Smart bringt den fortwo als #2 zurück

02.09.2025 von Thomas Geiger

Ultrakurzes Stadtauto wird Ende 2026 vorgestellt

Er war das kleinste Auto im Land und zugleich das größte Sorgenkind von Mercedes. Deshalb haben die Schwaben 2019 die Hälfte von Smart an Geely verkauft und den cleveren fortwo eingestellt. Doch jetzt kommt der Bonsai-Benz zurück.

Smart-Fans der ersten Stunde waren in den letzten Jahren arg gebeutelt. Denn erst hat Mercedes die Hälfte der Marke an die Chinesen verschachert, dann haben sie den früher mal 2,50 Meter kurzen Bonsai-Benz mit dem #5 auf bis dato unvorstellbare 4,70 Meter aufgeblasen und zu guter Letzt auch noch das Original eingestellt. Im März 2024 war Schluss und die Idee von minimalen Abmessungen für maximale Mobilität im urbanen Raum war Geschichte. Dachte zumindest jeder.

Aus fortwo wird #2

Doch jetzt belehrt uns Dirk Adelmann eines Besseren. Er ist Europachef des Joint Ventures und verspricht uns fürs neue Jahr einen neuen fortwo. Der folgt zwar der aktuellen Nomenklatur und wird deshalb #2 heißen, soll sich aber sonst soweit wie möglich am Original orientieren. „Zwei Sitze, minimale Abmessungen, erschwingliche Preise“, fasst er die Eckpunkte zusammen.

Die kennt er gut. „Denn wir haben den fortwo nie vergessen, sondern vom Beginn des Joint Ventures an auf dem Zettel gehabt.“ Nur hätten sie sich in der neuen Konstellation erst einmal neu aufstellen und das nötige Geld für so ein Projekt verdienen müssen.

Und vor allem mussten sie lange rechnen und entwickeln, um die Idee zum Fliegen zu bringen. Schließlich mag der Vorgänger zwar viele Liebhaber gehabt haben, doch Gewinne eingefahren hat er nie. Stattdessen gilt er als eines der ganz großen Millionengräber in der Mercedes-Geschichte. „Wir haben in der Vergangenheit gelernt, wie klein und spitz das Segment ist“, sagt Adelmann diplomatisch. „Und vor allem haben wir hier in Europa nie aufgegeben. Schließlich sind wir der mit Abstand größte Markt für so ein kleines Auto.“

Design aus Sindelfingen, Technik aus China

Dass es jetzt offenbar doch noch einmal klappt mit dem Mikro-Benz hat viele Gründe: Es gibt neue Geldgeber in China und neue Entscheidungsträger in Stuttgart, und obendrein ist offenbar auch die Entwicklungsmannschaft weitergekommen. Dabei lag die Last vor allem in China.

Denn ein Design dürften sie in Sindelfingen aus dem Ärmel geschüttelt haben, nachdem sie schon drei Generationen im Block hatten. Aber eine passende Plattform zu finden oder zu bauen und den richtigen Antrieb für so ein kleines Auto zu definieren, das dürfte eine große Aufgabe gewesen sein.

Wie sie die gelöst haben, will Adelmann noch nicht verraten. Doch mit dem Hinweis auf die eigene Architektur dürfte sich die 800-Volt-Technik des #5 erledigt haben und womöglich auch die Lithium-Ionen-Zellen, die sonst bei Smart zum Einsatz kommen. Werden daher vielleicht erstmalig kostengünstige Natrium-Ionen-Zellen verbaut? Das bleibt aktuell noch unklar.

Endlich mit zeitgemäßer Reichweite

Dennoch können sich die Freunde der elektrischen Minimalmobilität über großen Fortschritt freuen: „Die Reichweite wollen wir mindestens verdoppeln,“ verspricht Adelmann. Statt etwa 130 sind also mindestens 260 Kilometer drin und als #2 muss der fortwo endlich Autos wie einem Dacia Spring oder bald einem VW ID.1 nicht mehr neidisch hinterherschauen.

voraussichtliche Eckdaten Smart #2
Smart #2
Sitze: 2
Länge: < 3,0 m
Reichweite: > 260 km
Bordnetz: 400 V
Startpreis: > 20.000 und < 25.000 €
Weltpremiere: Ende 2026

Bleibt zum Schluss noch die große Frage nach der Größe: Selbst wenn der Schattenriss, den Smart zur Ankündigung veröffentlicht hat, eine vertraute Silhouette zeigt, sollte man nicht mehr auf die anfangs 2,50 und zuletzt 2,70 Meter hoffen, betreibt Adelmann Erwartungsmanagement. „Schließlich haben sich die gesetzlichen Vorgaben und die Crashnormen seitdem weiterentwickelt.“

Aber Smart will so nah wie möglich am Original bleiben und Adelmann verspricht zumindest „eine zwei an erster Stelle“, was den fortwo noch immer zum kürzesten Serienauto am Markt machen würde.

Startpreis in den „unteren 20.000ern“

Beim Preis, der für das E-Modell am Ende mit 21.940 Euro begonnen hat, wollen sie dagegen trotz der größeren Reichweite keinen so großen Sprung machen. Nicht umsonst wird der #2 genau wie seine großen Geschwister künftig in China gebaut.

Den genauen Preis will Adelmann natürlich noch nicht verraten. Aber er verspricht, dass der kleinste Smart auch der günstigste wird und plant mit einem Einstiegspreis in den „unteren 20.000ern“. Damit läge er zwar auf dem Niveau von Viersitzern wie dem Hyundai Inster und dann auch VW ID.1 und Renault Twingo.

Doch wären das immerhin 50 Prozent weniger als beim #1 und Grund genug für die Vermutung, dass der #2 als im Konzept weitgehend konkurrenzloses Auto und halbwegs bezahlbares Einstiegsmodell zumindest in Europa zum meistverkauften Auto in Portfolio aufsteigt und so am Ende doch wieder Größe beweist.

Fazit: Die Smart-Idee kehrt zurück – ein längst überfälliger Schritt

Viele europäische Smart-Fans haben sich mit der Neupositionierung der Marke bislang schwergetan und im SUV-Portfolio daher keine Alternative zu ihrem geliebten Kleinstwagen gefunden. Andersherum verbinden viele potentielle Kunden Smart nicht mit Kompakt- und Mittelklassefahrzeugen und haben die Marke daher womöglich nicht auf dem Zettel. Der #2 könnte daher genau das Bindeglied sein, das beide Gruppen zusammenführt und Smart somit zum (erneuten) Durchbruch verhilft.

Fotos: Smart

  1. Andreas sagt:

    Auch wenn Mercedes mit dem Smart Fortwo kein Geld verdient hat, war er notwendig, um die Strafzahlung an die EU aufgrund des hohen Flottenerbrauchs zu verhindern. Kaum hatte Mercedes größere Elektroautos, wurde die Marke verschachert.
    Seit gut fünf Jahren fahre ich ein EQ Cabrio und hoffe, dass in der Neuauflage diese Variante auch angeboten wird. Probleme hatte ich mit diesem Fahrzeug bisher nie. Wird aber auch nur als reines Stadtauto benutzt.
    Leider hat Mercedes die Remote-Funktionen ohne Angebot eines Ersatzes einfach abgeschaltet mit dem fadenscheinigen Argument, die verwendete Technik würde von den Mobilfunkanbietern nicht mehr unterstützt werden. Wertschätzung sieht anders aus.

  2. Gunter sagt:

    Faszinierend, dass man ein Auto einstellt, das so erfolgversprechend ist wie der Fortwo. Zu wenige haben sich bei Smart/Mercedes offensichtlich Gedanken gemacht, warum sich das Fahrzeug nicht so gut verkauft hat. Ein Gespräch mit Albrecht und Schwarz hätte Wunder bewirkt.

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