Ladetarife: Updates für April 2020

Neue Infos zu den besten Ladetarifen für Deutschland und Österreich.

In Ausgabe 01/2020 berichteten wir ausführlich über verschiedene Ladetarife für den DACH-Raum. Seitdem hat sich einiges geändert und die verschiedenen Tarife wurden zum Teil deutlich angepasst. Wir möchten hiermit über die aktuellen Änderungen berichten und einige Infos zum EAM-Ladetipp der Ausgabe 02/2020 ergänzen.

Viele Änderungen der verschiedenen Angebote der Ladetarif-Anbieter (sogenannte MSP = Mobility Service Provider) sind bedingt durch die Preisanpassung des Ladeinfrastruktur-Betreibers Ionity, das ein europaweites Schnellladenetzwerk aufbaut. Ionity, ein Konsortium, an dem unter anderem Daimler, BMW, VW, Ford oder Hyundai beteiligt sind, hatte zum Ende Januar ihr Preismodell aktualisiert und verlangt seitdem für das Ad-Hoc-Laden (also das Laden ohne einen separaten Ladetarif) 79 Cent je Kilowattstunde. Dieser Preis gehört zu den höchsten Kilowattstunden-Preisen am Markt. Offenbar wurden damit nicht nur die Endkundenpreise, sondern auch die B2B-Preise deutlich erhöht, sodass die verschiedenen MSP ihre Angebote anpassen mussten. Im Folgenden möchten wir die Änderungen der in Ausgabe 01/2020 vorgestellten Ladetarife im Einzelnen vorstellen.

EnBW ab sofort ohne Ionity

Da EnBW sein Preismodell aus einem im DACH-Raum einheitlichen AC- und DC-Ladepreis beibehalten möchte, hat der MSP in einer E-Mail vom 19.03.2020 bekannt gegeben, dass Ionity-Ladestationen ab dem 02.04.2020 nicht mehr im EnBW-Roamingverbund enthalten sein werden. Mit dem Ladetarif mobility+ können die Schnellladesäulen dann weder per Smartphone-App noch per Ladekarte freigeschaltet werden. Sollte Ionity sein Preismodell überdenken, könnte das Ionity-Netzwerk wieder in das EnBW-Ladenetz integriert werden, heißt es.

Beim Ladetarif mobility+ zahlt der Kunde beim Laden am Wechsel- oder Drehstrom (AC-Ladung) 39 ct/kWh und beim Gleichstrom-Laden (DC-Ladung) 49 ct/kWh. Beim Viellader-Tarif (4,99 Euro im Monat) reduzieren dich die Kilowattstundenpreise jeweils um 10 Cent. ADAC-Mitglieder und EnBW-Kunden mit einem Strom- oder Gastarif erhalten die Konditionen des Vielladertarifs ohne Grundgebühr.

eins E-Mobil mit deutlich erhöhtem Ionity-Preis

Der sächsische Anbieter eins belässt Ionity in seinem Roamingverbund des Ladetarifs E-Mobil, hat allerdings bereits zum 01.02.2020 die Preise für das Laden an den Ultraschnellladesäulen deutlich erhöht. Die Kilowattstunde schlägt nun mit 83 Cent zu Buche. Das Laden an allen anderen Ladesäulen kostet weiterhin sehr faire 32,25 Cent je Kilowattstunde. Da der Ladetarif noch vergleichsweise neu ist, muss mit weiteren Preisanpassungen – insbesondere für das Auslandsroaming – in den nächsten Monaten gerechnet werden.

Shell Recharge passt Preise für Ionity an

Shell Recharge hat ebenfalls auf die Preisanpassungen von Ionity reagiert und verlangt nun 78 Cent je Kilowattstunde, zzgl. der obligatorischen 35 Cent Startgebühr je Ladevorgang. Beim europaweit 125.000 Ladepunkte umfassende Ladenetzwerk fallen grundsätzlich unterschiedliche Ladepreise, abhängig vom gewählten Ladeinfrastrukturbetreiber (CPO = Charge Point Operator), an.

SWE mit komplett neuem Preismodell

In Ausgabe 01/2020 haben wir den regionalen Ladetarif-Anbieter SWE (Stadtwerke Erfurt) vorgestellt, der zu diesem Zeitpunkt noch Pauschaltarife zum Laden angeboten hat. Zum 01.04.2020 ändern sich die Preise und werden auf eine kilowattstundenbasierte Abrechnung umgestellt. Außerdem hat SWE noch einmal verdeutlicht, dass der Fokus für den Vertrieb des Ladetarifs auf Erfurt und Thüringen liegt und ein überregionaler Vertrieb nur eingeschränkt stattfinden soll.

Das neue Preismodell setzt sich aus einer monatlichen Grundgebühr für die Ladekarte in Höhe von 3,50 Euro, einer Startgebühr je Ladevorgang und einem Verbrauchspreis in Höhe von 33,90 Cent je Kilowattstunde zusammen. Die Grundgebühr entfällt, wenn man auf die Ladekarte verzichtet und stattdessen die Ladevorgänge ausschließlich per App startet. Die Startgebühren sind davon abhängig, ob man den Ladevorgang per App oder per Ladekarte startet und ob es sich um einen AC- oder einen DC-Ladevorgang handelt, wie die folgende Tabelle zeigt:

Laden per Ladekarte Laden per App
Verbrauchspreis 33,90 ct/kWh 33,90 ct/kWh
Grundgebühr 3,50 €/Monat -
Startgebühr AC-Ladevorgang 1,50 € 2,50 €
Startgebühr DC-Ladevorgang 3,00 € 4,00 €

Aufgrund des deutlich veränderten Preismodells mit den laufenden Kosten für die Ladekarte und die vergeichsweise hohen Startgebühren ist dieser Ladetarif nur noch bedingt empfehlenswert. Mit dem rein kilowattstundenbasierten Tarifen anderer Anbieter kann der SWE-Tarif damit nicht mehr mithalten.

Nachtrag zum EAM-Ladetipp 02/2020: ChargePoint

Im EAM-Ladetipp der Ausgabe 02/2020 haben wir das Roaming-Ladenetzwerk von ChargePoint vorgestellt. ChargePoint bietet ein ähnlich großes und europaweites Ladenetzwerk an wie Shell Recharge oder Plugsurfing. Wie bei den Wettbewerbern variieren die Ladetarife zwischen den einzelnen CPOs zum Teil stark, d.h. die genauen Ladekosten müssen über die App abgefragt werden. Im Falle von Ionity verlangt ChargePoint aktuell noch pauschal 7,67 Euro je Ladevorgang. Dieser Preis ist äußerst günstig und lohnt sich bereits ab unter 10 kWh gegenüber dem Ad-Hoc-Ladepreis und ab 22 kWh im Vergleich zum derzeit günstigsten Anbieter Maingau Energie (Tarif: EinfachStromLaden, siehe auch Ausgabe 01/2020). Mit einer Preisanpassung in den nächsten Wochen oder Monaten muss jedoch ebenfalls gerechnet werden.

Leider ist uns in der Printausgabe ein Fehler unterlaufen, sodass die Anzahl der Ladepunkte, die zum ChargePoint-Netzwerk gehören, nicht enthalten ist. Diese Zahl stand uns bis zum Redaktionsschluss nicht zur Verfügung. Diese Info möchten wir hiermit nachliefern:

Region Anzahl Ladepunkte
Deutschland ca. 18.300
Österreich ca. 3.400
Schweiz ca. 3.700
Europa 114.500
Ladetarife: Updates | Kia E-Soul an Inonity

Fazit

Auf die Preiserhöhung von Ionity haben inzwischen EnBW, eins und Shell Recharge reagiert. Die Nutzung der – zugegeben technisch hervorragenden – Ladeinfrastrutkur von Ionity wird damit immer teurer für E-Autofahrer, die nicht über einen Ladevertrag der an Ionity beteiligten Autohersteller verfügen. Eine der wenigen Ausnahmen sind noch Maingau Energie mit dem Stromvertrag EinfachStromLaden, mit dem weiterhin für 35 ct/kWh geladen werden kann, und ChargePoint mit dem Pauschaltarif.

Ionity wird damit immer mehr zu einem CPO für die beteiligten Autohersteller, die mit speziellen Tarifmodellen das Laden an den High-Power-Chargern für ihre Kunden bezahlbar machen.

  1. Florian Riedl sagt:

    Auch Maingau ist inzwischen „raus“…

    1. Marcus Zacher sagt:

      Maingau Energie hat dem Medienbericht widersprochen. Ionity bleibt im Ladenetzwerk: Twitter-Meldung von Maingau Energie vom 01.04.2020

  2. Rolf Reinhart sagt:

    Da hatte ich von Anfang an Vertrauen zu Maingau. Man schaut sich das erst mal an, und wenn man dann sieht, das der Ionity Anteil an Ladevorgängen bei der Kundschaft gar nicht so hoch ist, dass er wirklich ins Gewicht fällt, wirft man auch nicht sein Preismodell über Bord.

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