Schon gefahren: VW ID. Cross

20.03.2026 von Carl Undéhn

Wenn „genau richtig“ wirklich passt

Dass etwas „Mittelmaß“ ist, klingt selten wie ein Kompliment. Doch genau dieses Wort drängt sich während der ersten Fahrt mit dem Volkswagen ID. Cross auf. Und zwar im besten Sinne: ein gut gemachtes, ausgewogenes Gesamtpaket, dem es an erstaunlich wenig fehlt.

Electric Urban Car Family nennt der Konzern seine neue Generation kompakter Elektroautos von Cupra, Škoda und Volkswagen. Modelle, die eine Antwort auf die lange gestellte Frage liefern sollen: „Wo bleiben die kleineren und bezahlbaren Elektroautos?“ Volkswagen antwortet darauf gleich mit zwei Neuheiten, dem ID. Polo und dem ID. Cross, die – wie die Namen verraten – beide elektrische Ableger der Verbrennermodelle Polo und T-Cross sind.

Eine einfache Umrüstung ist es jedoch nicht. Stattdessen basieren sie, wie alle Modelle der Electric Urban Car Family, auf der weiterentwickelten Elektroplattform MEB+, was sowohl konstruktive Vorteile als auch neue Technik mit sich bringt.

Viel Platz für einen Kleinwagen

Mit 4,15 Metern Länge liegt der ID. Cross nahezu auf dem Niveau des T-Cross, bietet jedoch einen um vier Zentimeter längeren Radstand von 2,60 Metern sowie ein um 20 Liter größeres Kofferraumvolumen von 475 Litern. Hinzu kommen ein kleiner Frunk mit 22 Litern unter der Fronthaube, und die Anhängelast beträgt 1.200 Kilogramm.

Der Frontantrieb ermöglicht es VW, den Großteil der Technik vorne unterzubringen, was Platz auf der Rückbank und im Kofferraum schafft. Gleichzeitig soll die Konstruktion dazu beitragen, das Gewicht des Fahrzeugs zu senken, das etwas mehr als 1.500 Kilogramm wiegt.

Neuer, sparsamer E-Motor

Ziel war es, ein energieeffizientes Fahrzeug zu entwickeln. VW gibt einen Verbrauch von 12,5 kWh pro 100 Kilometer an. Neben dem geringeren Gewicht spielt auch der neue Antrieb APP290 eine wichtige Rolle. Er verwendet einen selbst entwickelten Wechselrichter mit Siliziumkarbid zur Reduzierung von Wärmeverlusten. Auch die Software des Antriebs stammt aus dem eigenen Unternehmen Cariad.

Variantenübersicht VW ID. Cross (ausführliche technische Daten weiter unten)
VW ID. Cross 85 kW VW ID. Cross 99 kW VW ID. Cross 155 kW
Batterie: 37 kWh 37 kWh 52 kWh
Reichweite: 310 km 310 km 436 km
Leistung: 85 kW 99 kW 155 kW
DC-Laden: 90 kW 90 kW 105 kW
Ladezeit DC (10–80 %): 27 min 27 min 24 min
Preis: ab ca. 28.000 € n. v. ab ca. 42.000 €

Der ID. Cross wird von Anfang an in den drei Ausstattungslinien Trend, Life und Style angeboten, mit drei Motorvarianten und zwei Batterieoptionen. Die Batterien verwenden die hauseigene sogenannte Einheitszelle, die teilweise im konzerneigenen Werk in Salzgitter gefertigt wird.

Unspektakuläre Ladeleistung, dafür gute Ladekurve

Die 37-kWh-LFP-Batterie lädt mit 90 kW, die 52-kWh-NMC-Batterie mit bis zu 105 kW. Das sind keine besonders beeindruckenden Werte. Die Zeit für die Ladung von 10 auf 80 Prozent wird mit 27 bzw. 24 Minuten angegeben, was akzeptabel ist.

Beeindruckender ist die Ladekurve: eine lange, flache Linie, bei der die größere Batterie zwischen 40 und 75 Prozent Ladestand nahe der maximalen Ladeleistung von 105 kW bleibt. Batterievorkonditionierung ist serienmäßig. Der ID. Cross bietet außerdem Vehicle-to-Load (V2L), um Geräte über die Hochvoltbatterie zu laden oder zu betreiben.

So könnte das Serienmodell aussehen: VW ID. Cross auf der IAA Mobility 2025

Gut abgestimmte Lenkung mit physischen Lenkradtasten

Wir fahren die Topversion mit dem großen Akku und dem stärksten Motor. Der Großteil des Innenraums ist noch abgedeckt, doch es ist deutlich erkennbar, dass das Interieur dem entspricht, das wir bereits vom ID. Polo kennen. Also ein gut ablesbares 10,25-Zoll-Display hinter dem neuen Lenkrad, kombiniert mit einer Vielzahl separater physischer Tasten. Sie fühlen sich gut an, aber es dauert eine Weile, sich im Tastendschungel zurechtzufinden.

Das Lenkrad selbst wirkt ebenfalls etwas zu groß für das Auto. Das Lenkgefühl hingegen ist erstklassig, mit einem gut kalibrierten Widerstand. Ein angenehmes Erlebnis in Zeiten, in denen gerade kleinere Elektroautos oft mit einem übermäßig künstlichen Lenkgefühl daherkommen.

Auf dem 12,9 Zoll großen Mitteldisplay läuft die neueste Version von VWs Infotainmentsystem mit klar strukturierten Menüs. Darunter befindet sich eine Reihe physischer Tasten für die Klimaanlage. Die berühre ich jedoch nie, denn die Temperatur ist durchgehend perfekt und selbst bei dauerhaftem Regen beschlägt keine Scheibe.

Preise zwischen 28.000 und 42.000 Euro

Die Topversion steht auf 19-Zoll-Felgen und rollt trotzdem angenehm leise über den nassen Asphalt. Von einem billig wirkenden Kleinwagen ist der ID. Cross also weit entfernt. Laut Volkswagen soll die von uns gefahrene Topversion bei rund 42.000 Euro liegen, die Einstiegsvariante hingegen ab etwa 28.000 Euro.

Der Preis wurde einerseits durch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Marken des Konzerns gedrückt, andererseits durch den Einsatz bewährter Technik bei Fahrwerk und Federung.

Ideal ausbalanciertes Fahrwerk

Keine Neuheiten also, aber gezielt abgestimmt auf eine ausgewogene Balance zwischen Komfort und Direktheit sowie mit optimierten Buchsen zur Reduzierung von Fahrgeräuschen. Mit gutem Ergebnis: Als wir von der Autobahn abfahren und Haarlem durchqueren, prägen Bodenschwellen das Straßenbild – die das Auto mit weichen, kontrollierten Bewegungen schluckt. Auf dem Kopfsteinpflaster bei Zandvoort muss das Fahrwerk härter arbeiten, meistert aber auch das souverän.

Die Bremsen nutzen ein neues sogenanntes „One-Box-System“ für ein besseres Pedalgefühl. Zusammen mit dem Fahrassistenten „Travel Assist“ hält das Auto auch selbstständig an Stoppschildern und roten Ampeln an. Bei Letzteren fährt der ID. Cross auch wieder an, wenn die Ampel auf Grün wechselt.

Auf Wunsch mit gehobener Ausstattung

Überhaupt wirkt der ID. Cross in vielen Bereichen wie ein größeres Auto: Matrix-LED-Scheinwerfer, automatisches Einparken mit Speicherfunktion und optionale Massagesitze sind Beispiele. Die Sitzposition vorn ist komfortabel und aufrecht, die Übersicht könnte jedoch besser sein. Optional hilft eine 360-Grad-Kamera.

Im Fond gibt es ordentlich Beinfreiheit, auch wenn die Sitzposition etwas weniger gelungen ist, als im ID. Polo.

Und der Verbrauch? Die versprochenen 12,5 kWh/100 km konnten wir nicht erreichen. Nach rund zwei Stunden gemischter Fahrt zeigt der Bordcomputer 15,4 kWh/100 km.

Fazit: Der wird den Geschmack vieler Kunden treffen

Ein abschließendes Urteil ist mit einem Vorserienfahrzeug schwierig. Der Eindruck bleibt dennoch: Volkswagen hat hier ein Auto entwickelt, das genau die Balance trifft, die viele suchen. Reichweite, Platz, Ladeleistung – alles auf einem soliden, alltagstauglichen Niveau. Dazu überraschend viel Technik.

Vielleicht also doch „Mittelmaß“. Aber im besten Sinne. Denn genau das dürfte für viele genau richtig sein.

Fotos: Volkswagen

Bildergalerie VW ID. Cross (Prototyp)

Technische Daten VW ID. Cross
Antriebsart: Vorderradantrieb
Leistung: 85–155 kW
Drehmoment: 290 Nm
0–100 km/h: n. v.
Höchstgeschw.: 160 km/h
Batterie (netto): 37,0–52,0 kWh
Reichweite (WLTP): 310–436 km
Verbrauch (WLTP): 12,5 kWh/100 km
Ladeleistung AC: 11 kW
Ladeleistung DC: 90–105 kW
L x B x H: 4,153 m x 1,794 m x 1,581 m
Radstand: 2,601 m
Kofferraum: 475–1.344 l
Frunk: 22 l
Leergewicht: 1.548 kg
Anhängelast: 1.200 kg
Stützlast: 75 kg
Verkaufsstart: Q4/2026
Preis: ab ca. 28.000 €

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