Mercedes-Benz EQC: Erste Eindrücke

Druckvoll beschleunigt der schwere SUV aus der Kurve heraus, die Vorderräder drehen durch, aus dem Antrieb ertönt ein hochfrequentes Singen: Es geht äußerst zügig voran im EQC, dem kommenden Hoffnungsträger der Elektromarke Mercedes-EQ. In der Nähe von Almeria, weit im Süden Spaniens, nimmt Projektleiter Martin Hermsen Abstimmungsfahrten vor. Darf man Motor und Leistungselektronik bei Vollast hören oder nicht? Wieviel Schlupf lassen wir an der Vorderachse zu? Um diese Themen geht es im aktuellen Stadium.

Und um die Hitzeerprobung. Denn die Temperaturen erreichen tagsüber nahezu tropische Bereiche. Und wenn Batterien etwas zusetzt, dann ist es große Hitze oder Kälte. Hermsen sieht es mittlerweile entspannt. Die Performance entspräche den Erwartungen, es gebe im Fahrbetrieb praktisch keine Einschränkungen. Langes Parken in der Sonne stelle ohnehin kein Problem dar – schließlich sind die Akkus an der Unterseite des Fahrzeugs montiert.

Noch zieren den Mercedes-Benz EQC nicht nur Tarnfolien, sondern auch dreidimensionale Verkleidungen. Sie können jedoch nicht verbergen, wie nahe sich das neue Modell am Mercedes-Benz GLC befindet. Tatsächlich teilen sich beide nicht nur die gleiche Plattform, sondern auch zahlreiche Komponenten. Doch der EQC verfügt über eine eigenständige Kühlermaske und spezifisch gestaltete Scheinwerfer, die Schulter ist im Gegensatz zum GLC sanft abgerundet, der hintere Überhang um zehn Zentimeter gewachsen. Das leicht coupéhaft abfallende Dach wird beim Prototypen durch ein Bullauge kaschiert, und am Heckabschluss setzt ein schlankes, horizontales Leuchtenband futuristische Akzente.

Durchaus vertraut wirkt das Interieur

Armaturenträger und Mittelkonsole kommen vom GLC, gleiches gilt für die Sitzmöbel. Doch die Instrumentierung ist viel moderner ausgeführt: Hier setzt Mercedes-EQ auf Elemente aus der neuen A-Klasse, und die „Kobra“ auf der Mittelkonsole weicht dem Touchpad neuester Generation.

Luftausströmer und Ziernähte sind in Roségold ausgeführt, und die Oberseite von Armaturentafel und Türverkleidungen schimmert metallisch. Der konventionelle Wählhebel für den Antrieb kommt wiederum aus dem Baukasten: Hermsen legt die Fahrstufe D ein und gibt Strom.

Leistung satt, tiefer Schwerpunkt aber hohes Eigengewicht

408 PS (300 kW) leistet der Antrieb, jeweils 204 PS (150 kW) erzeugen die Motoren an Vorder- und Hinterachse, es gibt nur eine Fahrstufe. Die reicht für den Spurt von null auf 100 km/h in hervorragenden fünf Sekunden – und eine Höchstgeschwindigkeit, die sich im Bereich von 180 bis 200 km/h bewegt. Das ist in Anbetracht der Motorleistung nicht viel, aber Daimler hat den Anspruch, dass die Spitze auch über einen längeren Zeitraum gehalten werden kann. Der Standard-Sprint auf 100 km/h soll zehnmal in Folge gelingen.

Mit seinem tiefen Schwerpunkt liegt der EQC gut auf der Straße, das Einlenkverhalten wird jedoch durch das hohe Fahrzeuggewicht etwas beeinträchtigt: Eher 2,5 als 2,0 Tonnen dürfte dieser SUV auf die Waage bringen. Dafür rollt er komfortabel ab, die Federung pariert auch schlechte Wegstrecken gekonnt. Weit ins Gelände sollte man sich trotzdem nicht vorwagen: Die Bodenfreiheit liegt wegen der voluminösen Akkus lediglich auf dem Niveau eines T-Modells der E-Klasse.

Im September wird der EQC enthüllt, nächstes Jahr rollt er zu den Händlern – zu Preisen, die sich um die 80.000 Euro bewegen dürften. Damit liegt er bei dem kommenden Audi e-Tron und dem Jaguar I-Pace – sowie mit der Einstiegsvariante der Großraumlimousine Tesla Model X und den Spitzenversionen des Tesla Model 3. Übrigens wird es dann auch möglich sein, die unterschiedlichen Antriebskonzepte perfekt zu vergleichen: Mercedes-Benz bringt nämlich auch einen GLC-Hybrid mit Wasserstoff-Brennstoffzelle auf den Markt. Kein Zweifel: Daimler ist für jedes Szenario gewappnet. (ampnet/jm)

  1. Manuela sagt:

    Artikel ist leider nicht lesbar ohne Absätze.

    1. Moderator sagt:

      Danke für den Hinweis!
      Jetzt ist es übersichtlicher gestaltet.

  2. Gerhard Gärtner sagt:

    Ich denke die Brennstoffzelle hat mehr Potenziall als die Akkutechnik.
    Es ist wie immer ein Umdenken der Menschen erforderlich.
    Das größte Problem ist der Preis.
    Diese Technik kann sich wieder nur eine kleinere Schicht zulegen.
    Alle anderen fahren weiter mit Ihren Dreckschleudern rum.
    Ich würde mir sofort einen Audi E-Tron Hyundai Ioniq kaufen..
    Aber als Familienvater wird es mir niemals möglich sein so ein Auto zu kaufen.
    Also fahr ich weiter meinen Accord 10 Jahre alt mit Autogas.
    So wird es in Deutschland nie etwas mit Umweltfreundlicher Technologie.
    Ich habe mir wieder einen Ofen gekauft weil wir die hohen Energiepreise nicht mehr zahlen wollen. Also verpeste ich weiterhin die Umwelt-nur mir bleibt keine andere Wahl. Deutschland verkommt immer mehr zum Armenhaus. Trotz Arbeit-

  3. Roger Jean Zamofing sagt:

    Eigentlich ist dieses Fahrzeug ein Armutszeugnis der Deutschen Ingenieurskunst. Dies angesichts der Tatsachen, dass JAGUAR den i-Pace bereits mit ähnlichen Leistungen und weitaus besserem Design am Start hat und selbst TESLA in dieser Disziplin vor den Sternen kommt. Wann wird dort wieder einmal ein wirklich schönes Auto auf die Räder gestellt und nicht nur etwas bei Porsche oder Audi kopiert? Da stimmt einfach das Gesamtbild nicht mehr und im Vergleich etwa zu HYUNDAI NEXO wirkt der Mercedes schon jetzt ziemlich verstaubt. Ich bin zwar in der „typischen“ Mercedes-Altersgruppe und hatte viele frühen A- und C-Klassen, doch bis auf wenige Ausnahmen stimmen die Produkte heute für mich nicht mehr. Insgesamt ist noch zu bemerken, dass der SUV-Trend mit 2,5-Tonnen-E-Mobilen für 80 kg-Gammelfleisch (im Schnitt mit einer Person an Bord) IDIOTISCH ist und kaum die Zukunft der E-Mobilität sein kann und wird. Auch die Brennstoffzellen sind eigentlich sinnloser Humbug, denn auch hierfür ist eine völlig neue Infrastruktur notwendig. Warum aber denn nicht Elektrolyt-Flüssigkeiten ohne Umweltbelastung und Schädigung an den bereits bestehenden Tankstellen tanken? Was, diese Lösung kennen Sie noch nicht? Schauen Sie sich einmal das Konzept der Liechtensteiner/Schweizer Firma NanoFlowcell AG an und checken Sie deren 48 V-Fahrzeug QUANT und staunen Sie. Zwar noch ein Prototyp für Superreiche, doch der Antrieb zeigt wirklich, was ZUKUNFT bedeutet. Zudem sind neben den irrwitzigen Leistungen immerhin (geprüfte) 1000 km auf ganz normalen Schweizer Autobahnen drin und nicht nur Laborwerte, die man in Deutschland bereits erneut fälscht, um politisch die kommenden Jahre zu überstehen. Bei aller Mercedes-Begeisterung sollten wir diese Scheinmanöver mit erneut eigentlich hässlichen EV’s endlich satt haben, denn E-Mobilität kann wirklich „geil“ sein, nur nicht wie sich das die Industrie heute noch vorstellt und auch nicht mit Batterien aus seltenen Erden oder anderen, auch umweltschädlichen Rohstoffen.

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