Jaguar und Land Rover werden elektrisch

Neue Unternehmensstrategie von JLR

Mit dem Strategieprogramm „Reimagine“ wandelt sich der britische, zur Tata-Gruppe gehörende Autobauer mit den beiden traditionsreichen Marken Land Rover und Jaguar zum Komplettanbieter vollelektrischer Mobilität. Die Führungsrolle bei der konsequenten Elektrifizierung übernimmt dabei die Marke mit der Raubkatze.

Als der Jaguar I-Pace 2018 präsentiert wurde (Test in Ausgabe 04/2020 der Elektroautomobil), war die deutsche Premium-Konkurrenz ziemlich überrascht. Dem Crossover mit 95-kWh-Batterie und fast 300 kW Leistung konnten die Wettbewerber zu dem Zeitpunkt nichts entgegenstellen, erst recht nicht auf einer rein-elektrischen Fahrzeugplattform. Doch seitdem ist einige Zeit verstrichen und die elektrische Raubkatze muss sich nun deutlich hinter Audi e-tron oder Mercedes EQC einreihen.

Dass Jaguar weitere, reinelektrischen Modelle folgen lassen wird, galt als ausgemachte Sache. Die Frage war nur, wann. In Ausgabe 06/2020 gingen wir anhand der vorhandenen Informationslage noch davon aus, dass der erste elektrische Land Rover (Projektname „Road Rover“) noch 2021 vorgestellt werden würde, gleiches galt für die nächste Generation der Oberklasse-Limousine Jaguar XJ. Doch daraus wird zunächst nichts. Die Pläne wurden offenbar deutlich überabeitet, dafür schwenkt der Autobauer nun umso konsequenter um.

Jaguar: ab 2025 vollelektrisch

Die Marke Jaguar wird bei JLR weiterhin die Führungsrolle bei der Elektrifizierung beibehalten und soll bereits ab 2025 für jede Modellreihe eine elektrische Variante im Portfolio vorweisen können. Jaguar soll dabei neu ausgerichtet werden, was durch eine neue Designsprache und modernen Technologien unterstrichen werden soll.

Wie JLR betont, wird die nächste Generation des Jaguar XJ definitiv nicht elektrisch vorfahren. Erst der Nachfolger dieses Modells könnte dann einen reinen Elektroantrieb erhalten. Wenn Jaguar allerdings bereits 2025 vollelektrisch sein möchte, müsste die nächste Generation zumindest auf den reinen Elektroantrieb vorbereitet sein, um diesen dann mit einer Modellpflege 2025 einführen zu können. Anderseits könnte die nächste Generation des XJ auch auf einer überarbeiteten Plattform des aktuellen Verbrennermodells basieren, die noch keinen Elektroantrieb zulässt. Bis 2025 könnte dann der Wechsel auf die neue, elektrische Plattform erfolgen.

Land Rover: sechs Elektroautos bis 2026

Bei Land Rover dauert die Elektrifizierung etwas länger. Das erste Elektromodell der Marke wird erst 2024 erscheinen. Land Rover konzentriert sich dabei auf die drei großen Modellreihen Range Rover, Discovery und Defender. Vom für Ende 2021 erwarteten „Road Rover“ ist also derzeit keine Rede mehr. Dafür geht es dann Schlag auf Schlag. Bereits 2026 sollen sechs E-Fahrzeuge angeboten werden.

Die Plattformen

Anders, als zunächst vermutet, werden Jaguar und Land Rover auf unterschiedliche Plattformen setzen. Zunächst wird man bei Jaguar die EMA-Plattform (Electric Modular Architecture) nutzen, die den Einsatz sowohl von Elektro- als auch von Verbrennungsmotoren gestattet. Erst die späteren, gegen Mitte des Jahrzehnts erwarteten E-Modelle werden von einer neuen, reinelektrischen Plattform profitieren.

Land Rover wird sich wiederum die MLA-Plattform zunutze machen (= Modular Longitudinal Architecture). Diese ermöglicht sowohl den Einsatz von Hybrid- als auch von reinelektrischen Antrieben.

Während Jaguar also sukzessive zum reinen E-Auto-Anbieter umgebaut wird, werden die Modelle von Land Rover noch länger auf einer Mischplattform basieren.

Auch die Brennstoffzelle ist dabei

Zwar konzentriert sich JLR auf die Entwicklung batterieelektrischer Fahrzeuge, doch ganz aus den Augen lassen will man die Brennstoffzellentechnologie dennoch nicht. Die Briten wollen diese Antriebsvariante zumindest als Vorhalt entwickeln, um bei entsprechender Nachfrage reagieren zu können. Erste Prototypen sollen bereits in den nächsten zwölf Monaten für die Straßenerprobung aufgebaut werden.

Einen wichtigen Meilenstein möchte JLR im Jahr 2030 erreichen. Dann soll jede Baureihe mit einem reinelektrischen Antrieb angeboten werden. Jaguar soll dann ausschließlich elektrische Fahrzeuge verkaufen, bei Land Rover soll der E-Anteil immerhin bereits 60 Prozent bei den Verkäufen ausmachen. Das nächste Ziel ist eine CO2-neutrale Produktion und Lieferkette bis 2039.

Fazit: Hoffentlich nicht zu spät

Der Jaguar I-Pace kam überraschend früh, doch ein durchschlagender Erfolg war der noble Brite dennoch nicht. Bei Ladeleistung, Praxisreichweite und mit dem hohen Preis konnte der I-Pace bislang nicht allzu viele Käufer überzeugen. Ähnlich wie bei BMW, die mit dem i3 ebenfalls früh starteten, passierte in den Folgejahren in Sachen Elektromobilität nicht mehr viel.

Nun scheint man endlich eine solide und zukunftsorientierte Strategie für die beiden Marken gefunden zu haben. Jaguar übernimmt hier den progressiven Teil und wird konsequent elektrisch. Hinsichtlich der starken Premiumkonkurrenz kommt dieser Wandel sicherlich nicht zu früh. Währenddessen vollzieht Land Rover den Wandel mit Rücksicht auf die traditioneller positionierten Modelle behutsamer, was auch auf die unterschiedlichen Markenansprüche zurückzuführen ist. Fest steht jedoch: Für beide Marken dürften die nächsten fünf bis zehn Jahre entscheidend sein.

Text: Marcus Zacher / Fotos: C. Laszlo, Hersteller

Modellportfolio Jaguar und Land Rover

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