Feinschliff für den Bestseller: MG4 EV Facelift im Fahrbericht

26.03.2026 von Marcus Zacher

Facelift bringt mehr Qualität und neue Technik

Europaweit ist der MG4 das bislang erfolgreichste Elektroauto einer chinesischen Marke. Jetzt erhielt der Bestseller eine Überarbeitung. Wir sind den elektrischen Kompaktwagen schon gefahren.

MG gehört zu den wenigen chinesischen Marken, die es geschafft haben, europaweit Fuß zu fassen. Zwar lässt sich der Erfolg nicht ausschließlich auf die Elektrofahrzeuge zurückführen, doch hat der MG4 einen wesentlichen Anteil an der Etablierung der SAIC-Tochter.

Dezente Änderungen außen, umfangreiche Aufwertung innen

Der Kompaktwagen war der erste Stromer aus dem Reich der Mitte, der auf dem europäischen Kontinent in nennenswerter Stückzahl verkauft werden konnte. Um an diesen Erfolg anzuschließen, wurde das beliebte Modell nun nachgeschärft. Äußerlich lässt sich das Facelift nur an Details erkennen. Es gibt zwei neue Lackierungen, ab Werk etwas größere Räder mit nun 18 Zoll sowie einen neugestalteten Dachkantenspoiler.

Angesichts des immer noch modernen und eigenständigen Designs erscheint eine grundlegende Überarbeitung auch nicht nötig. Die größten Änderungen betreffen das Interieur, das mit hochwertigen Oberflächen und einem sinnvollen Tastenmix gefällt. Verarbeitung und Materialqualität versprühen Premiumcharakter.

Neu ist auch der größere, zentrale Bildschirm, der dem des neuen MGS6 EV sowohl hardware- als auch softwareseitig gleicht und mit seiner aufgeräumten und deutlich intuitiveren Struktur überzeugt. Leider spiegelt das Fahrerdisplay bei Sonneneinstrahlung stark, und im Gegensatz zum S6 lässt es sich auch nicht auf eine helle Darstellung umstellen. Hier könnte MG noch einmal nachbessern.

Eine Abstimmung, die für (fast) jeden passt

Das hat man wiederum beim Fahrverhalten getan: Der MG4 liegt spürbar erwachsener auf der Straße, nur kurze Stöße werden etwas zu ungefiltert an die Insassen weitergegeben. Dank Heckantrieb bleibt die Lenkung angenehm frei von Antriebseinflüssen. Überhaupt ist das gesamte Setting aus Fahrwerk, Lenkung und Federungskomfort so gewählt, dass man es im besten Sinne als „unauffällig“ bezeichnen kann. Das passt zum Charakter des Autos.

MG bietet verschiedene Rekuperationsmodi, von Segeln bis hin zu einem angenehm abgestimmten One-Pedal-Drive bis zum Stillstand reicht die Bandbreite. Zu schätzen gelernt haben wir auch die Individualkonfiguration für die Assistenzsysteme.

Hat man diese nach seinen Wünschen eingestellt, lässt sich das Setup mit einem langen Tipp auf die Individual-Schaltfläche speichern. Nach einem Neustart ist diese Konfiguration mit zwei Tipps über die Schnellzugriffsleiste geladen – das nervige Tempogebimmel und andere unliebsame Alarmgeber halten sich damit im Hintergrund.

Wobei die Fahrassistenten nicht übergriffig abgestimmt sind. Der aktive Spurhalteassistent und der Abstandsregeltempomat arbeiten auf gut ausgebauten Straßen zuverlässig. Hier und da mögen die Reaktionen etwas harsch sein, doch damit sortiert sich der MG in diesem Punkt im soliden Mittelfeld ein.

Gestrafftes Antriebsprogramm

Das bisherige Standardmodell mit 51 kWh entfällt; es macht Platz für den in den Startlöchern stehenden MG4 Urban. Stattdessen geht es nun mit einem neuen LFP-Akku mit 64 kWh los, der an eine E-Maschine im Heck mit 140 kW gekoppelt ist. Bei unserer Testfahrt präsentierte sich diese Version als gute Wahl mit ausreichend Leistung und einem Verbrauch von 16,5 kWh/100 km, womit rechnerisch über 370 Kilometer Reichweite möglich wären. Laut Norm sollen es rund 450 Kilometer sein.

Knapp 100 Kilometer weiter kommt die Variante mit 77-kWh-Batterie, die jedoch an der Ladesäule das Nachsehen hat. Sie benötigt für die Ladung auf 80 Prozent satte 40 Minuten, der kleinere Akku schafft dies etwa 15 Minuten schneller.

Mit 320 kW spürbar mehr Leistung und einer auf 200 km/h gesteigerten Höchstgeschwindigkeit hat das Topmodell, der allradgetriebene MG4 XPower, zu bieten, der durch das Facelift zusätzlich verbesserte Sitze erhält.

Umfangreiche Ausstattung, gehobene Preise

Allen drei Varianten ist die komplette Ausstattung gemein, Kunden müssen sich lediglich bei der Lackierung entscheiden. Mit knapp 43.000 Euro ist der MG4 in Deutschland allerdings auch nicht ganz günstig eingepreist. In Österreich startet die Basisversion hingegen bereits bei unter 39.000 Euro.

Die 77-kWh-Version kostet in Deutschland 2.000 und in Österreich 3.500 Euro mehr, der XPower ist ab rund 47.000 beziehungsweise 44.400 Euro bestellbar.

Fazit: Solider Kompaktwagen mit wichtigen Detailverbesserungen

Der MG4 behält seinen hohen Wiedererkennungswert bei und fährt dennoch spürbar aufgefrischt in die zweite Lebenshälfte. Die Innenraumqualität hat ein Niveau erreicht, von dem Fahrer eines VW ID.3 (bislang) nur träumen können. Auch Software und Fahrassistenz sind spürbar gereift. Gerade das neue Basismodell überzeugt zudem mit einer guten Mischung aus Leistung, Reichweite und Preis. Letzterer ist allerdings ebenfalls ziemlich selbstbewusst gewählt.

Fotos: Marcus Werner, Tibo Chevalier, MG Motors

Pro & Contra: MG4 EV

Pro:

  • hochwertiger Innenraum
  • komplette Ausstattung
  • ausgereiftes Fahrverhalten

Contra:

  • relativ hoher Basispreis
  • hölzerner Federungskomfort bei kurzen Stößen
  • 77-kWh-Version mit langer DC-Ladezeit

Lesetipp: MGS6 EV im Fahrbericht

Wir sind auch schon das neue Elektro-Flaggschiffmodell von MG gefahren, das 4,71 Meter lange SUV MGS6 EV. Der ausführliche Fahrbericht erscheint in der kommenden Ausgabe der Elektroautomobil, die ab 01.04.2026 erhältlich ist.

Drei Alternativen zum MG4 EV

Nissan Leaf

Die dritte Generation des Nissan Leaf rollt gerade erst frisch zu den Händlern. Der Leaf wird stets über die Vorderräder angetrieben und hat wahlweise 130 oder 160 kW. Der schwächere Motor ist an einen Akku mit 52 kWh gekoppelt, der bis zu 430 Kilometer Reichweite ermöglicht. Den stärkeren Motor gibt es in Verbindung mit einem 75-kWh-Speicher für 620 Kilometer Normreichweite. Die Preise beginnen bei rund 36.000 Euro.

Renault Megane E-Tech Electric

Schon vor über vier Jahren wurde der elektrische Renault Megane präsentiert. Der Franzose ist mit 4,20 Metern vergleichsweise kompakt und nur noch in einer Konfiguration mit 60-kWh-Akku und 160 kW starkem Frontantrieb erhältlich. Die Reichweite beträgt bis zu 460 Kilometer. Die Preisliste startet bei etwa 41.000 Euro.

VW ID.3

Der ID.3 ist ebenfalls schon eine ganze Weile auf dem Markt, hat zwischenzeitlich ein kleineres Facelift erhalten, und in Kürze steht eine umfangreichere Modellüberarbeitung bevor. Der Kompaktwagen ist in zahlreichen Varianten mit Akkus zwischen 55 und 84 kWh (brutto) erhältlich, womit die Reichweitenspanne bei 380 bis über 600 Kilometern liegt. Von 125 bis 240 kW reicht das Leistungsangebot. Im günstigsten Fall ist ein ID.3 ab circa 33.300 Euro zu haben.

Bildergalerie MG4 EV

Technische Daten MG4 EV (64 kWh) MG4 EV (77 kWh) MG4 EV XPower
Antriebsart: Hinterradantrieb Hinterradantrieb Allradantrieb
Leistung: 140 kW 180 kW 320 kW
Drehmoment: 350 Nm 350 Nm 600 Nm
0–100 km/h: 7,5 s 6,2 s 3,8 s
Höchstgeschw.: 180 km/h 180 km/h 200 km/h
Batterie (brutto/netto): 64 kWh/61,7 kWh 77 kWh/74,4 kWh 64 kWh/61,7 kWh
Reichweite (WLTP): 452 km 545 km 405 km
Verbrauch (WLTP): 17,6 kWh/100 km 16,1 kWh/100 km 19,0 kWh/100 km
Ladeleistung AC: 11 kW 11 kW 11 kW
Ladeleistung DC: 154 kW 144 kW 140 kW
Ladezeit DC: 25 min (10–80 %) 40 min (10–80 %) 30 min (10–80 %)
L x B x H: 4,29 m x 1,84 m x 1,52 m 4,29 m x 1,84 m x 1,52 m 4,29 m x 1,84 m x 1,52 m
Kofferraum: 388–1.165 l 388–1.165 l 388–1.165 l
Frunk:
Leergewicht: 1.840 kg 1.830 kg 1.885 kg
Anhängelast: 500 kg/500 kg 500 kg/500 kg 500 kg/500 kg
Preis DE: ab 42.990 € ab 44.990 € ab 46.990 €
Preis AT: ab 38.890 € ab 42.390 € ab 44.390 €

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