, Ladeleistung und Nachhaltigkeit als Lifestyle-Produkt. Ich hoffe nur, dass all die versprochenen Features so umgesetzt werden, wie sie von Kunden auch erwartet werden.

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