Vorstellung: Cadillac Optiq

01.07.2024 von Vanessa Lisa Oelmann

Zweiter Anlauf in Europa

2017 zog sich General Motors infolge des Verkaufs der Marken Opel und Vauxhall aus dem europäischen Markt zurück. Goodbye for good? Hell no! Mit einem vollelektrischen Produktportfolio wagt sich der Automobilriese aus Detroit nun erneut in die alte Welt und positioniert den Cadillac Optiq als ernstzunehmenden Player im heiß umkämpften Markt der vollelektrischen Premium-SUV.

Wohl kaum eine Automarke schreit so sehr „USA!“ wie Cadillac und dementsprechend kommt der Optiq mit einem amerikanisch-eleganten Design um die Ecke. Mit seiner Länge von 4,82 Metern orientiert er sich an den Proportionen seines größeren Bruders, dem fünf Meter langen Lyriq. Die markante Frontpartie mitsamt beleuchtetem Cadillac-Emblem und schmalen LED-Scheinwerfern verleihen dem Optiq ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Aerodynamische Stilelemente und eine prägnante Heckpartie mit zweigeteilten Rückleuchten erinnern ein wenig an den Volvo EX90 und runden das Design ab. An den Türen sind bündig abschließende Türgriffe montiert, deren Öffnungsmechanismus identisch zu dem des Model Y erfolgt – mit dem Unterschied, dass die Griffe bei Berührung herausploppen und der Passagier nicht erst daran herumfuhrwerken muss.

And the award for the best interior goes to...

Der Innenraum des Optiq soll neue Maßstäbe in Sachen Luxus und Nachhaltigkeit setzen – und das ist den Interieurdesignern redlich gelungen. Weicher texturierter Stoff, der aus zu 100 Prozent recyceltem Garn gewoben wurde, schmiegt sich um die Türverkleidung und wird in der Mittelkonsole von einer Hochglanz-Plastikbeschichtung eingefasst. Alternativ ist eine „PaperWood“-Variante verfügbar, die aus Tulpenholz und recyceltem Zeitungspapier besteht. Beim genauen Hinsehen zeichnen sich unter der schwarz-weißen Holzmaserung tatsächlich Lettern ab, hier und da lässt sich eine Schlagzeile aus vergangenen Zeiten entziffern.

Für Farbfreunde lassen sich zudem blaue Plastikapplikationen im Armaturenbrett sowie gleichfarbige Filzverkleidungen in den Türtaschen konfigurieren – alles selbstverständlich recycelt. Der Mut, unorthodoxe Materialien in den Innenraum eines Luxus-SUVs einzuarbeiten und damit ein optisch ansprechendes sowie nachhaltiges Ergebnis zu erzielen, sei den Amerikanern an dieser Stelle hoch angerechnet. Die einzige Schwäche, die sich das Interieur leistet, ist das Hartplastik im unteren Teil der Türverkleidung – dafür hätten die Designer gerne auch noch eine innovative Lösung finden können.

Riesen-Display mit Google-System

Ein 33 Zoll großer 9K-Touchscreen erstreckt sich über das Armaturenbrett und bietet Zugang zu allen wichtigen Funktionen. Beim Infotainmentsystem handelt es sich um eine Kooperation mit Google Automotive, sprich, die Navigation erfolgt über Google Maps und der Google Assistant agiert auf Tastendruck hin als Sprachassistent. Apropos Tastendruck: Die schiere Menge an verbauten Tasten auf dem Multifunktionslenkrad wirkt auf uns – nun ja, der Amerikaner würde wohl sagen „overkill“. Etwas weniger Funktionalität am Lenkrad hätte es wohl auch getan.

Der Ansturm auf das ausgestellte Fahrzeug ist übrigens riesig, weshalb wir nicht allzu viel Zeitauf dem Fahrersitz verbringen können. Die Sitze fallen unserem ersten Eindruck nach sehr bequem aus und sind sowohl beheizbar als auch belüftet. Der Kofferraum bietet mit 744 Litern Volumen massig Stauraum und lässt sich durch umklappbare Rücksitze auf 1.603 Liter erweitern.

Schwächer motorisiert als erwartet

Der Optiq ist mit einem Allradantrieb ausgestattet, die Elektromotoren liefern aber lediglich eine Leistung von 224 kW sowie 480 Nm Drehmoment. Damit ist der Wagen freilich nicht untermotorisiert, doch in einem Markt voller Elektro-Boliden überrascht uns diese Entscheidung doch sehr. Beeindruckende Beschleunigungswerte sind damit wohl vom Tisch, Cadillac verspricht aber dennoch ein dynamisches Fahrerlebnis. Wer sich lieber autonom shuttlen lassen möchte, kann sich über zahlreiche Radar- und Ultraschallsensoren sowie Kameras freuen, welche Cadillacs „Super Cruise“ (durchläuft derzeit noch den europäischen Genehmigungsprozess) sowie eine Armada moderner Fahrassistenzsysteme ermöglichen.

Darüber hinaus verfügt der Optiq über eine 85-kWh-Batterie, die eine Reichweite von 300 Meilen bzw. etwa 480 Kilometern ermöglichen soll. Damit eignet sich der edle Ami sowohl für den täglichen Pendelverkehr als auch für längere Reisen. Die Spitzenladeleistung soll bei 150 kW liegen, doch einge genaue Ladezeit wurde nicht kommuniziert. Stattdessen gibt es eine erste Prognose: 79 Meilen (etwa 127 km) sollen in 10 Minuten nachgeladen werden können. Derzeit wurde der Optiq noch nicht homologisiert und die Produktion des Modells beginnt erst im Spätherbst, wodurch sich die technischen Daten bis zum Marktstart noch ändern können.

Vertriebsmodell bekannt, Preis noch nicht

Wenig überraschend möchte General Motors den Optiq sowie seinen großen Bruder Lyriq per Direktvertrieb an den Mann bringen. Dafür entstehen derzeit in diversen europäischen Metropolen Cadillac Test Drive Center, wo Kaufinteressenten die Fahrzeuge erleben und anschließend mithilfe der anwesenden Mitarbeiter oder zuhause online bestellen können. Zur europäischen Preisgestaltung äußert Cadillac sich derzeit noch nicht, doch der Einstiegspreis des Optiq liegt in den USA bei rund 54.000 Dollar. Damit positioniert sich das SUV zwar im gehobenen Preissegment, bietet jedoch durch seine umfangreiche Ausstattung und hohe Verarbeitungsqualität ein durchaus attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch wie heißt es hierzulande so schön: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ob der klassische deutsche Premiumkunde von Cadillacs vollelektrischem Produktportfolio überzeugt werden kann, bleibt daher abzuwarten.

Fotos: Cadillac, Simon Rainer

Cadillac Optiq
Fahrzeugklasse: Oberklasse-SUV
Sitze/Türen: 5/5
Antriebsart: Allradantrieb
Energieinhalt (brutto/netto): 85 kWh/—
Spannungsklasse: 400 V
Leistung: 224 kW
max. Drehmoment: 480 Nm
Beschleunigung (0–96 km/h): N/A
Ladestandard DC: CCS 150 kW
Ladezeit DC-Ladestation: 79 Meilen (etwa 127 km) nachgeladener Reichweite in 10 Minuten
Reichweite (EPA): ca. 480 km (300 Meilen)
Länge x Breite (exkl. Spiegel) x Höhe: 4,820 m x 1,910 m x 1,640 m
Breite (inkl. Spiegel): 2,130 m
Radstand: 2,910 m
Gepäckraum: 744–1.603 l
Frunk:
Anhängelast: ca. 680 kg
cW-Wert: N/A
Preis USA: ab 54.000 $
Preis DE: N/A
Preis AT: N/A

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