Startschuss für das bidirektionale Laden

04.05.2026 von Marcus Zacher

Der EAM-Podcast: Episode 130

Eine Änderung im Energiewirtschaftsrecht, die im November letzten Jahres gebilligt wurde, sorgt nun endlich für rechtliche Klarheit beim Einsatz von Elektroautos als mobilen Energiespeicher. Denn erstmals entfällt damit die Doppelbelastung beim Ein- und Ausspeichern von elektrischer Energie. Damit wir das bidirektionale Laden und ganz speziell das sogenannte „Vehicle-to-Grid“ (V2G) erstmals in Deutschland wirtschaftlich sinnvoll darstellbar.

Wir haben uns angeschaut, welche Angebote zum bidirektionalen Laden die Autohersteller bereits im Programm haben oder in Kürze auf den Markt bringen werden.

Shownotes zur Episode 130

V2X – Vehicle-to-Everything
  • V2L – Vehicle-to-Load
  • V2V – Vehicle-to-Vehicle
  • V2H – Vehicle-to-Home
  • V2B – Vehicle-to-Building
  • V2G – Vehicle-to-Grid
VW & Elli: V2G ab Q4/2026

Volkswagen & Elli bieten ein Rundum-Paket für das bidirektionales Laden, bestehend aus E-Fahrzeug, App, dynamischem Stromtarif, Smart Meter sowie einer bidirektionalen DC-Wallbox inkl. Installation – alles aus einer Hand über Ellis Plattform, die auch Aggregation und Energiehandel übernimmt. Die Smart-Meter-Installation ist ab sofort möglich, eine Vorregistrierung ab Juni 2026.

Bereits heute sind laut VW 1 Million MEB-Fahrzeuge in Europa für das Bidi-Laden vorbereitet. Zunächst gibt es eine Vergütung für die Bereitstellung der Fahrzeugbatterie im Energiehandel – unabhängig vom Handelserfolg, die Höhe richtet sich nach der gewählten Flexibilität.

VW stellt Einnahmen von bis zu 700–900 Euro jährlich in Aussicht und verspricht perspektivisch „nahezu kostenfreies Laden“. Mit ID. Software 6 soll die Funktionalität auf weitere Batteriegrößen und zukünftige Volumenmodelle ausgeweitet werden.

Foto: Volkswagen

Ford & Octopus Energy: V2G ab Sommer

Ford und Octopus Energy starten ihr Bidi-Angebot im Sommer 2026, zunächst für die Modelle Ford Explorer und Capri ab Modelljahr 2026. Voraussetzung ist die DC-Wallbox von Ambibox (aktueller Online-Preis: 3.564 Euro), die allerdings nur 500-Volt-kompatibel ist. Eine Registrierung für das Angebot ist bereits jetzt möglich.

Das Herzstück ist der Stromtarif von Octopus Energy: Wer sein Fahrzeug mindestens 300 Stunden pro Monat mit der Wallbox verbunden hält, erhält einen Bonus von 30 Euro monatlich – das entspricht bis zu 360 Euro im Jahr. Kombiniert mit einem um 18 ct/kWh günstigeren Ladestrom ergibt sich bei einem angenommenen Tarif von 33 ct/kWh ein effektiver Preis von rund 15 ct/kWh. Damit lassen sich rechnerisch bei einem Verbrauch von 15 kWh/100 km bis zu 16.000 Kilometer kostenfrei fahren; bei 20 kWh/100 km sind es entsprechend rund 12.000 km.

Die Ladesteuerung übernimmt Octopus vollständig, Nutzer können jedoch Abfahrtszeiten und Mindestladestände flexibel festlegen. Die Optimierung lässt sich jederzeit deaktivieren; dann steht Laden mit 11 kW zur Verfügung.

Foto: Ambibox

BMW & E.ON: erstes marktreifes V2G-Angebot

BMW und E.ON bieten bidirektionales Laden zunächst für den BMW iX3 an, in Verbindung mit der BMW Wallbox Professional (2.095 Euro) – die 800-Volt-fähig ist und auch Vehicle-to-Home (V2H) unterstützt. Für die ersten 100 Kunden gibt es einen Rabatt von 700 Euro auf die Wallbox.

Für die Nutzung des V2G-Angebots sind zwei Verträge erforderlich: der Haushaltstarif „E.ON ÖkoStrom Home & Drive V2G“ mit festem Arbeitspreis sowie der separate V2G-Vertrag „E.ON V2G Plus“. Über letzteren wird ein Bonus von bis zu 24 ct pro Stunde ausgezahlt, gedeckelt auf 60 Euro pro Monat – das entspricht rund 250 Stunden monatlich bzw. etwa 8,5 Stunden täglich und maximal 720 Euro im Jahr. Hinzu kommt eine Rückspeisevergütung von 42 ct/kWh.

Wie bei den Mitbewerbern hängt die tatsächliche Vergütung von der Ansteckzeit des Fahrzeugs ab. Bei einem angenommenen Strompreis von 33 ct/kWh entspricht der Bonus rechnerisch bis zu 2.180 kWh – bei einem Verbrauch von 20 kWh/100 km rund 11.000 Kilometer kostenfreiem Fahren pro Jahr. BMW und E.ON beziffern dies mit „bis zu 14.000 Kilometern“. Die zugrundeliegende Software wurde gemeinsam von beiden Unternehmen entwickelt.

Foto: BMW

Renault, Mobilize & The Mobility House

Das V2G-Angebot gehört zu den Vorreitern in Europa: Es ist seit Ende 2024 in Frankreich verfügbar – früher als alle Mitbewerber. Kompatibel sind Renault R4, R5, Mégane und Scénic sowie die Alpine A290.

Ein technischer Unterschied zu den anderen Systemen: Hier kommt ein bidirektionaler AC-Bordlader zum Einsatz, der Strom wird also nicht über den CCS-Stecker sondern über einen Typ-2-Stecker ins Fahrzeug abgegeben und darüber auch wieder entnommen. Pflicht ist die Mobilize PowerBox Verso, die mit bis zu 22 kW lädt und in Frankreich ab 1.399 Euro kostet.

Den passenden Stromtarif stellt The Mobility House bereit. Laut Renault lassen sich damit in Frankreich rund 275 Euro jährlich einsparen. Das Angebot soll auch auf Deutschland und andere Märkte ausgeweitet werden. Ab wann es hierzulande verfügbar sein soll, ist bislang nicht bekannt.

Foto: Renault

Hörtipps passend zum Thema

Chaos beim Smart-Meter-Rollout:

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nehmen auch die Schwankungen im Stromnetz zu. Mal gibt es Überschüsse, mal müssen teurere, konventionelle Kraftwerke einspringen, um die Stromversorgung sicherzustellen. Doch diese starken Schwankungen bringen auch ein hohes Einsparpotenzial mit sich.

Ein Baustein sind dynamische Stromtarife, bei denen Kunden an Tagen mit besonders günstigem Strom von niedrigen Strompreisen profitieren können. Kombiniert man dies mit der Ladesteuerung für Elektroautos, lassen sich diese besonders günstig aufladen. Weiteres Potenzial steckt in der künftigen Nutzung des bidirektionalen Ladens. Künftig könnte Energie daher so günstig wie nie zuvor sein. Doch noch mangelt es an den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy, erläutert uns die Chancen eines flexiblen Strommarkts und erklärt, woran es heute noch hakt.

Zur Episode #107 …

Der Strommarkt der Zukunft:

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nehmen auch die Schwankungen im Stromnetz zu. Mal gibt es Überschüsse, mal müssen teurere, konventionelle Kraftwerke einspringen, um die Stromversorgung sicherzustellen. Doch diese starken Schwankungen bringen auch ein hohes Einsparpotenzial mit sich.

Ein Baustein sind dynamische Stromtarife, bei denen Kunden an Tagen mit besonders günstigem Strom von niedrigen Strompreisen profitieren können. Kombiniert man dies mit der Ladesteuerung für Elektroautos, lassen sich diese besonders günstig aufladen. Weiteres Potenzial steckt in der künftigen Nutzung des bidirektionalen Ladens. Künftig könnte Energie daher so günstig wie nie zuvor sein. Doch noch mangelt es an den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy, erläutert uns die Chancen eines flexiblen Strommarkts und erklärt, woran es heute noch hakt.

Zur Episode #099 …

Wann kommt das bidirektionale Laden?

Über das das bidirektionale Laden wird schon lange gesprochen, doch etabliert hat sich diese Technologie flächendeckend noch nicht. Zuletzt haben wir im EAM-Podcast in Episode 029 Einblicke in die Technologie gegeben, doch seitdem hat sich einiges getan – sowohl bei den Elektrofahrzeugen, der Standardisierung oder den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Um einen Überblick über den aktuellen Stand zu erhalten, haben wir Dr. Jörg Heuer eingeladen, den Geschäftsführer des Münchner Technologieunternehmens EcoG. Er erläutert uns in dieser Episode, was noch geschehen muss, damit dieser Technologie endlich zum Durchbruch verholfen wird.

Zur Episode #081 …

Einmal hin und einmal her – so funktioniert das bidirektionale Laden:

Es wäre doch schön, wenn man mit dem selbst erzeugten Solarstrom nicht nur sein Elektroauto laden, sondern mit der in der Batterie gespeicherten Energie auch sein Haus versorgen könnte – in dem man die Stromzufuhr einfach umkehrt. Bidirektionales Laden oder Vehicle-to-X nennt sich diese Technologie, an der zwar schon lange gearbeitet wird, die sich jedoch in der Praxis noch nicht großflächig durchgesetzt hat. Woran das liegt, hat uns Björn Bergfelder erläutert.

Zur Episode #029 …

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