Black Tea Wildfire im Fahrbericht

15.07.2025 von Valentin Buss

Mehr Feuer für die 125er Klasse

Deutschlands erster reiner Elektromotorradhersteller Black Tea Motorbikes verkauft nun endlich sein lang ersehntes Topmodell „Wildfire“. Was das in der Münchner Manufaktur hergestellte L3e-Motorrad so kann, durften wir kürzlich auf einer Testfahrt herausfinden.

Wer Black Tea Motorbikes – kurz BTM – kennt, der weiß, dass es sich auch bei der Wildfire nicht um ein „Me-too“-Produkt eines Großserienherstellers handelt, der auf den Elektro-Trend aufspringen will.

Endlich (nahezu) kompromisslos

BTM wurde mit der Idee gegründet, Elektromotorräder zu bauen – und das möglichst pragmatisch. Während das erste Modell, die Bonfire (Test in Elektroautomobil-Ausgabe 03/2023), deshalb noch einige Kompromisse einging, soll die Wildfire nun alle Wünsche erfüllen:

Leistung, die auch auf der Landstraße Spaß macht: Check. Die Wildfire liefert 34 kW Spitzenleistung und 11 kW Dauerleistung, um auch mit einem „125er“-Führerschein (A1, B196, C111) fahrbar zu sein.

Genug Reichweite für den Alltag: Check. Die bis zu 11 kWh Netto-Akkukapazität sorgen für 250 Kilometer Reichweite nach WMTC – das sind erfahrungsgemäß auch sportlich gefahren mindestens 120, im gemischten Betrieb über 140 Kilometer.

Schnelle Lademöglichkeiten: Check. Das Onboard-Ladegerät mit bis zu 6,6 kW und Typ-2-Anschluss ermöglicht das Laden an öffentlichen Ladesäulen, normalen Wallboxen und per ICCB auch an der Haushaltssteckdose. Das ist in dieser Preisklasse nahezu konkurrenzlos.

Weiterhin mit entnehmbaren Batterien

Noch dazu hat man sich für die Wildfire immer wieder Community-Feedback eingeholt – und das merkt man an vielen Details. So kann man die Akkus bei Bedarf entnehmen. Bei dieser Größe ist das zwar ein Kraftakt, aber die Community wollte darauf eben nicht verzichten.

Ein praktisches Staufach unterhalb der Sitzbank kann zum Mitführen eines Ladekabels oder zum Verstauen kleinerer Einkäufe genutzt werden. Wer mehr Platz braucht, kann auf der Gepäckbrücke im Heck einen Koffer anbringen.

So fährt die Wildfire

Aber genug der Theorie – wie fährt sich die Wildfire denn nun? Was auf den ersten Metern im Vergleich zur BTM Bonfire sofort auffällt, sind die größere Bauform und das höhere Gewicht. Das führt zu einer deutlich höheren Stabilität und Wertanmutung. Die Wildfire fühlt sich an wie ein richtiges Motorrad, federt satter, läuft stabiler geradeaus, lässt sich dank der nicht allzu breiten Reifen aber dennoch agil von links nach rechts werfen. Kurz gesagt: Die Fahrwerksabstimmung ist sehr gelungen.

Überhaupt lassen sich die Motorräder von BTM sehr einfach individualisieren, da abgesehen vom selbst entwickelten Edelstahlrahmen größtenteils einfach austauschbare Baukastenteile zum Einsatz kommen.

Während der LCD-Tacho neben Geschwindigkeit und Ladestand erstaunlich viele Informationen bis hin zur aktuellen Batteriespannung liefert, lässt sich mit einem Wippschalter zwischen drei Fahrmodi wählen.

Im Eco-Modus geht es anfängerfreundlich, aber nicht langsam vorwärts. Im Normal-Modus kann man schon die meisten Ampelsprints gewinnen – solange man es nicht mit einem anderen Elektrofahrzeug zu tun hat. Im Sport-Modus geht dann aber richtig die Post ab.

Ordentliche Fahrleistungen für eine „125er“

Wo bei anderen Zweirädern der L3e-Klasse die Leistungskurve abflacht, steigt sie hier auch jenseits der 50 km/h noch spürbar an. In Verbindung mit der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h ist die Wildfire also uneingeschränkt landstraßentauglich, und selbst auf der Autobahn kann man problemlos mitschwimmen.

Das von uns gefahrene Modell hatte eine CBS-Bremse verbaut, die für die volle Bremsleistung schon eine gewisse Bedienkraft erforderte, dann aber auch mit der Leistung des Sport-Modus zurechtkam. Die Rekuperation war recht gering eingestellt – dies lässt sich aber über ein optionales Bluetooth-Dongle jederzeit per Smartphone-App konfigurieren.

Schwächen bei der Qualitätsanmutung

Haben wir hier also die perfekte L3e-Maschine gefunden, die jeden glücklich machen wird – oder gibt es auch etwas zu meckern? Nun, das ist Geschmackssache. Tatsächlich sieht man der Wildfire an, dass sie von einem aufstrebenden Kleinserienhersteller mehr oder weniger in Handarbeit zusammengeschraubt wird.

Die Konstruktion ist solide, aber an manchen Stellen etwas grobschlächtig. Das Oberflächenfinish und die Materialanmutung können einfach nicht mit teureren Modellen von Großserienherstellern mithalten – und hier und da gab das Testmotorrad auch noch Geräusche von sich, die den Gesamtqualitätseindruck etwas trübten.

So gesehen ist die BTM Wildfire vor allem ein gefundenes Fressen für Schrauber, die ohnehin gerne ihr ganz eigenes Motorrad daraus machen wollen – und Teile, die ihnen nicht gefallen, einfach durch Zubehör oder gar Eigenkreationen austauschen können.

Fazit: Performante 125er mit schneller AC-Ladung

Die Wildfire markiert einen deutlichen Sprung nach vorne im Vergleich zur Bonfire. Sie fährt sich tadellos und bietet (gegen Aufpreis) hohe Leistung, alltagstaugliche Reichweiten und schnelles Laden.

Wer jedoch beim ersten Quietschen direkt in die Markenwerkstatt fahren würde, um die Maschine noch einmal durchchecken zu lassen, würde wohl mit einem Großserienprodukt eher glücklich werden.

Allerdings gibt es solche mit vergleichbarer Performance nicht zum aufgerufenen Preis ab 7.990 Euro (Wildfire Standard mit 5,5-kWh-Akku und 17 kW Spitzenleistung) bzw. 11.590 Euro (Wildfire Performance mit 11-kWh-Akku, 34 kW Spitzenleistung und 6,6-kW-Bordlader).

Fotos: Black Tea Motorbikes, V. Buss

Pro & Contra: Black Tea Wildfire

Pro:

  • angenehme Leistungsentfaltung
  • alltagstaugliche Reichweite
  • hohe Ladeleistung (mit optionalem 6,6-kW-Bordlader)

Contra:

  • Wertanmutung im Detail
  • Bremse könnte noch direkter ansprechen
  • (noch) kein ABS

Zwei Alternativen zur Black Tea Wildfire

RGNT Turbo

Ebenfalls im Retro-Design präsentiert sich die neueste RGNT-Maschine aus Schweden. Die Turbo hält zudem, was der Name verspricht: Bis zu 46 kW leistet der Radnabenmotor, trotzdem handelt es sich nur um eine „125er“. Die Preise starten bei knapp unter 10.000 Euro.

BMW CE 02

Einer der weniger Elektro-125er von einem etablierten Großserienhersteller ist die CE 02 von BMW. Die Mischung aus Moped und Motorrad ist auch als 50er mit 45 km/h Spitze erhältlich, die „große“ Version schafft bis zu 95 km/h. Diese Ausführung ist ab 8.500 Euro zu haben.

Bildergalerie Black Tea Wildfire

Technische Daten Black Tea Wildfire Standard Black Tea Wildfire Performance
Fahrzeugklasse: Motorrad, Klasse L3e-A1 Motorrad, Klasse L3e-A1
Sitze: 2 2
ANTRIEB
Bauart: Radnabenmotor Radnabenmotor
Leistung (Spitze/Nenn): 17 kW/11 kW 34 kW/11 kW
Drehmoment: 250 Nm 250 Nm
BATTERIE & LADESTANDARD
Energieinhalt (brutto/netto): 6 kWh/5,5 kWh 12 kWh/11 kWh
Wärmemanagement: Luftkühlung Luftkühlung
Ladeleistung AC: 3,3 kW 3,3 kW (opt. 6,6 kW)
Ladeleistung DC:
Ladezeit AC (20–80 %): 1 h 2 h (1 h mit 6,6 kW)
FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschw.: 115 km/h 130 km/h
0–100 km/h: N/A N/A
Bremssystem: CBS (ABS in Vorbereitung) CBS (ABS in Vorbereitung)
REICHWEITE & VERBRAUCH
Reichweite (lt. Herst.): 80–130 km max. 250 km
Reichweite (Autobahn): 70 km 140 km
ABMESSUNGEN & GEWICHT
L x B (exkl. Spiegel): 2,00 m x 0,9 m 2,00 m x 0,9 m
Radstand: 1,40 m 1,40 m
Sitzhöhe: 80–86 cm 80–86 cm
Reifen vorne: Heidenau K60 90/90–18 Heidenau K60 90/90–18
Reifen hinten: Heidenau K60 110/80–18 Heidenau K60 110/80–18
Gepäckfach: ja ja
Fahrzeuggewicht: 137 kg 164 kg
Zuladung: N/A N/A
PREIS & VERFÜGBARKEIT
Verfügbarkeit: bestellbar bestellbar
Preis DE: ab 7.990 € ab 10.390 €
Preis AT: ab 7.990 € ab 10.390 €
  1. Peter Noll sagt:

    Sehr guter Bericht, welcher meine eigenen Erfahrungen mit der Wildfire auf den ersten Kilometern voll trifft.

    Peter N.

  2. R. R. sagt:

    Die rustikale Anmutung der Wildfire ist für eine Enduro/Scrambler vollkommen in Ordnung. Die Ausstattung und Reichweite für den Preis ebenfalls.
    Nun muss nur noch ein Händler im Rhein-Main-Gebiet gefunden werden…

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