Die aktuelle Ausgabe!
EAM 03/2026 – Juni/Juli
Zum neunten Mal rollte der E-Cannonball durch Deutschland und fand 2026 seinen Weg nach Berlin. Hier traf die größte Elektroauto-Rallye Europas auf internationalen Motorsport.
Die Hauptstadt steht Anfang Mai in voller Blüte, Straßencafés füllen sich und mittendrin reihen sich rund 100 Elektrofahrzeuge zum Start der größten vollelektrischen Rallye Europas. Nachdem der ECB in den vergangenen Jahren den Norden, den Süden, den Osten und den Westen unter Strom gesetzt hat, war es nun an der Zeit für die Hauptstadt.
Mit dem passenden Motto „der beste E‑Cannonball schnell, schneller, Spreewaldgurke!“ werden Berlin und der Spreewald zur Kulisse des diesjährigen Elektro‑Spektakels.
Das Orga-Team rund um Ove Kröger hat sich für 2026 etwas ganz Besonderes ausgedacht: Erstmals findet das Event im Rahmen eines Formula-E-Wochenendes statt. Wo sonst Boliden der elektrischen Rennserie ihre Runden drehen, präsentiert der E-Cannonball, wie Elektromobilität im Alltag aussieht.
Schon der Freitag hält für die Teams mehr bereit als bloßes Ankommen. Kaum sind die Startnummern ausgegeben, können die Teams bereits die ersten Punkte sammeln: Bei der RC-Car-Challenge treten die Teams in Gruppen auf der RC-Bahn am Hotelgelände an. Bei der LichtBlick-Challenge des Hauptsponsors LichtBlick eMobility heißt es währenddessen lächeln für das schönste Foto und wer noch nicht warm genug ist, der reckt und streckt sich bei einer Runde Twister als dritter Challenge des Tages.
Am Nachmittag verlagert sich der gesamte Tross auf das Tempelhofer Feld. Dort werden die Fahrzeuge im Parc Fermé der Formula E aufgereiht, während die Teams beim freien Training der Rennserie erste Eindrücke vom Wochenende sammeln.
Zurück im Hotel beginnt am Abend das, was den E-Cannonball jenseits der Wertung ausmacht. Beim Community-Abend treffen sich alte Bekannte aus der Szene und neue Gesichter für gemütliche Fachsimpelei zwischen den Tischen.
Am Samstagmorgen fällt um 6:30 Uhr der Startschuss für die eigentliche Rallye. Im Minutentakt verlassen die Teams das Hotel und machen sich auf eine rund 260 Kilometer lange Rundstrecke durch Brandenburg und den Spreewald. Sechs Etappen führen vorbei an den Kanälen und Schleusen des Spreewalds, durch kleine Dörfer und über stille Waldstraßen. Die Landschaft ist malerisch, das Maiwetter dieses Jahr gnädig.
Schon mit dem Verlassen des Hotelparkplatzes tickt die erste Langzeitaufgabe im Hinterkopf: Zählt jede Spree-Überquerung auf der gesamten Strecke. Klingt simpel, ist es aber nicht – die Spree windet sich durch den Spreewald in unzähligen Armen und Kanälen, und nach der vierten Stunde am Steuer geraten so manche Teams beim Rechnen ins Schwitzen. War der schmale Wasserlauf vor zwei Stunden nun ein Spree-Arm oder nicht?
Die nächste Aufgabe wartet am Riesenschuh von Robert Pieper in Heidesee: Schnürsenkel-Ösen zählen und ein Teamfoto schießen. Ein ähnliches Spiel beim Riesenmotorrad an einem Abzweig bei Lübbenau im Spreewald, wo die Teams ein Foto mit dem Koloss anfertigen müssen.
Das Highlight der Durchfahrtskontrollen wartet am Bismarckturm in Burg im Spreewald. Mit einer Münze aus dem Startbeutel wird zunächst eine Prägung angefertigt, anschließend müssen die Teams den Turm besteigen und dabei alle rechtwinkligen Stufen mit mindestens zehn Zentimetern Tritthöhe zählen. Oben angekommen wird man mit einer schönen Spreewald-Landschaft belohnt. Für das Beweisfoto auf dem Turm müssen alle Teammitglieder mit aufs Bild.
In Tauche kommt mit der „Tour de Werder“ eine Gleichmäßigkeitsprüfung der ungewöhnlichen Art: Der Fahrer rollt 30 Meter mit dem Auto über eine Strecke und klatscht den Beifahrer ab, der die identische Distanz anschließend auf einem Klapprad zurücklegt. Beide sollen möglichst dieselbe Zeit benötigen – die Differenz entscheidet. Das beste Team nimmt das Klapprad gleich mit nach Hause.
Noch kniffliger ist die Wertungsprüfung „Hab Vertrauen – jeder Zentimeter zählt“ in Lübben. Der Fahrer fährt mit verbundenen Augen auf einer abgesperrten Strecke in Schrittgeschwindigkeit genau 20 Meter geradeaus. Der Beifahrer darf Anweisungen geben, bleibt aber angeschnallt sitzen. Gemessen wird an der Radnabe. Als nächstes steigt der Beifahrer aus, bindet sich ebenfalls die Augen und geht ab der Radnabe der Vorderachse genau zwölf Meter zurück. Keine Hilfestellung ist erlaubt, bei Täuschung droht die Disqualifikation. Eine Aufgabe, bei der das Vertrauen ins eigene Fahrzeuggefühl auf eine harte Probe gestellt wird.
Kurz vor der Zieleinfahrt vor dem Hotel wartet eine letzte Challenge auf die Teilnehmer: die „Angsthasen Challenge“.
Wer mit dem niedrigsten Akkustand ins Ziel rollt, holt die meisten Punkte. Mut wird belohnt, Reichweitenangst bestraft. Wer die ganze Rallye zu vorsichtig geladen hat, geht hier leer aus – wer das eigene Fahrzeug und die Strecke richtig einzuschätzen weiß, wird belohnt.
Der Sonntag gehört dem großen Finale. Am Vormittag fahren alle Teams zurück aufs Tempelhofer Feld, kurz darauf folgt der Gänsehautmoment des gesamten Wochenendes: Alle rund 100 Teams drehen eine Paraderunde auf dem offiziellen Formula-E-Kurs, vor bis zu 25.000 Zuschauern. Vom kompakten BYD Dolphin Surf bis zum BMW iX3, vom E-Motorrad bis zum elektrischen Lkw rollt einmal alles über die Strecke, was der DACH-Raum an elektrischen Fahrzeugen aufzubieten hat.
Am Mittag findet die Siegerehrung statt, und zwar auf demselben Podium, auf dem abends die Formula-E-Champions geehrt werden. Den Abschluss bildet das Formula-E-Rennen, das die Teams gemeinsam auf der Tribüne verfolgen.
Das Starterfeld 2026 war so bunt wie nie. Neben den bewährten Gruppen 1 bis 3 für Serien-Elektroautos gingen erstmals Bikes und Nutzfahrzeuge als eigenständige Wertungsklassen an den Start, dazu die beliebten „Heroes“, jene liebevoll auf Elektro umgerüsteten Fahrzeuge abseits der Serienproduktion.
Am Ende eines langen Rallye-Wochenendes standen die Ergebnisse fest:
In der Bike-Klasse sicherte sich Team Ecocruiser (Startnummer 1) mit 2.541 Punkten den Sieg – vor EMCD Rote Jacken Racing (2.402) und Nordlicht (2.364).
Bei den Nutzfahrzeugen triumphierte das altbekannte Team Omnibuzz mit 2.440 Punkten, gefolgt vom JOKARI E-Team (2.254) und E-Power Truck (2.232).
Die Hero-Klasse entschied Team BetterSchmitt mit 2.302 Punkten für sich, knapp vor Phoenix (2.246) und BOSolarCar (2.215).
In Gruppe 3 (kleinere Akkus) holten sich die Green MINIons (2.940 Punkte) den Sieg, dicht gefolgt von Streamline (2.910) und dem erneut angetretenen Team Combo (2.800).
Gruppe 2 war mit 39 Teams die größte Klasse und lieferte entsprechend Spannung: Sieger wurde Elvolution Sustainable Power aka Die Rollende Party mit beeindruckenden 3.269 Punkten. Platz 2 ging an PüttPower (3.121), Rang 3 an Die Sauerländer (3.032).
In Gruppe 1, der Königsklasse der Reichweitenstärken, setzte sich Audi Berlin powered by MOON (3.086 Punkte) durch – vor Die Spieser (2.999) und ToTo (2.983).
Der Sonderwettbewerb „Hero Challenge“ wurde erstmals beim E-Cannonball 2026 ausgetragen. Veranstalter Ove Kröger und Albert Bangula traten im elektrifizierten 1966er Ford Mustang gegen Alex Bangula und Alexander Bloch im elektrifizierten Porsche 911 an. Den Sonderwettbewerb gewann Team Direct eDrive (2.261 Punkte) vor Oves eigenem Team (1.976).
Wie in jedem Jahr gilt: Die Platzierung ist das eine, das Erlebnis das andere. Wer einmal im Konvoi aus Elektroautos, E-Bikes und Elektro-Lkw durch eine Region gefahren ist, Aufgaben gemeistert, Gleichgesinnte getroffen und festgestellt hat, dass Elektromobilität längst kein Kompromiss mehr ist – der kommt wieder.
Der E-Cannonball 2027 wird deshalb mit Spannung erwartet
Denn zum zehnjährigen Jubiläum der Elektro-Rallye planen die Veranstalter eine besondere Ausgabe – größer, aufwendiger und spektakulärer als alles zuvor.
Zur Homepage des E-Cannonballs…
Fotos: Marcus Lieder
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EAM 03/2026 – Juni/Juli
Danke für den wunderschönen Bericht von unserem gemeinsamen Erlebnis. Viele Grüße vom Team Phoenix Contact.