Neuvorstellung: Audi e-tron S

Das Elektro-SUV bekommt eine zusätzliche, dritte E-Maschine und das S-Label.

Audi krönt den e-tron mit einem leistungsgesteigerten S-Antrieb. Anstatt nur einer verbauen die Ingolstädter gleich zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Bis zu 370 Kilowatt und 973 Newtonmeter steigern so nicht nur die Längs-, sondern auch die Querdynamik.

Die Marke mit den vier Ringen hat sich für ihre S-Modelle etwas Besonderes einfallen lassen und möchte als erster Großserienhersteller ein Elektroauto mit drei Motoren auf die Straße bringen. Dazu dreht Audi den Elektroantrieb des e-tron 55 quattro einmal auf links. Der größere der beiden Motoren, der sonst an der Hinterachse montiert ist, wird für die S-Modelle an die Vorderachse verfrachtet und liefert weiterhin bis zu 150 kW im Boost-Modus und bis zu 124 kW Spitzenleistung ohne den Overboost. Der beim e-tron 55 an der Vorderachse platzierte, kleinere Elektromotor wird wiederum, entsprechend modifiziert, an die Hinterachse verfrachtet, wo sich ein Zwillingspartner hinzugesellt. Damit wird jedes Hinterrad zusätzlich von 98 kW und im Overboost sogar mit bis 132 kW angetrieben. Zusammen addiert sich die Antriebsleistung auf 320 kW in der Spitze und für bis zu acht Sekunden auf 370 kW im Boost-Modus, wobei die Leistungsabgabe auf diesen Wert gedeckelt wird. Rechnerisch würde die Boost-Leistung der drei Motoren sogar bei 414 kW liegen. Größer als der Leistungszuwachs fällt der Anstieg des maximalen Drehmoments im Vergleich zum e-tron 55 aus. Von bereits nicht gerade wenigen 664 Nm steigt dieses auf satte 973 Nm im Boost.

Jeder der drei flüssigkeitsgekühlten Elektromotoren verfügt über eine separate Leistungselektronik (=Inverter) und eine feste Übersetzung mittels eines Planetengetriebes. Die Asynchronmaschine an der Vorderachse ist parallel zu den Antriebsachsen platziert, während die beiden Hinterachs-E-Maschinen koaxial montiert werden. Da kein mechanisches Differential benötigt wird, kann an der Hinterachse ein elektrisches Torque Vectoring umgesetzt werden. Anders als bei den meisten Torque-Vectoring-Systemen kann das kurvenäußere Rad gezielt beschleunigt werden, ohne das kurveninnere Rad aktiv abremsen zu müssen. Damit lässt sich die Kurvendynamik deutlich steigern.

Die S-Modelle sollen darüber hinaus eine deutlich heckbetontere und sportlichere Abstimmung erhalten, die sogar kontrollierte Drifts zulassen soll. Zumindest, wenn vorher das ESP in den Sportmodus und das Fahrdynamiksystem auf “dynamic” eingestellt wurde. Dennoch legt Audi wert darauf, dass der e-tron jederzeit beherrschbar und sicher bleibt. Im Alltag fährt der Audi allerdings nur kraft seiner beiden Hinterachsmotoren. Der Motor an der Vorderachse schaltet sich nur beim Beschleunigen, bei zügiger Kurvenfahrt oder auf rutschigen Untergründen zu. Ein Vorteil der Asynchronmaschine ist die hohe Effizienz, wenn diese stromlos geschaltet wird und nur im Leerlauf mit dreht. Dabei treten nur geringe Verluste auf.

Wer die Leistung des e-tron S voll auskostet, beschleunigt das SUV in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und darf sich auf eine um 10 km/h auf 210 km/h gesteigerte Höchstgeschwindigkeit freuen. Der e-tron 55 quattro beschleunigt dagegen in 5,7 Sekunden auf 100 km/h und ist bei 200 Stundenkilometern abgeregelt. Jaguars I-Pace ist 0,3 Sekunden langsamer auf 100 km/h und das Tesla Model X mit maximaler Reichweite unterbietet der Audi damit ebenfalls um eine Zehntelsekunde.

Ansonsten bleiben die S-Modelle technisch nahe an den 55er-Modellen. Es findet die gleiche Batterie mit 95 kWh Energieinhalt Anwendung und geladen wird entweder am Drehstrom mit 11 kW oder an einer Gleichstrom-Schnellladesäule mit bis zu 150 kW. Optisch unterscheiden sich die Sport-Ableger durch stärker konturierte Front- und Heckstoßfänger, einen geänderten Heckdiffusor und um 23 Millimeter verbreiterte Radhäuser. Wer die Leistung noch stärker zur Schau stellen möchte, kann die Anbauteile auch in einer Kontrastfarbe lackieren lassen. In Summe fallen die optischen Änderungen jedoch dezent aus. So auffällig, wie die leicht folierten Prototypen, werden die Serienmodelle nicht daherkommen. Übrigens hat Tesla ebenfalls ein Antriebsystem mit drei Motoren angekündigt, das von den Kaliforniern als “Plaid”-Antrieb angekündigt wird. Damit soll das stärkste Model S ausgerüstet werden. Erste Protoypen wurden bereits auf der Nordschleife gesichtet.

Fazit

Mit den S-Modellen erweitert Audi die Modellpalette des e-trons geschickt nach oben. Die Leistungssteigerung fällt in Summe und verglichen mit den Topmodellen der Wettbewerber (Tesla, Porsche) eher moderat aus, deutlicher ist der Anstieg des Drehmoments. Dennoch könnte gerade die gesteigerte Kurvendynamik für mehr Fahrspaß sorgen und nicht zuletzt ist der Drei-Motoren-Antrieb ein echtes Technik-Schmankerl. Bestellbar werden die S-Modelle voraussichtlich ab Sommer 2020 zu Preisen knapp über 90.000 Euro sein – und sind damit rund 10.000 Euro teurer als ein e-tron 55 quattro.

Technische Daten

Audi e-tron S (Sportback) Audi e-tron (Sportback) 55 quattro
Antrieb: Allradantrieb; VA: 1x Asynchronmaschine mit 150 kW, HA: 2x Asynchronmaschine mit je 132 kW Allradantrieb; VA: 1x Asynchronmaschine mit 135 kW, HA: 1x Asynchronmaschine mit 165 kW
Leistung: 320 kW (370 kW im Boost) 265 kW (300 kW im Boost)
Drehmoment: 808 Nm (973 Nm im Boost) 561 Nm (664 Nm im Boost)
Batterie: Lithium-Ionen-Batterie mit 95 kWh Kapazität (nutzbar: 86,5 kWh) Lithium-Ionen-Batterie mit 95 kWh Kapazität (nutzbar: 86,5 kWh)
Ladestandard AC: Typ2 11 kW 3p Typ2 11 kW 3p
Ladestandard DC: CCS 150 kW CCS 150 kW
0 - 100 km/h: 4,5 s 5,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h 200 km/h
Preis: > 90.000 € (> 92.000 €) ab 80.900 € (ab 83.150 €)

Audi e-tron S Sportback

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