Elektrifizierungsstrategie von Volkswagen

test

„Together 2025“ – schon vorab hatte Matthias Müller, der Vorsitzende des Vorstands der Volkswagen AG, seine Strategie für den Volkswagen Konzern vorgestellt.

 Jetzt bei der 56. ordentlichen Hauptversammlung erläuterte er sie den rund 3000 Aktionären ausführlicher. Müller bekräftigte dabei sein Ziel, Milliarden-Investitionen in eine „Elektrifizierungsoffensive, die in der Branche ihresgleichen sucht“ zu tätigen. Volkswagen will sich vom reinen Automobilhersteller zu einem umfassenden Mobilitätsanbieter wandeln. Soll heißen: Autonomes Fahren und Digitalisierung stehen im Fokus der neuen Strategie.

Volkswagen verfolgt dabei – laut Müller – den Anspruch, alle relevanten Segmente abzudecken. Dazu gehören auch Fahrzeugkonzepte für den Individualverkehr, sowie sogenannte „Last-Mile-Solutions“ für den Transport von Menschen und Waren in großen Städten. Müller bestätigt: „Die kumulierten Investitionen für neue autonome Mobilitätslösungen werden mehrere Milliarden Euro betragen.“

Doch die bereits etablierten Technologien stehen noch lange im Mittelpunkt. „Wir arbeiten weiter intensiv daran, die Umweltverträglichkeit unserer Diesel und Benziner zu verbessern“, so Müller in Hannover. Ein Meilenstein soll dabei ab Juni 2017 die Ausrüstung der neuen Generation von TSI- und TFSI-Motoren sukzessive mit Otto-Partikelfiltern sein. Den Anfang machen der 1,4-Liter TSI-Motor im neuen Tiguan und im Audi A5. Der Partikelausstoß soll dabei um bis zu 90 Prozent gesenkt werden. Bis 2022 könnte diese Technologie in bis zu sieben Millionen Konzernfahrzeugen pro Jahr eingebaut werden.

Die Rückrufaktion wegen der Dieselthematik, wie Volkswagen es nennt, nehme aktuell Fahrt auf, erklärte Müller. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) habe bereits über 3,7 Millionen Fahrzeuge zur Überarbeitung freigegeben. Speziell handelt es sich dabei um den Passat, Tiguan, und Caddy, ferner auch alle Varianten des Golf, der Seat Exeo, der Skoda Superb und diverse Modelle von Audi (A3, A4 und Q5). „Viele zehntausend Fahrzeugbesitzer werden in den nächsten Wochen informiert und zum Werkstattbesuch gebeten“, bestätigte Müller. Im Kern der Bemühungen sieht Müller nach wie vor das Ziel, das Vertrauen in die Marken des Konzerns zurückzugewinnen. Das sei „die wichtigste Währung des Unternehmens“. Dem Wettbewerb „werden wir es nicht leicht machen. Wir haben unseren Ehrgeiz nicht begraben“, gibt sich der Konzernchef kämpferisch. Die 60 Neuheiten die im Jahr 2016 auf den Markt kommen seien ein Indiz dafür.

Trotz aller Anstrengung Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, beruhigt Matthias Müller seine Belegschaft: „Wir stehen auch in schwierigen Zeiten zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.“ Ein Baustein für dieses Versprechen sei die Strategie 2025, die einen epochalen Wandel einleiten und für profitables Wachstum sorgen soll. 2016 sei das Jahr „in dem wir den eingeleiteten Wandel beschleunigen. In dem wir das Fundament für ein neues, besseres Volkswagen legen“, so Müller.

Vor dem Hintergrund, bis 2025 mehr als 30 vollelektrische neue Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, betonte Matthias Müller, dass „der Verbrennungsmotor auch im Jahr 2030 noch etwa zwei Drittel des Marktvolumens neuer Fahrzeuge ausmachen“ werde. Das andere Drittel wird dann elektrisch fahren.“ Die Elektromobilität soll dabei zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen werden. Auch bei der Brennstoffzelle wird Volkswagen am Ball bleiben und bereit sein „wenn die Zeit dafür reif ist“, so Müller.

Eine einschneidende Veränderung wird in den kommenden Monaten die Neuausrichtung des konzernweiten Komponentengeschäfts bringen. Weltweit arbeiten aktuell rund 67 000 Menschen an 26 Standorten in diesem Geschäftsbereich. Müller verspricht sich durch eine Bündelung und die damit einhergehende Neuausrichtung mehr unternehmerische Freiheit, mehr Transparenz und mehr internen Wettbewerb. „Wir werden dabei verantwortungsvoll und kooperativ vorgehen. Das sind wir unserer Belegschaft schuldig, die in diesen Zeiten gerade Großartiges leistet“, lobt der Konzernchef.

Draußen erhielt die Hauptversammlung einen besonderen Akzent durch eine kleinen Gruppe Demonstranten vor dem Haupteingang. Sie machten auf die Stickstoffwerte aufmerksam und forderte eine „schonungslose Aufklärung“. Beachtung durch Gäste und Aktionäre erfuhren sie allerdings wenig. Drinnen versprach der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Pötsch in seinen Ausführungen zu Beginn der Veranstaltung erneut umfassende Transparenz und erklärte dazu den aktuellen Sachstand in der Dieselthematik. „Wir haben zudem das Ressort Integrität und Recht gegründet“, beschrieb Pötsch den Weg für zukünftig garantierte Transparenz bei Volkswagen. Aufsichtsrat und Vorstand haben Frau Hohmann-Dennhardt als Vorstandsmitglied für den Bereich Integrität und Recht erneut für ihre Arbeit die volle Unterstützung zugesichert.

Einen vollständigen, aktuellen Sachstand der Ermittlungen der Dieselthematik konnte Pötsch allerdings nicht geben, da es Auswirkungen auf die aktuell laufenden Verfahren in den USA haben könnte. Von dem Erfolg der Verhandlungen, die sich in einem sensiblen Stadium befinden, hängt viel für Volkswagen ab. Das wissen auch die Aktionäre. (ampnet/tw)

 

 

Einen Kommentar verfassen

Kommentare

  • Keine Kommentare gefunden