Der Porsche Taycan Cross Turismo im Fahrbericht

21.06.2021

Der bessere Taycan?

Der Porsche Taycan hat seinen Platz gefunden und gehört im Oberklasse-Segment zu den beliebtesten Fahrzeugen überhaupt. Im Kombi-Land Deutschland könnte der Cross Turismo für einen weiteren Zulassungsschub sorgen, denn ist er am Ende vielleicht sogar der bessere Taycan? Dieser Frage gingen wir bei einer ausgiebigen Testfahrt auf- und abseits befestigter Straßen auf den Grund.

21.06.2021 – Porsche hat mit dem Cross Turismo das Taycan-Modellportfolio um eine weitere Karosserievariante erweitert und nennt das ganze „CUV“, was für „Cross Utility Vehicle“ steht. Man könnte ihn auch einfach als Kombi mit ein paar optischen SUV-Anleihen bezeichnen, doch „CUV“ klingt besser und der Begriff „Kombi“ wird dem Taycan zugegebenermaßen nicht so richtig gerecht – vor allem, wenn man im 500 kW starken und über 150.000 Euro teuren Turbo-Modell unterwegs ist.

Mit diesem machen wir uns zunächst auf den Weg zu einem Steinbruch, wo der Taycan das „Cross“ in der Modellbezeichnung unter Beweis stellen darf. Doch zunächst stehen kurvenreiche Landstraßen aller Art auf dem Programm. Hier kann der Taycan zeigen, was ihn ihm steckt und fegt mit messerscharfer Präzision über die mal mehr, mal weniger glatt planierten Landstraßen. Leistung hat der Turbo noch und nöcher, denn das bringt der legendäre Schriftzug am Heck nun einmal mit sich. Und wenn man nicht in den Rückspiegel schaut und dort die weiter nach hinten versetzte Rückscheibe erblickt, könnte man beim besten Willen nicht sagen, ob man in der Limousine (Porsche Taycan 4S im Track-Check) oder im Cross Turismo sitzt. Die 31 Millimeter, die die Taycan-Turbo-Limousine flacher sein soll, findet man nur auf dem Papier wieder.

Der Gravel Mode nimmt Schotterwegen den Schrecken

Am Steinbruch angekommen steht ein Fahrzeugwechsel an. Ich setze mich ins 350 kW starke Basis-Modell des CUVs, den Taycan 4 Cross Turismo. Anders als etwa die Limousine ist der Cross Turismo immer mit der großen, 93,4 kWh speichernden „Performance Batterie Plus“ und dem elektrischen Allradantrieb ausgestattet. Die Luftfederung ist ebenso Serie und damit kann der Taycan über den neuen „Gravel Mode“ um 30 Millimeter hochgebockt werden. Das Auto merkt sich sogar, an welchen Stellen man die Lift-Funktion aktiviert hat und pumpt den Cross Turismo beim nächsten Mal automatisch nach oben. Garagenauffahrten, Schotterwege oder Fahrbahnschwellen verlieren damit ihren Schrecken und so können diese selbstbewusster überfahren werden, als man es mit der Limousine tun würde.

Genug der Theorie, jetzt geht es auf ins Gelände. Im Gravel Mode ändert sich nicht nur die Fahrwerkshöhe, sondern auch die Fahrpedalkennlinie, sodass sich die 500 Newtonmeter des Basismodells spielend leicht dosieren lassen. Anfahren am Berg auf steinigem Gelände? Ein Kinderspiel. Schlaglöcher, Steine, ausgewaschene Spurrillen auf der Fahrbahn? So what?!

Logischerweise kommt der Cross Turismo nicht an die Geländequalitäten eines Porsche Cayennes heran, doch kann der Kombi-Taycan deutlich mehr, als man ihm in der Praxis zumuten würde. Und das reicht auch völlig aus, denn viel mehr als eine nasse Wiese oder einen Schotterweg sehen die meisten „echten“ SUVs auch nicht in ihrem Fahrzeugleben.

Reicht der Einstiegs-Cross-Turismo aus?

Für die Rückfahrt wähle ich ebenfalls den Taycan 4 Cross Turismo, denn schließlich gibt es diese Antriebsvariante nicht in der Limousine und ich möchte herausfinden, wie gut der günstigste Cross Turismo auf festen Straßen performt. Wobei günstig natürlich relativ ist. Mindestens 93.635 Euro muss man für einen noch spärlich ausgestatteten Cross Turismo in jedem Fall auf den Tisch legen.

Im Vergleich zur gleichen starken, jedoch (aufgrund des Hinterradantriebs) mit weniger Drehmoment gesegneten Basis-Limousine (Fahrbericht in EAM03/2021) sind die Unterschiede mit Blick auf die nackten Zahlen marginal. Und das bleibt auch so, wenn man sich auf gewundene Landstraßen begibt. Das Fahrwerk lässt sich mit den entsprechenden Kreuzen in der Aufpreisliste auf Turbo-Niveau hochrüsten, sodass man keine querdynamischen Abstriche hinnehmen muss. Wie auch schon in der Basis-Limousine fühlen sich die maximal 350 Kilowatt nicht so stürmisch an, wie man es vielleicht von einem Porsche erwarten würde, doch kann der 4er trotzdem extrem zügig bewegt werden und die Grenzen setzt dabei nicht das Auto, sondern das Fahrkönnen des Piloten.

Taycan 4 Cross Turismo Taycan 4S Cross Turismo Taycan Turbo Cross Turismo Taycan Turbo S Cross Turismo
Leistung: 350 kW 420 kW 500 kW 560 kW
Drehmoment: 500 Nm 650 Nm 850 Nm 1.050 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,1 s 4,1 s 3,3 s 2,9 s
Beschleunigung 0-200 km/h: 15,6 s 13,0 s 10,7 s 9,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h 240 km/h 250 km/h 250 km/h
Reichweite (WLTP, max.): 456 km 452 km 452 km 419 km
Preis DE: ab 93.635 € ab 111.842 € ab 154.444 € ab 187.764 €
Preis AT: ab 96.990 € ab 115.481 € ab 158.393 € ab 192.063 €

Auf der Autobahn muss man sich dann doch etwas in Zurückhaltung üben. Die Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h übertrumpft heute jeder zweite, sportlich positionierte Kleinwagen und so muss man eben damit leben, dass man mit diesem Porsche zumindest hier nicht mehr zu den schnellsten gehört. Dem Verbrauch und damit der Reichweite ist eine entspanntere Gangart sowieso zuträglicher.

Etwas mehr Platz, aber kein Raumwunder

Bleibt am Ende noch das Karosseriekapitel: Während es auf den vorderen Sitzplätzen keine Unterschiede zur Limousine gibt, gewinnt man auf den Fondsitzen zwar keine zusätzliche Bein-, aber dafür Kopffreiheit. Die größeren Fenster ermöglichen einen besseren Ausblick, was nicht nur Kindern gefallen wird. Der hintere Kofferraum fasst mit 446 Litern (im 4 und 4S, Turbo und Turbo S: 405 Liter) einen Rucksack mehr, als die Limousine – zumindest bei Beladung bis zur Fensterunterkante. Doch an die muss man sich ja nicht halten und legt man die Sitze um, passen über 1.200 Liter in das Schrägheck.

Damit ist der Kofferraum des Cross Turismos deutlich praxistauglicher als der der Limousine, wenn auch immer noch vergleichsweise klein für ein Fünf-Meter-Auto. Ein bisschen Platz gibt es dafür noch im Frunk (84 Liter), auf dem optionalen Dachträger oder dem speziellen Fahrradträger fürs Heck, auf dem auch zwei E-Bikes Platz finden. So ausgerüstet ist der Taycan Cross Turismo nicht nur Sport-, sondern auch Familienwagen – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Fazit: Der bessere Taycan? Ja!

Um die Titelfrage zu beantworten: Ja, objektiv betrachtet ist der Taycan Cross Turismo der bessere Taycan. Er bietet den größeren und praktischeren Kofferraum, lässt sich flexibler nutzen und selbst grobe Verwerfungen des Fahrbahnbelags verlieren mit ihm ihren Schrecken. Gleichzeitig fährt sich der Cross Turismo ebenso gut wie die Limousine, denn die fahrdynamischen Unterschiede lassen sich auf öffentlichen Straßen nicht herausfahren. Selbst beim Kostenvergleich schneidet der Cross Turismo nicht zwingend schlechter ab, denn als 4S ist er sogar etwas günstiger. Und die paar Kilometer geringere Reichweite auf dem Papier? Geschenkt, da hat der Fahrende letztlich den größten Einfluss auf den Verbrauch. So ist die Entscheidung gegen den Cross Turismo eine rein emotionale: entweder mag man das Design – oder eben nicht.

Text: Marcus Zacher / Fotos: Porsche, M. Zacher

Porsche Taycan 4 Cross Turismo

Porsche Taycan Turbo Cross Turismo

Technische Daten
Fahrzeugbezeichnung: Porsche Taycan 4 Cross Turismo Porsche Taycan Turbo Cross Turismo
Fahrzeugbeschreibung: fünftüriger, fünfsitziger Oberklasse-Kombi
ANTRIEB
Bauart: je 1 permanenterregte Synchronmaschine an VA und HA
Leistung: 350 kW 500 kW
Drehmoment: 500 Nm 850 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 93,4 kWh/83,7 kWh
Batteriegarantie: 8 Jahre oder 160.000 km (SoH >70 %)
Wärmemanagement: Flüssig-Thermalmanagement
Ladestandard AC: Typ 2 11 kW 3p (opt. 22 kW 3p)
Ladestandard DC: CCS 270 kW
Ladezeit AC 11-kW-Ladestation 0-100 %: 9 h
Ladezeit DC 50-kW-Ladestation 5-80 %: 1 h 33 min
Ladezeit DC 150-kW-Ladestation 5-80 %: ca. 30 min
Ladezeit DC 350-kW-Ladestation 10-80 %: 22,5 min
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h 250 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): 5,1 s 3,3 s
REICHWEITE & VERBRAUCH
WLTP: 389–456 km 395–452 km
NEFZ: N/A N/A
EPA: 346 km 328 km
Verbrauch (WLTP): 26,4–22,4 kWh/100 km 25,9–22,6 kWh/100 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
Länge x Breite (ohne Spiegel) x Höhe: 4,974 m x 1,967 m x 1,409 m 4,974 m x 1,967 m x 1,412 m
Breite (mit Spiegel): 2,144 m
Radstand: 2,904 m
Gepäckraum: 446–1.212 l 405–1.171 l
Frunk: 84 l 84 l
Leergewicht: 2.320 kg 2.395 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst): - -
cW-Wert: 0,26
cW x A: 0,616 m²
PREIS
Deutschland: ab 93.635 € ab 154.444 €
Österreich: ab 96.990 € ab 158.393 €

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