Subaru Uncharted AWD (2026) im Fahrbericht: Endlich eine Alternative?

31.08.2026 von Marcus Zacher

Unterwegs im neuen SUV-Coupé mit Allradantrieb

Mit einer Elektro-Offensive will die japanische Allradmarke verlorenen Boden gutmachen. Einen wesentlichen Anteil an der Aufholjagd trägt ein neues SUV-Coupé bei. Hat der Subaru Uncharted das Zeug dazu?

Dass Subaru bei der Elektromobilität bislang eine untergeordnete Rolle spielte, ist keine gewagte Behauptung. Vom SUV Solterra der ersten Generation wurden in Deutschland laut Importeur lediglich 550 Exemplare zugelassen – mehr waren aber auch nicht eingeplant.

Dass sich damit auf Dauer kein Anteil am wachsenden europäischen Elektroautomarkt sichern lässt, war den Konzernstrategen bewusst. Also erhielt nicht nur der Solterra ein Facelift, ihm wurde auch ein zweites BEV zur Seite gestellt: der Uncharted.

Technisch ein Toyota C-HR+, optisch ein Subaru

So wie sich der Solterra Plattform und Fabrik mit dem Toyota bZ4X teilt, ist der Uncharted nahezu baugleich mit dem C-HR+. Dennoch hat man es geschafft, dem Uncharted ein eigenständiges Gesicht zu verpassen. Mit einer Länge von 4,54 Metern sortiert er sich irgendwo zwischen Kompakt- und Mittelklasse ein – und entspricht damit ziemlich genau der Außenlänge des VW ID.5.

Mit einer Höhe von 1,63 Metern ist der Uncharted etwas höher, als es das flach auslaufende Dach vermuten lässt. Das Heck mündet in einen steilen Abschluss mit kleiner Spoilerlippe und einem großen Markenschriftzug. Gerade im Orange des Testwagens sticht der Subaru damit ein wenig aus der Masse heraus. Wer es dezenter bevorzugt, findet im Konfigurator aber auch noch Schwarz, Weiß und zwei Grautöne vor.

Abmessungen und Gewichte Subaru Uncharted AWD (77 kWh)
Länge: 4,535 m
Breite (ohne Spiegel): 1,870 m
Breite (mit Spiegel): n. v.
Höhe: 1,625 m
Radstand: 2,750 m
Wendekreis: 11,8 m
Kofferraum: 403–1.323 l
Frunk:
Leergewicht: 2.025 kg (AWD)
Anhängelast: 1.500 kg (nur AWD, sonst 750 kg)
Stützlast: 150 kg (nur AWD, sonst 75 kg)
Dachlast: 80 kg

Cockpit: gute Ergonomie, veraltete Infotainment-Software

Wir nehmen auf dem Fahrersitz Platz und blicken auf ein mit vielen Tasten übersätes Lenkrad und ein darüber, weit in Richtung Windschutzscheibe positioniertes Fahrerdisplay. Durch diese Anordnung bleibt der Tacho auch ohne Head-up-Display stets im Blick. In der Mitte befindet sich der horizontal orientierte 14-Zoll-Touchscreen mit zwei geschickt darauf platzierten Drehreglern für die Klimaanlage.

Dazu kommen zwei induktive (und etwas rutschige) Ladeschalen für das Smartphone sowie eine kleine Auswahl an physischen Tasten nebst dem Gangwahlschalter. Bis man jede Funktion und Position der Schalter verinnerlicht hat, braucht es etwas Eingewöhnung. Auch das angestaubt wirkende, verschachtelte Infotainment entspricht nicht unbedingt dem Stand, den man anno 2026 erwarten darf. Viele Kunden werden daher ihr Smartphone mit CarPlay oder Android Auto nutzen, das man kabellos auf den Bildschirm übertragen kann.

Innenraum und Kofferraum: praktisch orientiert

Der Innenraum zeigt sich darüber hinaus solide verarbeitet, die Sitze sind ungemein bequem und das Platzangebot sowohl vorne als auch hinten zufriedenstellend. Allerdings verbauen die Japaner auch viel harten Kunststoff – dadurch wirkt der Innenraum eher robust als wohnlich, was zu einer Outdoor-orientierten Marke ja auch passen mag.

Der Kofferraum schluckt wiederum nur durchschnittliche 400 Liter; klappt man die Sitze um, können etwas über 1.300 Liter eingeladen werden. Immerhin darf die von uns gefahrene Allradvariante bis zu 1,5 Tonnen an den Haken nehmen und die Stützlast ist mit 150 Kilogramm ebenfalls üppig ausgelegt.

Fahrverhalten: komfortabler Sprintkönig

Los geht’s über Autobahn und Landstraße zu einem Offroad-Park. Das kleine, ovale Lenkrad liegt überraschend gut in der Hand, kombiniert mit der präzisen Lenkungsabstimmung kommt schnell Fahrfreude auf. Obwohl Subaru auf adaptive Dämpfer und andere Fahrwerksfinessen verzichtet, hat das Entwicklungsteam einen guten Kompromiss gefunden, der zum Charakter des Autos passt: Grundsätzlich äußerst komfortabel abgestimmt, macht der Uncharted auch in der Kurve Spaß.

Ähnlich fühlt sich auch die Systemleistung mit ihren 252 kW an: Ein Sportwagen wird das SUV-Coupé dadurch nicht, doch Leistung ist stets genug vorhanden. Tatsächlich ist der Allrad-Uncharted mit einer Sprintzeit von glatten fünf Sekunden der bislang schnellste Subaru und steckt sogar den Impreza WRX STI in die Tasche. Wer auf der Autobahn Vollstrom fährt, wird jedoch schon bei 160 km/h eingebremst, obwohl Fahrwerk und Lenkung hier noch lange nicht an ihre Grenzen stoßen.

Geländetauglichkeit: Kann weit mehr, als man erwartet

Ein Abstecher ins Gelände ist mit einem Subaru obligatorisch, schließlich steht die Marke seit Jahrzehnten für Allradantrieb und Geländetauglichkeit. So wird auch der Uncharted nicht verschont und muss sich einmal durch Stock und Stein arbeiten.

Seinem technischen Bruder, dem C-HR+, hat er die „X-Mode“ genannte Allradsteuerung voraus, mit der die zwei Antriebe respektive vier Räder zielgenau geregelt werden. Das Ganze funktioniert überraschend gut, trotz der montierten Straßenreifen. Im steilen Gefälle bremst die Bergabfahrhilfe das Tempo rigoros ein. Steigungen meistert der Japaner dank der 268 Newtonmeter an der Vorder- und 169 Newtonmeter an der Hinterachse ebenso spielerisch – selbst wenn mal ein „Beinchen“ in der Luft hängt. Kurzum: Der Uncharted kann (zumindest mit Allradantrieb) weit mehr, als man einem Fahrzeug in diesem Segment jemals zutrauen würde.

Verbrauch, Reichweite und Ladeleistung: endlich State of the Art

Doch im Alltag sind in einem E-Auto andere Eigenschaften entscheidender – zum Beispiel die Reichweite. Trotz teils sportlicher Fahrweise stehen am Ende solide 18 kWh/100 km im Display, der Prospekt nennt hier 15,7 kWh/100 km. Der Akku speichert 77 kWh (brutto). Den Netto-Wert kommuniziert Subaru nicht, doch beim Toyota-Schwestermodell werden 72 kWh genannt, die wir für den Uncharted ebenfalls annehmen dürfen. Damit wären rechnerisch um die 400 Kilometer möglich – gar nicht so weit von der Datenblatt-Angabe entfernt, die für das Topmodell „Platinum plus“ bei 490 Kilometern liegt.

Beim Laden lieferte der Vorfacelift-Solterra im EAM-Test (in Ausgabe 02/2023) eine äußerst durchwachsene Vorstellung ab. Daraus haben die Entwickler gelernt und im Uncharted ein zeitgemäßes Thermomanagement inklusive serienmäßiger Wärmepumpe verbaut. So wird die Batterie automatisch vorkonditioniert, wenn eine entsprechende Ladestation im Navi als (Zwischen-)Ziel eingeplant wurde. Auch eine manuelle Aktivierung ist jederzeit möglich. Bei tiefen Temperaturen sorgt ein zusätzlicher Elektroheizer für eine schnellere Erwärmung des Kühlmittels, das nun durch vergrößerte Kühlleitungen zum Akku strömt.

In der Folge soll der Prospektwert von 30 Minuten für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent auch bei niedrigeren Temperaturen deutlich häufiger erreicht werden können. Damit sind sowohl Ladezeit als auch Spitzenladeleistung (maximal 150 kW) zwar heute nur noch solides Mittelfeld, aber eben auch nicht weniger als das. Vorbildlich ist hingegen die Ladeleistung des On-Board-Laders: In allen Varianten des Uncharted leistet dieser stets 22 kW.

Preise: Uncharted in Deutschland ab 36.990 Euro zu haben

Positiv sticht der Einstiegspreis des Uncharted hervor: In Kombination mit dem 123 kW starken Vorderradantrieb und dem 58-kWh-Akku für immerhin 450 Kilometer Reichweite ruft Subaru in Deutschland rund 37.000 Euro auf. Den großen Akku mit 77 kWh und einem Frontmotor mit 165 kW gibt es ab 43.490 Euro. Diese reichweitenstärkste Ausführung bringt es immerhin auf über 590 Kilometer.

Subaru Uncharted: Batterie- und Antriebsübersicht
FWD (58 kWh) FWD (77 kWh) AWD (77 kWh)
Leistung: 123 kW 165 kW 252 kW
Drehmoment: 268 Nm 268 Nm 338 Nm
0–100 km/h: 8,4 s 7,3 s 5,0 s
Höchstgeschw.: 140 km/h 160 km/h 160 km/h
Batterie (brutto/netto): 57,7 kWh/54 kWh 77 kWh/72 kWh 77 kWh/72 kWh
Zellchemie: NMC NMC NMC
Reichweite (WLTP): 451 km 592 km 490–495 km
Verbrauch/100 km (WLTP): 13,7–13,4 kWh 13,8–13,4 kWh 15,7–15,6 kWh
Ladeleistung AC: 22 kW 22 kW 22 kW
Ladeleistung DC: 150 kW 150 kW 150 kW
Ladezeit DC (10–80 %): 28 min 30 min 30 min
Preis DE: ab 36.990 € ab 43.490 € ab 47.990 €
Preis AT: ab 38.400 € ab 44.400 € ab 49.400 €

Der von uns gefahrene Allradler ist ab etwa 48.000 Euro erhältlich. In Österreich liegen die Preise gut 1.000 bis 1.400 Euro höher.

Wer seinen Subaru außerdem regelmäßig zur Wartung bei der Vertragswerkstatt bringt, profitiert zusätzlich von bis zu zehn Jahren bzw. 200.000 Kilometern Garantie auf das gesamte Fahrzeug. Der Uncharted soll offenkundig nicht nur ein Begleiter für eine kurze Affäre, sondern für ein langes Autoleben sein. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Kundschaft das zu honorieren weiß.

Fazit: Subaru ist bei der Elektromobilität angekommen

Mit dem Uncharted schließt Subaru bei den Elektroautos auf und schnürt ein Paket, das es mit dem Wettbewerb aufnehmen kann. Für den Japaner sprechen der gediegene Fahrkomfort, die umfangreiche Ausstattung (inkl. serienmäßigem 22-kW-Bordlader) sowie die überraschend hohe Geländetauglichkeit.

Größtes Manko ist die betagte Infotainmentsoftware, die den modernen Systemen der Konkurrenz hinterherhinkt – hier wird man wohl häufiger auf eine Smartphone-Lösung zurückgreifen. Nichtsdestotrotz können Freunde der Marke (und nicht nur die) bedenkenlos zum Uncharted greifen.

Fotos: André Tillmann, Subaru, Marcus Zacher

Lesetipp: Wie schlägt sich der Subaru Uncharted im ausführlichen EAM-Test?

Wir haben den Subaru Uncharted in der reichweitenstärksten Ausführung mit großem Akku und Vorderradantrieb getestet. Wie er sich in puncto Verbrauch, Alltagsnutzen, Reichweite und Ladeleistung in der Praxis schlägt, lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Elektroautomobil – erhältlich ab 8. Oktober 2026!

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