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EAM 04/2026 – August/September
Lust und Leidenschaft sucht man im Opel-Programm derzeit mit der Lupe. Ausgerechnet der kleinste Rüsselsheimer bringt beides zurück: Mit dem Corsa GSE feiert die Idee vom Hot Hatch ihr Comeback – vollelektrisch und für einen Aufpreis, der wehtut.
Opel macht Ernst, zumindest ein bisschen. Ein Jahr nach der spektakulären Studie Corsa GSE Vision Gran Turismo auf der IAA in München holen die Hessen den Hot Hatch tatsächlich zurück. Natürlich längst nicht so wild wie das fast 600 kW starke Schaustück von der Messe. Doch das lässt sich nur auf der PlayStation bewegen. Den zivilen GSE gibt es dafür auf der Straße – und zwar rein elektrisch.
Billig ist der Spaß nicht. In Deutschland ruft Opel mindestens 39.900 Euro auf, in Österreich 41.490 Euro. Das ist gut ein Viertel mehr, als der bislang stärkste Corsa Electric mit 115 kW kostet, der bei 31.490 Euro (DE) bzw. 32.690 Euro (AT) beginnt. Dafür steht endlich wieder ein Auto in der Tradition von GSi und OPC beim Händler. Und es bringt ein wenig Lebenslust in ein sehr vernünftiges Portfolio.
Die Basis kennt man bereits vom Mokka GSE. Der Kleinwagen fährt rein elektrisch und schöpft aus seiner E-Maschine an der Vorderachse 207 kW und 345 Nm. So viel Leistung hatte noch kein Corsa. Im Zaum hält die Kräfte ein Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Für Fahrdynamik und Kraftschluss sorgen 18-Zoll-Räder mit Michelin Pilot Sport 4S, dazu eine neue Abstimmung von Fahrwerk, Bremsen und Lenkung. Das Sportfahrwerk liegt neun Millimeter tiefer, die Spur vorn wächst um knapp fünf Zentimeter, und an der Vorderachse packen gelb lackierte Vierkolben-Sättel von Alcon auf 355-Millimeter-Scheiben zu.
Im Corsa kickt das Paket noch mehr als im Mokka. Man sitzt tiefer, das Auto wiegt gut 40 Kilogramm weniger und fühlt sich handlicher an. Und ob albern oder nicht: Auch der künstliche Sport-Sound treibt den Puls. Genau wie der Sprint von null auf 100 km/h in 5,5 Sekunden – schneller beschleunigt derzeit kein Serien-Opel. Beim Spitzentempo muss sich der Corsa dem SUV allerdings geschlagen geben: 180 km/h stehen 200 km/h im Mokka GSE gegenüber. Immerhin, schließlich war beim Corsa Electric bisher schon bei 150 km/h Schluss.
| Antrieb, Batterie und Leistung | Opel Corsa GSE (2026) |
|---|---|
| Leistung: | 207 kW |
| Drehmoment: | 345 Nm |
| 0–100 km/h: | 5,5 s |
| Höchstgeschw.: | 180 km/h |
| Batterie (brutto/netto): | 54 kWh/51 kWh |
| Zellchemie: | NMC |
| Reichweite (WLTP): | max. 374 km |
| Verbrauch/100 km (WLTP): | 17,0–16,0 kWh |
| Ladeleistung AC: | 11 kW |
| Ladeleistung DC: | 100 kW |
| Ladezeit DC (20–80 %): | 27 min |
| Preis DE: | ab 39.900 € |
| Preis AT: | ab 41.490 € |
Außerdem haben die Hessen das Design ein wenig nachgeschärft. Eigene Stoßfänger vorn und hinten, schwarz lackierte Radläufe, ein karbonschwarzes Dach, schwarze Spiegelkappen und ein schwarzer Heckspoiler zieren den GSE. Innen sorgen Alcantara-Sportsitze im schwarz-grau-gelben Karo-Muster, gelbe Gurte und gelbe Ziernähte für ein sportliches Ambiente. Wer mit der Play Station sozialisiert wurde, freut sich über das GSE-Menü auf dem 10-Zoll-Touchscreen: Es blendet G-Kräfte, Beschleunigungswerte und Batteriemanagement-Daten ein.
Praktisch bleibt der Corsa trotzdem. Das Ladevolumen liegt wie bei jedem Corsa Electric zwischen 267 und 1.042 Litern. Serienmäßig an Bord sind unter anderem Sitz- und Lenkradheizung, eine 180-Grad-Rückfahrkamera, Navigationssystem, ein adaptiver Geschwindigkeitsregler und Keyless Entry. Über den bidirektionalen Onboard-Charger (V2L) lassen sich außerdem externe Geräte mit Strom versorgen – dafür braucht es allerdings einen Adapter aus dem Zubehör.
| Abmessungen und Gewichte | Opel Corsa GSE (2026) |
|---|---|
| Länge: | 4,082 m |
| Breite (ohne Spiegel): | 1,765 m |
| Breite (mit Spiegel): | 1,960 m |
| Höhe: | 1,426 m |
| Radstand: | 2,557 m |
| Wendekreis: | n. v. |
| Kofferraum: | 267–1.042 l |
| Frunk: | — |
| Leergewicht: | 1.629 kg |
| Anhängelast: | — |
| Stützlast: | — |
| Dachlast: | — |
Statt ums Ankommen geht es diesmal ums Unterwegssein. Und wenn er nur genügend Kurven und Kuppen hat, darf der Umweg gerne auch mal ein bisschen länger werden. Wobei, ganz so lang dann aber doch nicht: Die 54-kWh-Batterie (51 kWh netto) reicht im Normzyklus für 374 Kilometer. Wer den GSE artgerecht bewegt, sollte spätestens nach rund 250 Kilometern eine Ladesäule ansteuern. Den Normverbrauch gibt Opel mit 16,0 bis 17,0 kWh je 100 Kilometer an, in der Praxis wird man jedoch häufiger mit 20 kWh/100 km rechnen müssen.
Am Schnelllader zieht der Corsa GSE maximal rund 100 kW, von 20 auf 80 Prozent vergehen etwa 27 Minuten. An der dreiphasigen Wallbox mit 11 kW dauert der selbe Ladehub gut drei Stunden. Der mäßigen Ladeleistung lässt sich bei diesem Auto sogar etwas abgewinnen: So bleibt genügend Zeit, den Puls wieder herunterzufahren, bevor die Hatz von vorn beginnt.
Mit der Idee vom emotionalen Elektro-Kleinwagen ist Opel freilich nicht allein. Das gleiche Technikpaket verkauft Schwestermarke Peugeot bereits seit Juni als E-208 GTi – allerdings für 44.900 Euro und damit 5.000 Euro teurer. In Österreich fällt der Unterschied nicht ganz so groß aus, denn hier ist der Peugeot bereits ab 42.990 Euro zu haben. Unterm Strich liegt der Corsa dennoch klar vorn, auch wenn er den Franzosen zeitlich den Vortritt lassen musste.
Und der Rivale aus Wolfsburg? Auch VW hat einen kleinen GTI versprochen. Der ID. Polo GTI leistet mit 166 kW jedoch deutlich weniger und braucht 6,8 Sekunden auf Tempo 100. Dafür kommt er mit 52 kWh auf bis zu 424 Kilometer und soll knapp unter 39.000 Euro kosten. Bestellbar ist er allerdings erst ab Herbst. Bis dahin hat der Corsa GSE das Feld weitgehend für sich – seine Messepremiere feiert er im Oktober auf dem Pariser Automobilsalon.
Opel krönt den Corsa zum Ende seiner Laufzeit – der Nachfolger wird für 2028 erwartet – mit der sportlichsten Version, die es je gab. Und das Ergebnis überrascht: Der GSE ist agil, handlich und macht deutlich mehr Fahrspaß, als man einem Kleinwagen mit Blitz zutrauen würde. Günstig ist das Vergnügen aber nicht. Fast 40.000 Euro sind für ein gut vier Meter langes Auto eine Ansage, auch wenn die Serienausstattung üppig ausfällt.
Vor allem aber bleibt der GSE ein Spezialist: 374 Kilometer WLTP-Reichweite und rund 100 kW Ladeleistung taugen nicht für die Langstrecke. Wer regelmäßig weite Wege fährt, ist mit dem 115-kW-Corsa und seinen rund 430 Kilometern besser bedient. Als Zweitwagen für kurvige Landstraßen dagegen ist der Corsa GSE genau das, was dem Opel-Programm zuletzt gefehlt hat.
Fotos: Opel
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