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EAM 01/2026 – Februar/März
Es ist mittlerweile fast schon Tradition: Ein sportliches GTS-Modell darf in keiner Porsche-Baureihe fehlen – so auch nicht beim Macan. Diese Lücke im Modellangebot haben die Stuttgarter nun geschlossen. Doch wie viel „Sport“ steckt wirklich im „Sport Utility Vehicle“?
Dass das Motorenprogramm des elektrischen Macan lückenhaft wäre, kann man nun wirklich nicht behaupten. Neben einer Variante mit Heckantrieb haben die Kunden bislang die Qual der Wahl zwischen drei Allradmodellen. Nun kommt mit dem GTS ein viertes hinzu.
Das Modell sortiert sich mit seinen 380 kW Spitzenleistung zwischen dem 4S und dem Turbo ein. Die beiden verbauten Permanentmagnet-Synchronmaschinen an Vorder- und Hinterachse sind mit denen des Turbo sogar baugleich.
Lässt man den Macan GTS per Launch Control auf 100 km/h schießen, stehen sogar 420 kW bereit und satte 955 Newtonmeter reißen an den vier Rädern, sodass die Übung nach weniger als vier Sekunden ad acta gelegt werden kann.
Auch darüber hinaus lässt der Vortrieb kaum nach: Die 200-km/h-Marke wird nach 13,3 Sekunden erreicht und Schluss ist erst bei 250 km/h. Das zumindest verspricht Porsche. Doch die kurvigen Bergstraßen der Côte d’Azur sind weniger für ausgiebige Längs- als für herausfordernde Querbeschleunigungsmanöver prädestiniert. Und hier soll der GTS ebenfalls eine Lücke füllen – sofern sie denn überhaupt existiert hat.
Dank des serienmäßig zehn Millimeter tiefergelegten Luftfahrwerks sowie neu abgestimmter Dämpfer und Stabilisatoren ist der GTS der begnadetste Querdynamiker unter den Macan-Modellen. Das ist nicht nur graue Theorie, sondern bereits auf den ersten Metern erfahrbar – und dazu muss man nicht einmal den Sport- oder gar Sport-Plus-Modus bemühen.
Grundsätzlich leicht hecklastig ausgelegt, erlaubt der Heckmotor – auch dank der aus dem Turbo-Modell übernommenen Torque-Vectoring-Funktion – präzise Heckschwenks und agiles Eindrehen in noch so enge Kehren, ohne dabei die Contenance zu verlieren.
Die optionale und im Testwagen verbaute Hinterachslenkung verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Keine Frage: Der Macan GTS geht wie die sprichwörtliche Sau ums Eck, und das Fahrwerks-Setup lässt die fast 2,5 Tonnen Leergewicht gefühlt um mindestens 700 Kilogramm zusammenschmelzen.
Doch die Diät ist eben nur eine subjektive. Die Bremsen verzögern glücklicherweise dennoch auf den Punkt und liefern stets hervorragendes Feedback. Akustische Rückmeldung bieten darüber hinaus zwei Versionen des (abschaltbaren) „Porsche Electric Sound“, eine davon speziell für den GTS abgestimmt.
Dass sich die Zuffenhausener auch bei der messerscharf arbeitenden Lenkung keine Blöße geben, braucht man da fast nicht mehr zu erwähnen.
Kraft ist nicht viel wert, wenn man sie nicht auf den Boden bekommt. Doch auch hier hat das Entwicklungsteam ganze Arbeit geleistet und den Allradantrieb gewissenhaft abgestimmt, wie wir beim Überwinden schneeglatter Serpentinen feststellen dürfen. Anfahren auf Schneematsch? Kein Problem: Die Traktionskontrolle regelt, und der Macan zieht schneller nach vorn, als es die Intuition gebietet.
Mit 95 Kilowattstunden ist der Akku im GTS genauso groß dimensioniert wie bei allen anderen Macan-Modellen. Damit sollen bestenfalls 580 Kilometer Reichweite möglich sein – Werte, die wir bei der sportlich gefahrenen Bergtour und nasskaltem Wetter nicht erwarten konnten.
Am Ende zeigt das Kombidisplay einen Verbrauch von 28,2 kWh/100 km an, womit rechnerisch rund 330 Kilometer möglich gewesen wären. Das geht in Ordnung, schließlich bedarf es nur wenig mehr Disziplin, um die Reichweite um einige Dutzend Kilometer zu steigern.
Geht der Ladestand doch einmal zur Neige, muss man dank des 800-Volt-Akkus am High Power Charger nur knapp über 20 Minuten für den 80-Prozent-Ladestopp einplanen. Etwas schneller erfolgt ab sofort auch das Laden mit Wechselstrom, denn auf Wunsch verbaut Porsche nun ein 22-kW-Bordladegerät in allen Macan-Modellen, womit die Vollladung in rund fünf Stunden erfolgt.
Weitere Verbesserungen, von denen die gesamte Baureihe profitiert, betreffen erweiterte Fahrassistenten, die nun auch den automatischen Spurwechsel beherrschen, neue Einparkfunktionen sowie eine auf 2,5 Tonnen erhöhte Anhängelast für die Allradmodelle. Diese gilt übrigens auch rückwirkend und kann bei Bestandsfahrzeugen nachgetragen werden.
Zur GTS-Tradition gehört leider auch, dass die drei Buchstaben nur zu einem gehobenen Tarif an einem Porsche prangen. Im Falle des Macan beträgt der Aufpreis gegenüber dem 4S satte 13.000 Euro. Sechsstellig ist die Ablöse in jedem Fall – mit reichlich Luft für allerlei Individualisierung. Unsere Testfahrzeuge stehen mit entsprechender Ausstattung für rund 140.000 Euro in der Liste.
Und Porsche wäre nicht Porsche, wenn es nicht für zahlreiche Ausstattungsfeatures die Hand aufhalten würde, die man in einem Fahrzeug dieses Preissegments eigentlich als selbstverständlich ansehen dürfte.
So ist denn auch der größte Kritikpunkt schnell ausgemacht: Der Macan GTS mag zwar ein begnadeter Dynamiker sein, reichlich Fahrspaß und Porsche-typisches Fahrverhalten liefern, doch muss man sich den exorbitanten Preis auch leisten wollen.
Denn die Konkurrenz sitzt in Form des Macan 4S nicht nur im eigenen Hause, sondern auch bei den Wettbewerbern aus München (BMW iX3), Göteborg (Volvo EX60) und Stuttgart-Untertürkheim (Mercedes GLC EQ). Sie alle haben interessante Allrad-Neuheiten vorzuweisen, die sich preislich eine ganze Ecke niedriger einsortieren.
Zwar mag der Macan GTS in seinem Segment der Konkurrenz auf kurvigen Landstraßen und deutschen Autobahnen stets eine Nasenlänge voraus sein, bei der Reichweite hat er dann aber doch das Nachsehen. Ob dieses Wissen der avisierten Kundschaft den selbstbewussten Porsche- respektive GTS-Aufschlag wert ist, wird sich zeigen. Traditionspflege kostet eben.
Fotos: Porsche, M. Hollenbach, M. Zacher
Pro:
Contra:
Ein sportlicher M-Ableger lässt noch auf sich warten, doch der bereits verfügbare xDrive50 ist mit seinem 345 kW starken Allradantrieb und einer Sprintzeit von unter fünf Sekunden auf 100 km/h ebenfalls kein Kind von Traurigkeit. Die Preisliste beginnt bei rund 70.000 Euro.
Für den Mercedes GLC erwarten wir ebenfalls noch eine von AMG nachgeschärfte Version. Bis dahin müssen sich Kunden mit nicht weniger beeindruckenden 360 kW und 800 Newtonmetern zufriedengeben. Damit sprintet der Allradler in 4,3 Sekunden auf 100 km/h. Die Preisliste beginnt knapp oberhalb von 70.000 Euro.
Er kürzlich vorgestellt trumpft das Topmodell des EX60 mit einem 500 kW starken Allradantrieb und 790 Newtonmeter Drehmoment auf. Die Reichweite liegt dank des 112 kWh großen Akkus bei bis zu 810 Kilometern nach WLTP. Die Preise beginnen bei rund 72.000 Euro.
| Technische Daten | Porsche Macan GTS |
|---|---|
| Antriebsart: | Allradantrieb |
| Leistung: | 380 kW (420 kW mit Launch Control) |
| Drehmoment: | 955 Nm |
| 0–100 km/h: | 3,8 s |
| Höchstgeschw.: | 250 km/h |
| Batterie (brutto/netto): | 100 kWh/95 kWh |
| Reichweite (WLTP): | 530–586 km |
| Verbrauch (WLTP): | 20,6–18,5 kWh/100 km |
| Ladeleistung AC: | 11 kW (22 kW optional) |
| Ladeleistung DC: | 270 kW |
| Ladezeit DC: | 21 min (10–80 %) |
| L x B x H: | 4,805 m x 1,952 m x 1,613 m |
| Kofferraum: | 476–1.348 l |
| Frunk: | 84 l |
| Leergewicht: | 2.470 kg |
| Anhängelast: | 2.500 kg |
| Preis DE: | ab 104.200 € |
| Preis AT: | ab 107.033 € |
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